Rentenmarkt: Weiter Vorsicht geboten

Abklingende Euphorie hinsichtlich der weltweiten Konjunkturperspektiven trug im September zu einer Konsolidierung der Renditen bei, ohne dass das vorherrschende Bild einer in Gang kommenden Weltwirtschaft grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Obwohl auch im Oktober einige Makrodaten sowie das Dollar- und Ölpreisniveau die Überzeugung einer kraftvollen weltwirtschaftlichen Wende nicht massiv zu stärken vermochten, führten unter anderem der zunehmend in den Fokus gerückte Finanzierungsbedarf der öffentlichen Hände und die bislang ohne größere Enttäuschungen verlaufene Quartalsberichtssaison der Unternehmen zu einem neuerlichen Anstieg der Langfristrenditen seit Monatsbeginn (Bundesanleihen +40 Basispunkte auf rd. 4,39 Prozent, US-Treasuries +45 Stellen auf rd. 4,45 Prozent).

Vor allem in den USA steht der Konjunkturkessel bereits unter Dampf. Maßgeblich gefördert durch die Stimulierungsmaßnahmen der Bush-Administration, die tragende Rolle des Konsums und die Verringerung des Außenhandelsdefizits könnte die US-Wirtschaft im dritten Quartal sogar eine Expansionsrate von annualisiert über 6 Prozent erreicht haben. Zudem stehen ungeachtet einiger schwächerer Klimaindikatoren (im September Verbrauchervertrauen 76,8 nach 81,7 Punkte, ISM-Index 53,7 nach 54,7 Punkte) die Chancen nicht schlecht, dass bis 2004 hinein ein Wachstum in Richtung 4 Prozent realisiert werden kann. Doch während die seit der G7-Erklärung von Dubai geschwächte US-Valuta für die tiefrote US-Leistungsbilanz heilsam wirkt, mindert sie andererseits potenziell die Lokomotivkraft Amerikas für die Weltwirtschaft. Exportnationen wie Deutschland müssten sich bei anhaltender Währungsstärke auf tendenziell geringere Außenhandelsbeiträge einstellen. Das Rezessionstal dürfte hierzulande aber bereits im dritten Quartal mit einer auf 0,2 Prozent geschätzten Expansionsrate durchschritten worden sein.

Gleichzeitig zeichnet sich auf europäischer Ebene ab, dass selbst stagnierende Volkswirtschaften wie das neue europäische Wachstumsschlusslicht Frankreich mit zuletzt 2,3 Prozent durchaus nennenswerte Inflationsraten aufweisen können. Dennoch dürfte die nicht zuletzt durch gestiegene Nahrungsmittelpreise erhöhte September-Inflation in Euroland (2,1 Prozent) das EZB-Stabilitätsziel kaum gefährden. Auch für die US-Notenbank bleibt angesichts einer September-Kernrate von +1,2 Prozent (so niedrig wie zuletzt im Januar 1966) der Handlungsbedarf gering, die Perspektive niedriger Leitzinsen über längere Zeit intakt.

Insgesamt weist der angelaufene Aufschwung der Weltwirtschaft durchaus noch bremsende Momente auf, vor allem in Europa dürfte sich der Renditeanstieg nur verlangsamt fortsetzen. Da jedoch auf Sicht das neue Paradigma mit verschuldungsbedingt erhöhter Kapitalnachfrage und anziehender Konjunktur weiter das Renditegefüge prägen sollte und zudem heftigere Reaktionen bei Annäherung an die langfristigen Abwärtstrends von Anfang der 90er Jahre (derzeit noch bei ca. 4,8 Prozent für zehnjährige Bunds) nicht auszuschließen sind, empfiehlt sich trotz attraktiverer Zinsniveaus noch keine massive Höhergewichtung langer Laufzeiten.

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Hans Beth LRP

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