Kosten der Frühberentung abgeschätzt

Davon fallen rund 1,2 Milliarden Euro als direkte Kosten beispielsweise für die Behandlung der Frühinvaliden an. Die Folgekosten der arbeitsbezogenen Frühinvalidität für die Rentenversicherung unter anderem durch entgangene Beitragszahlungen und Effekte auf die Altersrente lassen sich jährlich mit mindestens 2,8 Milliarden Euro ansetzen. Hinzu kommen indirekte Kosten nach dem Humankapitalansatz wie zum Beispiel entgangene Arbeitseinkommen.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), das vom Institut für Prävention und Gesundheitsförderung an der Universität Duisburg-Essen durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind jetzt als Forschungsbericht Fb 1080 „Kosten der Frühberentung“ erschienen.

Das deutsche Sozialbudget wies 2003 rund 20,4 Milliarden Euro für gesundheitsbedingte Frührenten aus. Für die Akteure in der Prävention ist es wichtig, die beruflichen Einflüsse auf die Frühinvalidität und die damit verbundenen Kosten zu kennen. Schließlich lassen sich mit diesen Informationen präventive Maßnahmen steuern.

Daten zur Bedeutung der Arbeitswelt für die krankheitsbedingte Frühberentung liegen jedoch für Deutschland nicht routinemäßig vor. Deshalb musste zunächst ein methodisch aufwändiges Untersuchungsdesign entwickelt werden. Damit konnten erstmalig die Daten der gesetzlichen Rentenversicherung mit erwerbsbiografischen Informationen der Bundesagentur für Arbeit sowie Befragungsdaten verknüpft und längsschnittlich im Hinblick auf das Risiko einer Frühinvalidität ausgewertet werden.

Direkte Kosten der arbeitsweltbezogenen Frühberentung umfassen alle Ausgaben, die im Rahmen der ambulanten und stationären Krankheitsbehandlung, der öffentlichen und privaten Gesundheitsvorsorge und für Pflege, Gesundheitsgüter und Verwaltung, Ausbildung und Forschung anfallen. Indirekte Kosten stellen die der Volkswirtschaft durch Frühinvalidität entgangene Wertschöpfung durch die Verluste an Arbeitseinkommen dar.

Bei ihrer Auswertung identifizierte das Forschungsteam „Arbeitsschwere“ und „geringen Handlungsspielraum“ als wichtigste berufliche Belastungen. Allein durch moderate Verbesserung des Handlungsspielraums bei der Arbeit ließen sich potenziell jährlich bis zu 2 Milliarden Euro einsparen. Sowohl Bergleute, als auch Pflegekräfte beiderlei Geschlechts tragen ein hohes Berentungsrisiko. Da krankheitsbedingte Erwerbsunfähigkeit bereits im Vorfeld der Frühberentung auch für die Krankenversicherung relevant wird, ergibt sich damit ein erhebliches Präventionspotenzial für eine die Sozialversicherungszweige übergreifende Kooperation.

Insgesamt bietet der Bericht einen guten Einstieg, um notwendige Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Mit seiner ausführlichen Dokumentation auf CD-ROM stellt der Bericht spezifische Frühberentungsrisiken nach Berufen und Belastungsfaktoren zur Verfügung. Auch die Kostenangaben sind für Krankheitsgruppen differenziert.

Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund/Berlin, Forschungsbericht Fb 1080 „Kosten der Frühberentung. Abschätzung des Anteils der Arbeitswelt an der Erwerbs- und Berufsunfähigkeit und der Folgekosten“; W. Bödeker, H. Friedel, M. Friedrichs, C. Röttger; ISBN-10: 3-86509-586-0; 276 S., 21,50 Euro, inkl. CD-ROM. Zu beziehen beim Wirtschaftsverlag NW, Postfach 10 11 10, 27511 Bremerhaven, Tel.: 0471/945 44 61, Fax 0471/945 44 77.

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Jörg Feldmann idw

Weitere Informationen:

http://www.baua.de

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