Bahnindustrie kommt wieder stärker zum Zug

Nach schweren Jahren gibt sich die deutsche Bahnindustrie zuversichtlich. Die 79 im Verband der Bahnindustrie in Deutschland e. V. (VDB) zusammengeschlossenen Unternehmen registrieren in jüngster Zeit eine „erfreuliche Entwicklung“. Sowohl bei den Bestellungen der Deutschen Bahn AG, ihres größten Kunden als auch bei Aufträgen aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland gebe es „interessante Signale“ und einen höheren Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr, stellte Verbandspräsident Dr. Dieter Klumpp auf der Pressekonferenz des Verbandes am Dienstag in Frankfurt am Main fest.

Führendes Know-how

Gründe für die Trendwende sieht der Verband nicht zuletzt in technischen Innovationen als Ergebnis umfangreichen Know-hows sowie intensiver Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bahnindustrie hat sich dadurch deutlich verbessert. Das gelte nicht nur für die multinational ausgerichteten „Systemhäuser“, sondern auch für die vielen, überwiegend mittelständisch strukturierten Unternehmen.

Aufwärtstrend

Im vergangenen Jahr erzielten die Mitgliedsunternehmen des VDB einen Umsatz von 15,8 Mrd. DM. 1999 waren es 13,9 Mrd. DM. Die absolute Zahl der Arbeitsplätze in den VDB-Mitgliedsbetrieben sank um 3 Prozent von 33.908 (1999) auf 32.939 im letzten Jahr (die bereinigten Zahlen, bezogen auf die 70 Mitgliedsunternehmen 1999, weisen daher eine Umsatzsteigerung von 10,5 Prozent, einen höheren Auftragseingang von 13,2 Prozent und einen Rückgang der Beschäftigten um 7,2 Prozent aus). Der Auftragseingang stieg von 11,9 auf 13,9 Mrd. DM und lag damit um 17 Prozent über dem Vorjahr. Die Auslandsaufträge erreichten ein Volumen von bald 50 Prozent.

Probleme bereitet der Branche nach wie vor der Preisverfall für rollendes Material und Ausrüstungen in Deutschland. Dies führte zum Beispiel bei der Fertigung von einfachen Güterwagen zur Verlagerung der Produktion in osteuropäische Länder. Technologisch anspruchsvolle Konstruktionen haben dagegen nach wie vor gute Chancen, in Deutschland gefertigt zu werden.

Stärkung der Infrastruktur unverzichtbar

Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreich operierende Bahn biete ein saniertes Netz stellte Klumpp fest. Das Steigerungspotenzial der Bahnen liege vor allem im funktionierenden Netz. Die Sanierung des Netzes sei inzwischen ein wichtiges Geschäftsfeld für die Bahnindustrie, die diese Projekte sehr intensiv mit ihren Produkten und Leistungen unterstütze. Leider konnten durch DB Netz noch nicht in ausreichendem Umfang Verträge für die Sanierung vergeben werden, da Engpässe bei den Projektierungs- und Planungskapazitäten bestünden. Positiv bewertet wurden die Ansätze, moderne Signal- und Sicherungstechnik zu installieren.

Der Bahnbetrieb muss nach den Worten von Klumpp immer als Gesamtsystem betrachtet werden. Aus der Sicht der Technik bildeten Schiene, Fahrzeug, Oberleitung und Betriebsleittechnik eine nicht auseinander zu dividierende Einheit. Auch aus Sicht des Betreibers bildeten Infrastruktur, Rollmaterial und Fahrplan eine Einheit. Die Bahnindustrie spreche sich für die einheitliche technische Systemverantwortung aus, denn dies biete Chancen zur gesamthaften Optimierung des längst noch nicht ausgereizten Systems. Netz und Betrieb zu trennen würde die großen Möglichkeiten zur Ausschöpfung des im System liegenden Innovationspotenzials und die Optimierung des Gesamtsystems zunichte machen.

Dagegen brauche die Vermarktung der Schienenverkehrsleistung mehr Wettbewerb. Der Druck des Marktes müsse auf Netz und Betrieb einwirken können.

Neue Chancen

Neue Chancen erhalten die Bahnen nach Ansicht des VDB dadurch, dass in Europa der Schienenverkehr schrittweise vereinheitlicht wird. „Die europäische Eisenbahnordnung muss geschaffen und die nationalen Eisenbahnen müssen im europäischen Rahmen harmonisiert werden“, forderte Klumpp. Er befürwortete ausdrücklich das Forschungsprogramm „Mobilität und Verkehr“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die Bahn sei in Zeiten der industriellen Revolution Träger des Fortschritts und wichtiger gesellschaftlicher Wertvorstellungen gewesen. Auch heute habe sie wieder große Chancen, die es zu nutzen gelte. „Der VDB sieht sich daher nicht nur als Industrie-Interessenverband, sondern auch als aktiver Mitstreiter in einer breiten Allianz, um die Schienenverkehrswirtschaft nachhaltig zu stärken“, erklärte Klumpp abschließend.

Media Contact

Dipl.-Ing. Joachim Körber ots

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