Langzeitarbeitslosigkeit lässt sich durch Innovation abbauen

Ein neues Konzept zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit legte heute die saarländische SHS-Stiftung mit dem früheren VW-Vorstandsmitglied, Peter Hartz, der Öffentlichkeit vor.

Langzeitarbeitslosen könne nur geholfen werden, wenn ihre individuelle soziale Lage sowie psychische und gesundheitliche Verfassung vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Umfeldes untersucht würden, sagte Hartz in Saarbrücken. Das Konzept fordere erstmals dazu auf, sich der Langzeitarbeitslosigkeit durch „koordinierte und interdisziplinäre“ Maßnahmen anzunehmen.

Kern des Vorschlags ist, auf einer mehrtägigen „Projektplattform“, die von der Arbeitsverwaltung gezielt zu fördern wäre, die Chancen und Perspektiven der Wiederbeschäftigung von Langzeitarbeitslosen zu erhöhen. Dabei werde der Langzeitarbeitslose von mehreren Fachleuten der Medizin, der Neurowissenschaft, der Psychologie, der Sozialwissenschaft und der Berufsberatung über mehrere Tage einzeln und in Gruppen beraten. Ein so genannter mehrtägiger „Polylog“, an dem betroffene Arbeitslose und Wissenschaftler zusammenkommen, soll den Rahmen dafür bilden. Ziel ist, Talente aufzuspüren, Wissen, Fähigkeiten und Motivationsstand zu erfassen, Selbstsicherheit, Zuversicht und innovatives Denken zu fördern und aus entmutigten und frustrierten Arbeitslosen „Minipreneure“ zu schaffen.

Eckpunkte im Rahmen der vorgeschlagenen „Projektplattform“ sollen sein:

– Eine individuelle psychologische und soziologische Betreuung des Langzeitarbeitslosen.

– Entwicklung eines persönlichen Reintegrationskonzeptes, gestützt von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Neurologie, der Motivations- und Stressforschung, sowie der Psychologie.

– Aufgrund der gewöhnlich zu beobachtenden Belastungen durch anhaltende Frustration und Stress beim Langzeitarbeitslosen, begleitet mit Selbstentwertung, werden Hilfen bereitgestellt, um diese Hindernisse bei der Reintegration in den Arbeitsmarkt zu beseitigen.

– Altersgemäße Betreuung junger und älterer Arbeitsloser.

– Zur Vorbereitung des „Polylogs“ wird ein individuelles Stärkenprofil ermittelt. Dazu dient eine Talent- und Eignungsdiagnose, die mit Hilfe psychologischer Methoden ausgearbeitet wird. „Sowohl die Talent-Diagnostik als auch die Art der Ergebnisverwertung gehen hierbei weit über bisherige Ansätze der Arbeitsvermittlung hinaus“, heißt es im Konzept.

– Beschäftigungspotentiale mittels regionaler Wirtschaftsstrukturanalysen werden ergründet, die darauf gerichtet sind, das Beschäftigungsumfeld systematisch bis auf die Orts- bzw. Stadtteilebene zu erfassen. Ein individuelles „Beschäftigungs-Radar“ soll dabei entstehen.

– Durch gegenseitiges Lernen und Helfen innerhalb und zwischen den Gruppen sollen Motivation und Selbstvertrauen während des mehrtägigen „Polylogs“ gefördert werden.

– Durch die Beteiligung von ehemaligen Langzeitarbeitslosen an den Diskussionen des „Polylogs“, als Moderatoren und Trainer, sollen Langzeitarbeitslose von den Erfahrungen der ehemals Betroffenen gezielt Nutzen ziehen.

– Die Vernetzung der bundesweit über 400 ARGEn und der so genannten Optionskommunen erlaubt eine Betreuung der Langzeitarbeitslosen mit Hilfe eines „Franchise-Systems“. Dabei soll die Qualität der übernommenen Betreuung durch ARGEn und Optionskommunen bundesweit einheitlich durchgeführt werden können.

– Im Konzept fordern die Autoren die Ausschöpfung der Bezugsdauer bei der Gewährung von Einstiegsgeld auf 24 Monate. Das würde die Aufnahme der Selbständigkeit wesentlich erleichtern. Das Einstiegsgeld wird nach § 29 SGB II zur Grundsicherung für Arbeitslose beim Einstieg in eine selbständige Tätigkeit gezahlt.

– Eine Langzeitstudie soll wissenschaftlich die Umsetzung des Konzeptes begleiten und vorantreiben.

Peter Hartz und das Team von Wissenschaftlern und Arbeitsmarktfachleuten, die die einzelnen Schritte detailliert ausgearbeitet hatten, fordern die Arbeits- und Sozialpolitik auf, gerade jetzt sich der Langzeitarbeitslosigkeit anzunehmen.

Zum Team gehörten u.a. neben Peter Hartz,

– Prof. Dr. Gerald Hüther, Leiter der Abteilung für Neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und der Zentralstelle für Neurobiologische Präventivforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg,

– Prof. Dr. Dr. Hilarion G. Petzold, emeritierter Ordinarius für Psychologie der Freien Universität Amsterdam, wissenschaftlicher Leiter des Studiengangs „Supervision und Coaching an der Donau-Universität Krems, Leiter der „Europäischen Akademie für Psychosoziale Gesundheit und Kreativitätsförderung“ Hückeswagen, staatlich anerkannte Einrichtung der beruflichen Bildung, und

– Prof. Dr. Heinz Schuler von der S&F Personalpsychologische Managementberatung GmbH, HR Diagnostics AG, Stuttgart.

Die vollständige Fassung des Konzeptes ist unter folgenden Links zu ersehen:
http://www.minipreneure.de
http://www.shsfoundation.de
Bei Rückfragen:
Ansprechpartner:
Jonas Lieftink
SHS Foundation
IT Park Saarland
Altenkesseler Str. 17/B5
66115 Saarbrücken
Fon 06 81 / 9 54 49-40
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