Rentenmarkt: Ende des Zinstals im Visier

Seit den kräftigen Renditesprüngen Mitte Juni und Juli im Gefolge konjunkturoptimistischer Fed-Äußerungen haben die internationalen Bondakteure begonnen, sich ein Stück weit dem von den Aktienmärkten unterstellten Aufschwungsszenario anzupassen, auch wenn bislang noch der Nachweis für eine nachhaltige Überwindung der globalen Nachfrageschwäche aussteht. Ausgehend von den Jahrestiefs vor wenigen Wochen zog das Renditeniveau der 10jährigen US-Treasuries inzwischen um ca. 0,8 auf zuletzt 3,95 Prozent an, die Verzinsung der Bundesanleihen kletterte um 0,6 auf zuletzt 4,04 Prozent, in Japan hat sich die Rendite mit knapp 1,0 Prozent seither sogar mehr als verdoppelt.

Ungeachtet besserer Stimmungsindikatoren präsentiert sich indes die trendbestimmende amerikanische Volkswirtschaft bislang noch ohne rechte Dynamik. Allerdings wird nach verhaltenem Wachstum im ersten Halbjahr (unter 2 Prozent) ab nächstem Semester eine Beschleunigung mit einer 3 vor dem Komma im Zuge der Nachfrageeffekte aus Steuersenkungen, günstigem Refinanzierungsumfeld und Investitionsanreizen für die Unternehmen erwartet. An der Inflationsfront (Juni-Teuerung 2,1 – Kernrate 1,5 Prozent) vermindern auf Sicht dabei Kapazitätsüberhänge, flexible Beschäftigungsmärkte und anhaltend günstige Asienimporte trotz der zunehmenden Haushaltssorgen die Gefahren für den Stimulierungskurs der Fed, so dass die Leitzinsen für längere Zeit auf dem niedrigen – oder sogar nochmals reduzierten – Niveau (mit 1,0 Prozent 45 Jahre-Tief) bleiben könnten.

Diesseits des Atlantiks ist die konjunkturelle Wende ins kommende Jahr zu vertagen. Die Wirkungen des mittlerweile gebremsten Euro-Anstiegs dürften sich zunächst noch in geringeren Exporterfolgen niederschlagen. Die Wachstumsabschwächung in Frankreich, Italien und den Niederlanden kontrastiert mit einer in Deutschland bemerkbaren Stimmungsverbesserung. Die anstehenden Strukturreformen und Steuerentlastungen wirken zwar belebend, allerdings haben im Zuge der finanzierungsbedingten Kosten vor allem Frankreich und Deutschland einen belastenden Konflikt um die Einhaltung der EWU-Stabilitätskriterien ausgelöst. Dennoch sind weitere Zinssenkungshoffnungen nicht zu begraben, vor allem mit Blick auf die günstige Inflationsperspektive (Junirate 2,0 nach 1,9 Prozent) im Zuge billigerer Importpreise und Basiseffekte. Eine anhaltende „Wachstumsanämie“ dürfte die EZB trotz schlechterer Defizitprognosen zu einer weiteren Zinssenkung veranlassen.

Unter dem Strich muss ungeachtet der bislang nur spärlichen Zeichen für eine kräftige Konjunkturerholung und niedriger Inflationsraten einkalkuliert werden, dass angesichts der enormen monetären fiskalischen Stimulanz in den USA, des näherrückenden Endes der US-Zinssenkungen und nicht zuletzt der weltweit steigenden Staatsdefizite rekordniedrige Küpons schwerlich dauerhaften Bestand haben können. Rentenmarktanleger sollten sich somit auf einen wenn auch moderaten Anstieg aus dem Zinstal einstellen und trotz der nunmehr etwas höheren Langfristrenditen vorerst noch kürzeren Laufzeiten den Vorzug geben.

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Hans Beth Landesbank Rheinland-Pfalz

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