Nachhaltigkeit lohnt sich also doch!

dknw-Umfrage zeigt Zurückhaltung der Firmen beim Nachhaltigen Wirtschaften / Ergebnisse vom Kongress „Nachhaltiges Wirtschaften“ 24./25.September

Unternehmen, die nachhaltig Wirtschaften stehen im Wettbewerb besser da als solche, die sich passiv gegenüber den Themen Umweltschutz und Ressourcenschonung verhalten. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage in 5788 Unternehmen, die das Verbundprojekt Ökoradar zusammen mit dem Münchener ifo-Institut heute auf dem Kongress „Nachhaltiges Wirtschaften in Deutschland“ an der Universität Witten/Herdecke vorlegte. Circa 41% der „Nachhaltigen Unternehmen“ gaben an, ihre Situation gegenüber der Konkurrenz habe sich in den vergangenen zwei Jahren verbessert. Anders die Unternehmen, die sich nicht nachhaltig engagieren: Nur etwa 18% schätzten ihre Wettbewerbsposition besser ein als vor zwei Jahren.

Wollen? Ja! Machen? Nein!

Dabei ist die abstrakte Einsicht bei den Unternehmen durchaus weit verbreitet: 58% sehen eine steigende Bedeutung für Nachhaltiges Wirtschaften. Aber an der Umsetzung hapert es: Fast dieselbe Mehrheit (56,9%) verhält sich selbst zunächst passiv. Als Gründe für die Zurückhaltung werden mangelnde Kostenvorteile, Umsetzungsprobleme, mangelndes Bewußtsein bei Verbrauchern und unzureichende staatliche Zielvorgaben genannt.

„In Deutschen Betrieben scheint immer noch die ökonomische Nachhaltigkeit, also die Wettbewerbsfähigkeit, die größte Rolle zu spielen. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen geben an, nicht die Mittel und das Personal zu haben, um sich um Nachhaltiges Wirtschaften kümmern zu können“, fasst Prof. Dr. Werner F. Schulz vom Deutschen Kompetenzzentrum für Nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Witten/Herdecke die Ergebnisse zusammen. „Je größer ein Unternehmen ist, desto eher ist es bereit, Umweltschutz in seine Managementsysteme zu übernehmen.“, so Dr. Carlo Burschel vom dknw.

Soziale Nachhaltigkeit noch weitgehend unberücksichtigt

Neben der ökologischen Nachhaltigkeit fiel der Blick der Forscher auch auf die Soziale Nachhaltigkeit: Selbstverpflichtungen zu Gleichberechtigung, Verbot von Kinderarbeit oder Mindestlöhne werden bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten vorwiegend in größeren Firmen formalisiert. Bei kleineren Unternehmen sind soziale Aspekt grundsätzlich ein integralerer Bestandteil der Unternehmenskultur. In der Wertschätzung der Betriebe liegt dieses Kriterium aber offenbar noch unter der ökologischen Nachhaltigkeit.

Treibhausgas CO2 : Da müssen die anderen ran

Ganze 8,3% der Befragten sehen Möglichkeiten im eigenen Unternehmen den Ausstoß des Treibhausgases zu verringern, aber 55,3% sehen Chancen dazu bei anderen Deutschen Firmen und 36,4% nur im Ausland. Ähnliche Ansichten, nur weniger ausgeprägt, gelten für Luft und Abwasser. Nur in den Bereichen Abfall und Ressourcen sehen die Unternehmen noch Entlastungspotential im eigenen Betrieb.

Handlungsempfehlungen

„Wenn wir zu einer Form des Wirtschaftens kommen wollen, die nicht mehr auf Kosten der kommenden Generationen geht, dann brauchen wir überhaupt erst einmal einen geeigneten Maßstab für die wirtschaftliche Entwicklung“, forderte Prof. Dr. Werner F. Schulz am Rande der Tagung. Bisher sei das Bruttosozialprodukt und der Bericht der fünf Weisen der Maßstab für Fortschritt. Nötig sei aber, so Schulz, ein Nachhaltigkeitsbericht, der neben den ökonomischen auch die ökologischen und sozialen Kosten des Wirtschaftens mit berücksichtigt. Schulz plädierte dafür, die bestehenden Umweltmanagementsysteme wie EMAS oder ISO 14000 durch Berichtsysteme zu ergänzen, die die Betriebe erst einmal in die Lage versetzen, ihre Betriebspraxis umweltschonend umzubauen und die soziale Dimension der Nachhaltigkeit stärker zu erkennen.

Weitere Informationen und Anforderung der Kurzzusammenfassung der Studie: Deutsches Kompetenzzentrum für Nachhaltiges Wirtschaften (dknw) Tel.: 02302 / 926-505
dknw@uni-wh.de

Media Contact

Christiane Bensch idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-wh.de/dknw

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