Fraktale Unternehmensstrukturen meistern neue Herausforderungen

Fraktale Unternehmen lassen sich Gewinn bringend mit E-Business, Netzwerken und kundenorientierten Dienstleistungen verbinden – Deutlich höhere Wertschöpfung – Ergebnisse einer Fraunhofer-Erhebung

Betriebe sind wesentlich effizienter, wenn sie die Grundprinzipien der fraktalen Fabrik – Wandlungsfähigkeit, Prozessorientierung und Dezentralisierung – mit neuartigen Konzepten, wie kundenorientierten Dienstleistungsangeboten, Netzwerken oder E-Business koppeln. Das ergab eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe. Danach weisen solche Betriebe eine über 20 Prozent höhere Produktivität aus: Ihre durchschnittliche Wertschöpfung pro Mitarbeiter beläuft sich nach den Berechnungen des Fraunhofer ISI auf 86.000 Euro, während andere Betriebe lediglich auf eine Wertschöpfung von 70.000 Euro kommen. Dieser Produktivitätsvorsprung ist nicht mit Strukturunterschieden begründbar. Er zeigt sich genauso für unterschiedlich große Betriebe wie für Firmen mit unterschiedlich komplexen Produkten.

Als Datenbasis für die Analysen dient die repräsentative Umfrage „In-novationen in der Produktion“ des Fraunhofer ISI unter 1.630 Betrieben aus den Kernbereichen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland.

Die jetzt vorliegenden Zahlen belegen, dass das Fraktal-Konzept auch unter den heutigen technisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach wie vor seinen Stellenwert hat. Es zeigt sich, dass Betriebe mit hohen Werten für die Umsetzung fraktaler Strukturen auch hohe Werte beim E-Business, bei der Verwirklichung von Netzwerkstrukturen und bei der Mehrwertschöpfung erreichen. Innovativen Betrieben gelingt es demnach, die jeweiligen Konzepte zu verbinden. Weniger innovative Betriebe sind an allen Fronten Nachzügler.

Generell gilt: Je komplexer die hergestellten Produkte, desto umfassender werden die Möglichkeiten sowohl fraktaler Strukturen als auch der Netzwerkbildung und der Mehrwertschöpfung genutzt. Lediglich die Umsetzung von E-Business-Ansätzen bleibt von der Komplexität der Produkte unberührt.

Im Detail zeigt sich, dass knapp zwei Drittel (65 Prozent) der deutschen Unternehmen Verfahren zur kontinuierlichen Verbesserung von Produkten und Prozessen (KVP) implementiert haben. Auch Gruppenarbeit (63 Prozent) und die Integration von Aufgaben (59 Prozent) ist im Verarbeitenden Gewerbe bereits relativ häufig verbreitet.

Die technischen Voraussetzungen zum Verkauf eigener Waren über das Internet hat mittlerweile jedes vierte Industrieunternehmen (26 Prozent) geschaffen. Doch die hierüber abgewickelten Geschäftsvolumina sind noch sehr bescheiden (12 Prozent). Rund zwei Fünftel (40 Prozent) der Firmen ordern Materialien und Zulieferteile über das Internet. E-Business ist bei der Beschaffung damit weit mehr verbreitet als im Verkauf. Der Umfang der über das Internet bestellten Leistungen ist aber mit 14 Prozent ebenfalls noch sehr begrenzt.

Am weitesten verbreitet sind Kooperationen mit Kunden oder Zulieferern in Forschung und Entwicklung. 58 Prozent der befragten Firmen gaben an, derartige Formen der Zusammenarbeit zu pflegen. Ebenso sind die klassischen, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau traditionell zum Geschäft gehörenden produktbegleitenden Dienste wie Engineering, Schulung und Wartung eher die Regel. Das Gleiche gilt für Dienste, die die Lebens- und Nutzungsdauer des Produktes beim Kunden verlängern bzw. die nach Ablauf der Nutzungsdauer den Stoffkreislauf schließen. Doch andere innovative Leistungen wie Teleservice, Leasing oder der Betrieb des eigenen Produktes für den Kunden sind nach den Untersuchungen des Fraunhofer ISI eher die Ausnahme.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

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Bernd Müller idw

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