Schwacher Euro stärkt Export weniger als erwartet


Die anhaltende Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar stärkt erwartungsgemäß die deutschen Ausfuhren. Allerdings nicht in dem Maße, wie man angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit für den Dollarkurs vermuten könnte. Dies hat im wesentlichen drei Ursachen:
– Erstens geht nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der deutschen Exporte in den Dollarraum. Dies gilt selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass nicht nur der Handel mit den Vereinigten Staaten, sondern auch der mit einer Reihe von Entwicklungs- und Schwellenländern in Dollar abgewickelt wird. Das Gewicht des Dollar für die deutschen Ausfuhren insgesamt beträgt lediglich etwa 13 v.H..
– Zweitens verteuert ein niedrigerer Euro die Einfuhr von Vorleistungen und damit auch die Produktion. Dies zehrt zum Teil den aus der Abwertung resultierenden Vorteil wieder auf.
– Drittens geben Exporteure den Kostenvorteil, der sich aus der Abwertung der eigenen Währung ergibt, erfahrungsgemäß nicht vollständig an die Kunden im Ausland weiter. Vielmehr erhöhen sie teilweise ihre in Euro angegebenen Ausfuhrpreise, die in Dollar gerechnet gleichwohl sinken.
Zusammenfassend führen diese drei Effekte dazu, dass eine (nominale) Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar um 20 v.H. – dies entspricht etwa der Entwicklung im Laufe des letzten Jahres – den deutschen Export lediglich um 0,8 v.H. (real) erhöht.
Diese Wirkungen konzentrieren sich zudem auf wenige Sektoren, vor allem den Straßenfahrzeugbau und die Chemische Industrie. Der Maschinenbau, aber auch die meisten Konsumgüterindustrien profitieren hingegen kaum.
Das starke Wachstum der deutschen Warenexporte im ersten Halbjahr 2000 um nahezu 15 v.H. ist vor allem auf die ausgesprochen kräftige weltwirtschaftliche Expansion zurückzuführen. Der Welthandel wuchs in der ersten Hälfte dieses Jahres real um fast 15 v.H. – so dynamisch wie nie zuvor in den vergangenen beiden Jahrzehnten.

(aus: RWI-Konjunkturbrief 2/2000)
Ihre Ansprechpartner zu diesem Thema:
Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 8149-262
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 8149-292

Media Contact

Joachim Schmidt idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen

Aktuelle und interessante Meldungen und Entwicklungen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften finden Sie hier zusammengefasst.

Unter anderem bietet Ihnen der innovations-report Berichte aus den Teilbereichen: Aktienmärkte, Konsumklima, Arbeitsmarktpolitik, Rentenmarkt, Außenhandel, Zinstrends, Börsenberichte und Konjunkturaussichten.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Autonomes High-Speed-Transportfahrzeug für die Logistik von morgen

Schwarm-Logistik Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML entwickelt eine neue Generation fahrerloser Transportfahrzeuge: Der LoadRunner kann sich dank Künstlicher Intelligenz und Kommunikation über 5G im Schwarm organisieren und selbstständig…

Neue Möglichkeiten in der druckunterstützten Wärmebehandlung

Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Dresden verstärkt seine technologische Kompetenz im Bereich der druckunterstützten Wärmebehandlung mit der Neuanschaffung einer Quintus Hot Isostatic Press QIH 15L. Damit…

Virenfreie Luft durch neuartigen Raumlüfter

In geschlossenen Räumen ist die Corona-Gefahr besonders groß. Aerosole spielen eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2 und erhöhen die Konzentration der Corona-Viren in Büros und Co. Ein neuartiges…

Partner & Förderer