Deutsche Wirtschaft wächst 2010 um zwei und 2011 um 1,2 Prozent

Ungeachtet der eher schwachen Entwicklung in den Wintermonaten wird die deutsche Wirtschaft im Jahresdurchschnitt 2010 um zwei Prozent wachsen. Nach einer deutlichen Belebung im weiteren Verlauf der ersten Jahreshälfte lässt die konjunkturelle Dynamik im Laufe der zweiten Jahreshälfte allerdings schon wieder nach.

Ein selbsttragender Aufschwung ist nicht in Sicht. 2011 wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich langsamer steigen – um lediglich 1,2 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung im Update seiner Konjunkturprognose (alle Zahlen in Tabellenform im Prognose-Update; Link siehe unten).

Das Wachstum ist sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr zu schwach, um den negativen Trend auf dem Arbeitsmarkt zu brechen. Die Arbeitslosenzahl steigt bis Ende 2011 moderat, aber kontinuierlich auf dann saisonbereinigt 3,8 Millionen. Im Jahresdurchschnitt 2010 wird die Arbeitslosenzahl bei rund 3,53 Millionen liegen, was einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent entspricht.

2011 steigt die Arbeitslosigkeit auf rund 3,74 Millionen im Jahresdurchschnitt (Quote:8,6 Prozent). Vor diesem Hintergrund betont das IMK die weiterhin große Bedeutung der aktuellen Kurzarbeiterregelung. „Das Wachstum bleibt fragil, insbesondere, wenn in den nächsten Monaten der Stützeffekt der internationalen Konjunkturprogramme ausläuft. Deshalb braucht der deutsche Arbeitsmarkt aller Voraussicht nach 2010 wie 2011 noch die Entlastung durch die Kurzarbeit. Ein voreiliger Ausstieg birgt erhebliche Risiken“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK.

Das IMK bestätigt mit seinem Update bei den Wachstumserwartungen für 2010 seine Prognose vom Dezember 2009, die ebenfalls von einer BIP-Erhöhung um 2,0 Prozent ausging (eine BIP-Prognose für 2011 enthielt die Dezember-Prognose noch nicht).

Wichtigster Faktor für die wirtschaftliche Belebung in diesem Jahr ist der Export, der 2010 um 8,2 Prozent zunehmen wird. Insbesondere die Lieferungen in Länder außerhalb des Euroraums werden nach der IMK-Prognose kräftig expandieren. Dabei profitieren die deutschen Exporteure von der allgemeinen Aufwärtstendenz der Weltwirtschaft und von den Impulsen, die von den Fiskalpaketen in vielen Ländern ausgehen. Im kommenden Jahr wachsen die Ausfuhren um 6,4 Prozent. Die Zunahme der Importe wird dagegen 2010 aufgrund der schwachen Konsumnachfrage mit 6,1 Prozent geringer ausfallen, so dass vom Außenbeitrag in diesem Jahr ein bedeutender Wachstumsimpuls ausgeht.

Angesichts der verbesserten Absatzaussichten im In- und Ausland zeichnet sich eine Belebung der Investitionstätigkeit in Ausrüstungen ab. Das IMK rechnet hier in diesem Jahr mit einem Wachstum um 3,7 Prozent und 2011 um 3,0 Prozent. Die Bauinvestitionen werden in diesem Jahr im Wesentlichen durch die kräftige Ausweitung der öffentlichen Bauinvestitionen geprägt. 2011 werden die Konjunkturpakete hingegen keine nennenswerten Impulse entfalten; zudem dürfte sich die schlechtere Finanzlage der öffentlichen Haushalte dämpfend auswirken.

Der private Konsum wird in diesem Jahr bei rückläufigen real verfügbaren Einkommen sowie einer steigenden Sparquote deutlich um 0,7 Prozent sinken. 2011 dürften die Konsumausgaben nicht zuletzt aufgrund wieder expandierender Gewinnentnahmen um ein Prozent zunehmen.

Die IMK-Prognose basiert auf der Annahme, dass der Ölpreis sich im Prognosezeitraum auf 80 US-Dollar pro Barrel einpendeln wird. Die Abwertung des Euro wird noch einige Zeit nachwirken, im weiteren Prognosezeitraum verbessert sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft leicht (die Rahmendaten der Prognose finden Sie ebenfalls in Tabellenform im Prognose-Update).

Das Prognose-Update mit den Eck- und Rahmendaten in Tabellenform:
http://www.boeckler.de/pdf/p_prognoseupdate_maerz2010.pdf
Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung
Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK
Tel.: 0211-7778-331
E-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de
Peter Hohlfeld
IMK
Tel.: 0211-7778-338
E-Mail: Peter-Hohlfeld@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Media Contact

Rainer Jung idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen

Aktuelle und interessante Meldungen und Entwicklungen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem bietet Ihnen der innovations-report Berichte aus den Teilbereichen: Aktienmärkte, Konsumklima, Arbeitsmarktpolitik, Rentenmarkt, Außenhandel, Zinstrends, Börsenberichte und Konjunkturaussichten.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Theoretische Physik: Modellierung zeigt, welche Quantensysteme sich für Quantensimulationen eignen

Eine gemeinsame Forschungsgruppe um Prof. Jens Eisert von der Freien Universität Berlin und des Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) hat einen Weg aufgezeigt, um die quantenphysikalischen Eigenschaften komplexer Festkörpersysteme zu simulieren. Und…

Rotation eines Moleküls als „innere Uhr“

Mit einer neuen Methode haben Physiker des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik die ultraschnelle Fragmentation von Wasserstoffmolekülen in intensiven Laserfeldern detailliert untersucht. Dabei nutzten sie die durch einen Laserpuls angestoßene Rotation…

Auf dem Weg zur fischfreundlichen Wasserkraft

In dem europaweiten Projekt „FIThydro“ unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) haben Forscherinnen und Forscher in Zusammenarbeit mit Industriepartnern bestehende Wasserkraftwerke untersucht. Diese Ergebnisse nutzten sie, um neue Methoden…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close