Studie: Outsourcing der Produktion ist unumgänglich

Mittel müssen für Innovationen frei gemacht werden

Dem Trend zur Auslagerung von Geschäftsprozessen auf internationaler Ebene können sich auch die deutschen Unternehmen immer weniger entziehen. Jedes zehnte deutsche Unternehmen will nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung A.T.Kearney seine Produktion komplett aus Deutschland nach Osteuropa verlagern und neun von zehn deutschen Unternehmen unterhalten bereits Geschäftsbeziehungen in die neuen EU-Länder.

Zwei Drittel planten den Aufbau neuer Vertriebsstrukturen, 41 Prozent wollten den Einkauf und ein Drittel die Fertigung vor Ort ausbauen. „Lediglich 16 Prozent der Befragten sind jedoch bereit, dazu auch die eigene Organisation anzupassen“, so Peter Pfeiffer, Vice President bei A.T.Kearney. In deutschen Unternehmen herrsche eine zu hohe Statik im Management, bemängeln Experten. Viele Unternehmen würde es daher versäumen, rechtzeitig die erforderlichen Schritte für notwendige Veränderungen einzuleiten.

„Der internationale Wettbewerbsdruck nimmt stetig zu. Es unterscheiden sich die verschiedenen Branchen hinsichtlich Intensität und Zeitpunkt, aber die Tendenz ist überall gleich. Besonders betroffen ist jede Art von Konsumgüter-Produktion. Bereits heute kommen weltweit mehr als 50 Prozent aller Spielwaren aus China und wir müssen damit rechnen, dass sich auch die chinesische Automobilproduktion in wenigen Jahren an die Weltspitze schiebt“, erläutert Michael Müller, Geschäftsführer der a & o after sales & onsite services GmbH in Neuss. Hätten deutsche Unternehmer aber beim Offshore-Outsourcing nach Asien bisher noch deutlich gezögert, sei gerade nach der EU-Osterweiterung das Neashore-Outsourcing in Schwung gekommen. „China und Indien sind der derzeitig vorherrschenden deutschen Mentalität wohl zu fremd. Über Offshoring wurde zwar viel geredet, aber es wurde wenig umgesetzt. Bei Auslagerungen nach Tschechien, Slowakien und Polen ist die mentale Hürde aber wesentlich geringer“, stellt Müller fest, der auch als Wirtschaftssenator beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fungiert.

Investitionskriterien wie Marktwachstum, Marktvolumen und Infrastruktur haben sich in den neuen EU-Ländern nach der A.T.Kearney-Studie spürbar verbessert. Auch die hohe Qualifikation der Arbeitskräfte wird sehr geschätzt. Defizite bestünden dagegen in den Bereichen Korruption, Rechtssicherheit und EU-Investitionsförderung. Hauptargument für die Abwanderungs- und Auslagerungspläne seien niedrigere Löhne. Nach Ansicht von Müller wird gerade die Produktion von Konsumgütern mittelfristig praktisch vollständig ins Ausland verlagert werden: „Auch für mittelständische Unternehmen hat das keinen Sinn, weiter zu versuchen, die Produktion hier im Land zu halten. Engineering, Marketing, Vertriebssteuerung, Service, auch das sind alles Bausteine der Wertschöpfungskette eines Produktes. Die Auslagerung der Produktion ist nur ein Modul darin, und wie wir schon seit vielen Jahren am Beispiel zahlloser OEM-Produkte sehen, keineswegs das Wichtigste“. Hier zu Lande sei die Vorstellung von Wertschöpfung noch viel zu sehr mit dem Bild von Fließbändern und maschinengefüllten Hallen behaftet. Innovative Ideen zur Serienreife bringen und umsetzen, Erfahrung sammeln, Know-how und Konzepte verkaufen, das seien Strategien, an denen es seit Jahren in deutschen Unternehmen mangeln würde.

„Ein Beispiel für solche Versäumnisse ist der Hybrid-Antrieb bei Autos. Etliche Jahre waren deutsche Hersteller führend bei der Entwicklung von Hybrid-Antrieben. Als man dann die Technik in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zur Marktreife gebracht hatte, überließ man die Serienproduktion ausländischen Herstellern. Aktuell etwa hat nun Toyota bereits 250.000 Autos des Typs Prius verkauft, und Honda startet 2005 die Produktion von Hybrid-Modellen in China zusammen mit der Guangzhou Automobile Group. Mittlerweile hinkt die deutsche Autoindustrie den internationalen Wettbewerbern schon hinterher“, führt Müller aus. Ähnliches gelte in kleinerem Maßstab für viele mittelständische Unternehmen. Diese Tendenz würde allerdings noch von den derzeitigen finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verstärkt. Wenn ein Unternehmen keine Mittel mehr für Investitionen in Innovationen hat, sei das Ende abzusehen. Near- und Offshoring-Outsourcing sei eine der Möglichkeiten, um Mittel für Investitionen freizubekommen, empfiehlt Müller. Es erfordere aber auch Berater und Banken, die diese Konzepte verstehen und unterstützen.

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Gunnar Sohn pressetext.deutschland

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