"Bank 2020" – Darmstädter Kommunikationsexperten arbeiten an der Bank von Morgen

Seit achtzehn Monaten arbeitet ein Forscher-Team der TU Darmstadt an Technologien für die Bank von Morgen. Schwerpunkte sind das Potential von Technologien wie GRID und von verteilten, dezentralen Systemen, basierend auf dem Peer-to-Peer Paradigma. Das Thema Sicherheit und Vetrauen beim Online-Banking steht hierbei ganz oben auf der Agenda der Forscher.


Seit achtzehn Monaten arbeitet ein siebenköpfiges Forscher-Team von Kommunikationsexperten der TU Darmstadt an den Technologien für die Bank von Morgen. Die IT-Fachleute sind Teil eines deutschlandweiten Forschungsprojekts der Universitäten Frankfurt und Darmstadt mit dem Namen „E-Finance Lab“. An dieser Initiative sind neben den führenden Geldinstituten Postbank und Deutsche Bank auch namhafte Industriepartner, wie zum Beispiel Siemens, Microsoft, T-Systems und auch führende Dienstleistungsunternehmen wie Accenture oder Finanz IT beteiligt.

Industrialisierung der Bankenbranche

Die Mission der Darmstädter Kommunikationsexperten ist anspruchsvoll: die Integration von innovativen Kommunikationstechniken in der Bankenbranche. „Unser Ziel ist die Industrialisierung der Finanzbranche. Hierzu müssen insbesondere die Kommunikationsabläufe von Banken untereinander und zum Kunden noch stärker als bisher mit Hilfe moderner Technologien systematisiert und standardisiert werden.“, so Prof. Ralf Steinmetz, Leiter des Fachgebiets für Multimedia-Kommunikation der TU Darmstadt.

Die Bank 2020 wird mehr als bisher auf Kommunikationstechnologie setzen, um ihren Kunden und Partnern echtes „Real-Time-Banking“ zu ermöglichen. Damit folgt sie einem generellen gesellschaftlichen Trend: Immer mehr Menschen beziehen das Internet und andere Kommunikationssysteme in die Gestaltung ihres Alltagslebens ein. Das digitale Informationszeitalter macht vor den Toren der Großbanken nicht halt. Online-Dienste werden auch in der Bankenwelt die Geschäftsabwicklung grundlegend verändern. Neue Technologien wie zum Beispiel Web Services ermöglichen es, die finanzielle Wertschöpfungskette aufzubrechen und einzelne Teilschritte auszulagern, um so das Bankengeschäft zu flexibilisieren. Um dieses Ziel zu verwirklichen setzten die Darmstädter in den letzten achtzehn Monaten einen Schwerpunkt auf den Bereich Infrastruktur und dynamische Geschäftsprozesse: Das Potential von Technologien wie GRID (verteilten Anwendungen, die bestehende Ressourcen besser nutzen) und von verteilten, dezentralen Systemen, basierend auf dem Peer-to-Peer Paradigma – also auf dem Prinzip der Kooperation gleichberechtigter technischer Einheiten – wurde ebenso untersucht wie die Chancen von IP-Telephonie in einer modernen Bankenkommunikation.

Sicherheit bleibt auch bei der „virtuellen Bank“ oberste Priorität

Ein zweiter, wichtiger Forschungsschwerpunkt ist der Bereich Sicherheit und Trust: „Auf technologische Innovationen reagiert die Bankenwelt traditionell zurückhaltend. Wer die konservativen Banker überzeugen will, muss Sicherheit ganz oben auf seine Agenda stellen“, ist sich Ralf Steinmetz sicher. Deshalb wurden neue Konzepte entwickelt, die die traditionelle Sicherheitsarchitektur komplettieren: „Es ist Unfug zu glauben, ein absolut sicheres System sei machbar, speziell mit Blick auf die rapide wachsende Zahl kommunizierender Prozesse und Einheiten. Deshalb nützt es nichts, sich technisch total abzuschotten. So wird letztlich der Service einer Bank immer unflexibler. Unser Ziel ist es stattdessen, dynamisch das Verhalten zu analysieren und automatisch auf Fehlverhalten zu reagieren. Hierzu werden entsprechende Konzepte innerhalb unsere Trust-Forschung entwickelt“, betont Team-Leiter Dr. Andreas Mauthe.

Nach den Vorteilen des Modells einer auf allen Kanälen kommunizierenden Bank 2020 gefragt, meint Mauthe: „Ein großer Vorteil ist die effizientere Transaktionsabwicklung. Die Ansprüche der Kunden wachsen. Die moderne, serviceorientierte Bank muss in der Lage sein, sich diesen immer anspruchsvolleren Kundenwünschen dynamisch anzupassen. Mit modernen Kommunikationskonzepten, wie wir sie erforschen, wird dies deutlich einfacher zu erreichen sein.“ Außerdem können Banken so auch flexibler und schneller auf den gewachsenen Konkurrenzdruck durch andere Geldhäuser reagieren.

In den kommenden Monaten sollen die erstellten Konzepte gemeinsam mit der Universität Frankfurt und den Industriepartner evaluiert werden, um der Vision „Bank 2020“ einen weiteren Schritt näher zu kommen. Bedarf an kreativen Konzepten wie denen aus Darmstadt gibt es genug: Die Bankenlandschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Umstrukturierungs- und Konzentrationsprozess. In diesem turbulenten Fahrwasser werden nur die Banken auf Kurs bleiben, die ihre Kunden universal betreuen können: „Allein schon deshalb wird das Interesse an modernen und effizienten Kommunikationstechnologien bei den deutschen Geldinstituten weiter wachsen“, meint Prof. Ralf Steinmetz.

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