IAB-Langristprojektion bis 2020: Fachkräftemangel droht bei immer noch hoher Arbeitslosigkeit

Ohne zusätzliche beschäftigungspolitische Impulse ist auf mittlere Sicht kein spürbarer Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erwarten, lautet das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Eine Gegenüberstellung des zukünftigen Arbeitskräfteangebots und Arbeitskräftebedarfs zeige, dass in den nächsten Jahren weiterhin mit hoher Unterbeschäftigung zu rechnen sei. Erst im folgenden Jahrzehnt werden die demografische Entwicklung und der Anstieg der Erwerbstätigkeit die Arbeitslosigkeit deutlich vermindern: Bis 2020 könnte sich die Unterbeschäftigung halbieren, ist der Langfristprojektion des IAB zu entnehmen. Ohne verstärkte Bildungsanstrengungen bestehe jedoch die Gefahr, dass es zu einem Fachkräftemangel bei immer noch hoher Arbeitslosigkeit kommt, warnen die Arbeitsmarktforscher.

In Westdeutschland wirkt sich der Rückgang der Bevölkerung erst ab dem Jahr 2020 auf den Arbeitsmarkt aus. Aufgrund eines wachsenden Arbeitskräftebedarfs sinke die Arbeitslosigkeit im Westen Deutschlands aber bereits früher, so die IAB-Studie. Bis 2010 gehe die Arbeitslosigkeit allerdings nur in geringem Umfang zurück, erst danach beschleunige sich der Abbau der Unterbeschäftigung.

Für Ostdeutschland lassen die Simulationsrechnungen des IAB bis zum Jahr 2010 eher einen Anstieg als einen Rückgang der Arbeitslosigkeit erwarten. Danach sinke die Unterbeschäftigung zwar, doch sei dies mit einer starken Abnahme des Arbeitskräfteangebots und der Erwerbstätigkeit verbunden. Dadurch drohe Ostdeutschland in einen Teufelskreis aus geringeren Einnahmen, geringeren Infrastrukturinvestitionen, sinkender Attraktivität und ständig abnehmender Einwohnerzahl zu geraten. Für viele Betriebe dürfte sich die Existenzfrage stellen. Und für Investoren beeinträchtige ein Mangel an jungen, gut ausgebildeten Arbeitskräften die Attraktivität des Standorts, geben die Arbeitsmarktforscher zu bedenken.

Die IAB-Studie weist in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Problem hin: Der nach der Langfristprojektion ab dem Jahr 2010 zu erwartende Rückgang der Arbeitslosigkeit werde nur dann eintreten, wenn der künftige Bedarf an Arbeitskräften auch hinsichtlich der am Arbeitsmarkt gefragten Qualifikationen gedeckt werden kann. Der seit Jahren anhaltende Stillstand der Bildungsentwicklung könnte in Kombination mit der abnehmenden Zahl jüngerer Arbeitskräfte schon bald zu einem Mangel an qualifizierten Fachkräften führen. Dies gelte umso mehr, je geringer die Bereitschaft der Wirtschaft sei, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen. Künftig werden sie das größte Reservoir bilden, aus dem qualifiziertes Personal zu gewinnen wäre. Verstärken könnte sich dieses „Mismatch-Problem“ auch durch die fortschreitende Dequalifizierung des Humankapitals aufgrund lang anhaltender hoher Unterbeschäftigung mit einem wachsenden Anteil Langzeitarbeitsloser.

Die Arbeitsmarktforscher betonen, dass ihre „Langfristprojektion unter Status-quo-Bedingungen“ keineswegs eine gleichsam unbeeinflussbare Entwicklung vorhersage. Vielmehr soll sie bei politischen Entscheidungen einbezogen werden, damit möglichst frühzeitig drohende negative Entwicklungen vermieden werden.

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Wolfgang Braun idw

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