Innovationspotenziale im Patentmanagement kaum genutzt

Patentmanager übernehmen damit eine wichtige Funktion im Innovationswettbewerb. Doch ihre Kompetenzen sind so kaum ausgeschöpft. Eine aktuelle Benchmarkstudie zeigt, dass teures Know-how vor allem in aufwändigen Verwaltungsaufgaben gebunden ist und kaum für „kreativ-schöpferische“ Prozesse im Unternehmen genutzt wird.

Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum in einer aktuellen Studie. Befragt wurden 2.000 patentaktive Unternehmen nach dem Status quo, den Herausforderungen und Zukunftsaussichten des Patentmanagements. Wie hoch ist der durchschnittliche Patentbestand? Wie ist das Patentmanagement in den Unternehmen organisiert? Wie hoch sind die Kosten einer eigenen Patentmanagementabteilung? Wie sind Patentmanager in Innovationsprozesse eingebunden? Nur einige Fragen, auf die die Forscher in ihrer umfassenden Benchmarkanalyse eingehen.

Für die meisten Unternehmen sind Patente von herausragender Bedeutung im Innovationswettbewerb und Patentmanager zu gefragten Spezialisten im Unternehmen geworden. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Ausarbeitung von Patentanmeldungen, der Kommunikation mit dem Patentanwalt, der Abwicklung von Arbeitnehmererfindervergütungen etc. Nimmt man noch die Beobachtung von Wettbewerbspatenten oder das Aufspüren von Patentierungslücken hinzu, binden diese Aktivitäten 85% der verfügbaren Zeit von Patentmanagern. Über die traditionellen Aufgaben der Patentierung und Verwaltung des Patentbestandes hinaus, sind die IP-Experten häufig aber kaum in die Innovationsprozesse eingebunden. So geben fast 40% der befragten Patentmanager an, dass sie an „Kreativterminen der Fachabteilungen“ nur selten teilnehmen. Fast zwei Drittel der Befragten beklagen, dass die Suche nach Innovationsmöglichkeiten im Patentmanagement methodisch auch nicht unterstützt wird. Kein überraschendes Ergebnis, berücksichtigt man, dass in der Hälfte (49,1%) der befragten Unternehmen dem Patentmanagement eine Rolle als Impulsgeber für Innovationen gar nicht zugedacht ist.

Aus Sicht der Autoren ein ernüchternder Befund. Während in Deutschland der Innovations- und Kostendruck weiter steigt und die Unternehmen zunehmend gefordert sind, mehr aus ihren Potenzialen zu machen und ihre Innovationsperformance zu erhöhen, bleibt nach Ansicht der Forscher auf diese Weise aussichtsreiches Innovationspotenzial ungenutzt. Prof Dr. Friedrich Kerka: „Da Patentmanager nicht nur über ausgeprägtes Recherche-Know-how, sondern in den meisten Fällen (75,1%) auch über einen technisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungs- und Erfahrungshintergrund verfügen und damit – im Gegensatz zu vielen anderen um Innovationen Bemühten – auch beurteilungsfähig sind, könnten gerade sie besondere Impulsgeber für Innovationen sein.“

Auch auf die Frage, mit welchen Mitteln die Neuausrichtung des Patentmanagements finanziert werden soll, liefert die Studie zahlreiche Ansatzpunkte. Da zusätzliche Gelder nach Ansicht der Autoren in der Regel nicht zu erwarten sind, gilt es, die operative Exzellenz im Patentmanagement zu erhöhen. Dazu sind die bestehenden Prozesse zu überprüfen und Möglichkeiten für eine ressourcenschonendere Abwicklung der bisherigen Aufgaben zu sondieren. Knapp ein Drittel (30,2%) der befragten Patentmanager gibt in diesem Zusammenhang bspw. an, dass in ihrem Unternehmen notwendige Entscheidungen im Patentierungsprozess häufig nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen zustande kommen. Aus Sicht jedes fünften (21,3%) Patentmanagers mangelt es zudem an Standards für die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen wie der Forschung und Entwicklung oder dem Marketing.

Gelingt es, diese Effizienzpotenziale zu erschließen, eröffnen sich den Patentmanagern nach Auffassung der Innovationsforscher gute Möglichkeiten, sich offensiver in Innovationsprozesse einzubringen. Wie und unter welchen Rahmenbedingungen die Integration gelingen kann, dazu hat das Institut für angewandte Innovationsforschung auf Basis der Studienergebnisse konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Die vollständige Studie „Patentmanagement als Innovationstreiber – Wie Patentmanager ihren Wert für das Unternehmen erhöhen können“ kann über das IAI zum Preis von 89,- € bezogen werden.

Kontaktadresse:
Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V.
Buscheyplatz 13, 44801 Bochum
Tel.: 0234/97117-0
Fax: 0234/97117-20
E-Mail: info@iai-bochum.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen

Aktuelle und interessante Meldungen und Entwicklungen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem bietet Ihnen der innovations-report Berichte aus den Teilbereichen: Aktienmärkte, Konsumklima, Arbeitsmarktpolitik, Rentenmarkt, Außenhandel, Zinstrends, Börsenberichte und Konjunkturaussichten.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Entwicklung von High-Tech Tech-Schattenmasken für höchsteffiziente Si-Solarzellen

Das Technologieunternehmen LPKF Laser & Electronics AG und das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) haben einen Kooperationsvertrag vereinbart: Gemeinsam werden sie Schattenmasken aus Glas von LPKF zur kostengünstigen Herstellung hocheffizienter…

Hitzewellen in den Ozeanen sind menschgemacht

Hitzewellen in den Weltmeeren sind durch den menschlichen Einfluss über 20 Mal häufiger geworden. Das können Forschende des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern nun belegen. Marine Hitzewellen zerstören Ökosysteme…

Was Fadenwürmer über das Immunsystem lehren

CAU-Forschungsteam sammelt am Beispiel von Fadenwürmern neue Erkenntnisse über die Regulation der angeborenen Immunantwort. Alle höheren Lebewesen verfügen über ein Immunsystem, das als biologischer Abwehrmechanismus den Körper vor Krankheitserregern und…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close