Rapskernöl im Internet – ein Beispiel für erfolgreiche Unternehmensgründung ohne Überstunden und Urlaubsverzicht

„Gründen kann eigentlich jeder“

„’Existenzgründung’ und ’selbstständig’ sind für mich zwei Unworte: Eine Existenz hatte ich schon vorher, und selbst und ständig wollte ich das auch nicht machen“, sagt Rafael Kugel. Der 30-Jährige hat am 1. August 2005 ein Unternehmen gegründet, das qualitativ hochwertiges Rapskernöl über das Internet direkt an Endverbraucher verkauft. Wäre er mit dieser Einstellung nicht besser in einem geregelten Halbtags-Job aufgehoben? Keineswegs: Als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Günter Faltin, Professor im Arbeitsbereich Entrepreneurship der Freien Universität Berlin, ist Kugel quasi Experte für Unternehmensgründungen. Die Mitarbeiter des Arbeitsbereichs entwickeln neuartige Business-Modelle, die universitäres Theoriewissen systematisch in unternehmerische Praxis umsetzen.

„Einer unserer Gedanken zur intelligenten Gründungsförderung war, den Gründer von der ganzen Business-Administration zu befreien“, erklärt Kugel. Abwicklung und Buchhaltung seines Internetversands laufen über ein ausgelagertes Unternehmen: Bestellt ein Kunde über die Webseite http://www.rapskernoel.info, werden seine Daten automatisch an das Rechnersystem der Projektwerkstatt GmbH weitergeleitet. Von dort gehen sie direkt an den Versand.

Das Dienstleistungsunternehmen wurde von Professor Günter Faltin initiiert, der vor 20 Jahren die Firma Teekampagne ins Leben rief. Durch den Verzicht auf zwischengeschaltete Handelswege und die Beschränkung auf Großpackungen kann die Teekampagne hochwertigen Darjeeling-Tee zu einem Preis anbieten, der deutlich unter dem üblichen Marktpreis liegt. Das Projekt hat sich mit rund 400.000 Kilo verkauftem Tee pro Jahr zum weltgrößten Darjeeling-Importeur entwickelt – mit derzeit 15 Mitarbeitern.

Kugels Rapsöl-Versand arbeitet ähnlich: „Ausgangspunkt war die Suche nach einem Produkt, das sich leicht verpacken und versenden lässt und eine hohe Wertigkeit besitzt“, erzählt er. Fündig wurde der Betriebswirt bei der Teutoburger Ölmühle im Münsterland. Dort wird seit 2001 mit einem neuartigen, schonenden Pressverfahren naturbelassenes Speiseöl aus geschälten Rapskernen hergestellt, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit reduzierten Versandwegen, ausgelagertem Büro und der Beschränkung auf Drei-Liter-Packungen kann er das Öl zur Hälfte des üblichen Marktpreises anbieten: sechs Euro pro Liter. Kosten fallen für ihn hauptsächlich an, wenn ein Produkt bestellt wird und werden durch dessen Bezahlung gleich wieder abgedeckt. Der Erfolg spricht für sich: Nach zwei Medienberichten hatte er bereits zehn Tage nach dem Start rund 700 Bestellungen erhalten – und damit die Gewinnzone erreicht.

Das Gründungskapital im Vorfeld betrug maximal 4.000 Euro. Seinen Zeitaufwand – er sieht seine Rolle hauptsächlich als „Ohr zum Kunden“ – schätzt Kugel auf eine Viertelstunde pro Tag. Das A und O für eine erfolgreiche Unternehmensgründung ist für ihn ein durchdachtes Geschäftskonzept: „Durch intelligente Konzepte kann man Geld einfach wegdenken.“ Das bedeutet: So lange hinterfragen, wie die Kosten eines Produktes entstehen, bis man sie nicht mehr hat. Wer sich dazu inspirieren lassen möchte, kann im April 2006 im Rahmen der Deutschen Gründer- und Unternehmertage am „Labor für Entrepreneurship“ der Stiftung Entrepreneurship teilnehmen. Denn, wie es Rafael Kugel sagt: „Gründen kann jeder. Man braucht einfach etwas gesunden Menschenverstand und Beharrlichkeit.“ Und natürlich die passende Idee. Von Marion Jüstel

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Rafael Kugel, Arbeitsbereich Entrepreneurship der Freien Universität Berlin, Tel.: 0179 / 707 83 30, E-Mail: rafael.kugel@gmx.de

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Ilka Seer idw

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