Mittelständler setzen vor allem auf strategischen Schutz ihrer Innovationen

Kleine und mittlere Unternehmen legen großen Wert auf den Schutz ihrer Innovationen. Dazu entwickeln sie vor allem eigene strategisch orientierte Methoden. Mit dem Erzielen von Zeitvorsprüngen vor den Mitbewerbern, der Geheimhaltung relevanter Informationen oder der langfristigen Bindung des Personals versuchen sie, ihr geistiges Eigentum zu schützen.

Erst in zweiter Linie setzen KMU dazu rechtliche Instrumente wie Patente, Gebrauchsmuster, Schutzmarken oder Urheberrechte ein. Auch forschungsintensive und besonders innovative Unternehmen messen dem strategischen Schutz ihrer Innovationen einen hohen Stellenwert bei, nutzen aber stärker als andere Unternehmen rechtliche Möglichkeiten.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des neuen Wirtschaftsoberservers online der KfW Mittelstandsbank. Danach schätzen knapp 60 % der befragten KMU strategische Schutzmechanismen für sich als bedeutsam ein, nur 28 % sagten dies über formale Schutzrechte. Der wichtigste Faktor unter den strategischen Schutzmaßnahmen ist der Zeitvorsprung vor Konkurrenten mit einem Anteil von 44 %. Mit deutlichem Abstand rangieren die langfristige Bindung des Personals sowie die Geheimhaltung mit einem Anteil von 27 % bzw. 24 % auf der zweiten und dritten Position. Patente als wichtigstes formales Schutzrecht halten 19 % der kleinen und mittleren Unternehmen für bedeutsam. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen gibt an, dass ein Schutz vor Nachahmung nicht möglich sei bzw. für ihr Unternehmen keine Rolle spiele.

Einen besonders hohen Stellenwert hat der Schutz von geistigem Eigentum für innovative mittelständische Unternehmen (72,6 %). Auch sie vertrauen stärker auf strategische Instrumente (68,2 %), setzen aber zugleich auch stärker rechtliche Mittel (32,2 %) ein als nicht innovative Unternehmen. KMU mit hohen Innovationsanstrengungen nutzen rechtliche Schutzinstrumente besonders häufig.

Die hohe Bedeutung strategischer Ansätze für mittelständische Unternehmen zeigt, dass die klassischen, rechtlichen Schutzinstrumente nicht allen Anforderungen der Unternehmen gerecht werden und ihre Anwendung viele Unternehmen vor erhebliche Probleme stellt. So können auch rechtliche Instrumente den Schutz von Innovationen nicht garantieren und sind mit erheblichen direkten Kosten – für Anmeldung, Aufrechterhaltung und gegebenenfalls der gerichtlichen Durchsetzung – verbunden.

Ferner zeigt sich, dass diejenigen Unternehmen, die rechtliche Schutzinstrumente häufig als wichtig einstufen auch strategische Schutzmechanismen wertschätzen. Rechtliche und strategische Schutzinstrumente stellen somit für viele Unternehmen keine Alternativen dar, sondern werden gleichzeitig genutzt.

Mit Wirtschaftszweigen wie der Mess- und Regeltechnik, der Elektrotechnik, dem Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Chemieindustrie kommen den Schutzmechanismen gerade in jenen Wirtschaftszweigen eine hohe Bedeutung zu, die traditionelle Stärken der deutschen Wirtschaft ausmachen und die für ihre hohen Innovationsanstrengungen bekannt sind.

Der Wirtschaftsobserver der KfW Mittelstandsbank online bietet Hintergrundinformationen zu aktuellen Finanz- und Wirtschaftsthemen und fasst neueste Forschungsergebnisse aus dem KfW-Research zusammen. Die aktuelle Ausgabe beruht auf einer Spezialauswertung des KfW-Mittelstandspanels, beim rund 10.000 kleine und mittlere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Mio. EUR befragt werden.

Hinweis: Der aktuelle KfW Wirtschaftsobserver online ist unter www.kfw.de unter dem Navigationspunkt Research / Publikationsreihen abrufbar

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