Erwerbstätigkeit im Alter steigt

Gleichzeitig spalten sich die sozialen Chancen: zwar steigt die Alterserwerbstätigkeit, nach wie vor geht aber ein Teil der Älteren vorzeitig in Rente, obwohl dafür Abschläge in Kauf genommen werden müssen.

Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Altersübergangs-Monitors, mit dem das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und des Forschungsnetzwerks Alterssicherung den Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand untersucht.

Die Erwerbstätigkeit der 55- bis 64-Jährigen ist hierzulande in den letzten zehn Jahren von 38,0 Prozent auf 48,1 Prozent gestiegen. Damit verzeichnet Deutschland innerhalb der Europäischen Union den höchsten Zuwachs und hat gute Chancen, bis zum Jahr 2010 das Ziel einer Alterserwerbsbeteiligung von 50 Prozent zu erreichen, rechnen die IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig, Prof. Dr. Matthias Knuth und Sascha Wojtkowski. Einen erheblichen Anteil daran hat die günstige demographische Konstellation, denn die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge wachsen zunehmend in die betrachteten Altersgruppen hinein. Hauptursache ist allerdings, dass Männer länger arbeiten und mehr Frauen als früher erwerbstätig sind.

Doch es gibt noch einen anderen Trend: Auch die Beschäftigungslosigkeit Älterer hat zugenommen. Ein Großteil der Arbeitslosen ab 58 Jahren taucht in der Statistik gar nicht mehr auf und viele warten die Regelaltersgrenze ab, um Rentenabzüge zu vermeiden. Das gelingt nicht immer: 51,4 Prozent der Männer, die drei Jahre vor Rentenbeginn dauerhaft erwerbstätig waren, aber nur 19,3 Prozent der Männer, die in dieser Zeit nicht oder nur geringfügig beschäftigt waren, erreichten im Jahr 2005 abschlagsfreie Renten.

Arbeitslosigkeit im Alter treibt nach wie vor viele trotz Kürzungen in die Frühverrentung: Im Jahr 2005 betraf dies schon 42 Prozent aller Neurentner. Nach Jahren der Begrenzung der Frührente zeichnet sich eine Trendumkehr ab: 2004 sind wieder mehr Menschen im Alter von 60 Jahren in Altersrente gegangen als 2003, und zu größeren Teilen aus Arbeitslosigkeit. Ein Grund könnte die Einführung von „Hartz IV“ sein: Flucht in die Rente, weil wegen fehlender Bedürftigkeit kein Anspruch auf Arbeitslosengeld II besteht.

Im Durchschnitt gehen Arbeitnehmer in Deutschland heute mit 63,2 Jahren in Altersrente – ein Jahr später als noch vor sechs Jahren. „Der Abbau von Frühverrentungsanreizen wirkt, aber er wirkt selektiv“, stellen die IAQ-Forscher fest. Wer auch im Alter über eine gute Beschäftigungsfähigkeit verfügt, kann sie für eine längere Erwerbstätigkeit einsetzen. Geringqualifizierte hingegen weisen nach wie vor niedrige Beschäftigungsquoten auf. „Wenn es nicht gelingt, Erwerbschancen auch jenseits des 60. Lebensjahres für alle zu gewährleisten, werden die Chancen auf einen direkten und selbst bestimmten Übergang in eine auskömmliche Rente weiter auseinander gehen“, warnt das IAQ.

Der aktuelle Altersübergangs-Report 2008-03 ist zu finden unter http://www.iaq.uni-due.de/auem-report

Weitere Informationen: Dr. Martin Brussig, Tel. 0209/1707-132, E-Mail: martin.brussig@uni-due.de; Prof. Dr. Matthias Knuth, Tel. 0209/1707-186, E-Mail: matthias.knuth@uni-due.de; Sascha Wojtkowski, Tel. 0209/1707-257, E-Mail: sascha.wojtkowski@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0209/1707-176, 0170/8761608, E-Mail: presse-iaq@uni-due.de

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Katrin Braun idw

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