"Langfristigen Profit gibt es nur mit verantwortungsvollem Handeln"

„Folg nicht jedem schnellen Trend, sei nachhaltig und transparent“, forderte Kasperle vom Bäckerei-Unternehmer Untermeier und sorgte damit für seinen Sinneswandel. In dem humoristischen Theaterstück des Ensembles Las Kaspas, mit dem an der Alanus Hochschule eine Tagung zu Corporate Social Responsibility (CSR) begann, hatte der profitorientierte Großbäcker die backerfahrene Großmutter entlassen und stattdessen auf Billigproduktion umgestellt.

Umweltbelastung und Qualitätsverlust waren die Folgen. Nach einem Besuch des Polizisten und den Worten Kaspers kam Untermeier jedoch zur Einsicht und stellte die Großmutter sofort als Leiterin Produktion und Qualität wieder ein. Wären im wahren Wirtschaftsleben die Dinge so schnell und einfach zu lösen wie in dem Stück, das die beiden Schauspiel-Absolventen Jana Würker und Frank Müller für die Tagung entwickelt hatten, wäre die Veranstaltung vermutlich überflüssig gewesen.

„CSR ist d i e Herausforderung für zukunftsorientierte Unternehmen“ betonte Markus Mau, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft der Alanus Hochschule. Die Hochschule bietet seit zwei Jahren einen BWL-Studiengang an, bei dem die Studenten lernen, Wirtschaft neu zu denken und sich der gesellschaftlichen Verantwortung unternehmerischen Handelns bewusst zu werden. In den nächsten Wochen will der Fachbereich in Kooperation mit seinen Partnerunternehmen ein An-Institut gründen, das sich der wissenschaftlichen Erforschung des Themenfelds CSR entlang der Wertschöpfungskette widmen wird – von der Urproduktion bis zum Konsumenten – und das als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis agieren soll.

„Die Welt hat die Balance verloren“, sagte Carl-Ernst Müller, Berater für Nachhaltigkeitsmanagement, in seinem Eröffnungsvortrag und zeigte das Ungleichgewicht an eindrucksvollen Weltkarten zu Bevölkerungszahlen, PKW-Aufkommen, Patentrechten und Einkommen auf. Unternehmen müssten ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass die Erde und ihre Ressourcen Grenzen haben. CSR dürfe deshalb nicht nur als soziales Engagement verstanden werden. Ökonomische, ökologische und soziale Aspekte sollten, so Müller, ganzheitlich in alle Unternehmensbereiche eingebracht werden.

Man könne jedoch nicht allein auf die Moral von Unternehmen und Managern setzen, betonte Sylvia Schenk, Geschäftsführerin von Transparency International Deutschland. Denn wenn Unternehmen ihre Geschäftsmodelle umstellten, dann nicht aus Wunsch zur Weltverbesserung sondern aus ökonomischen Gründen.

Verantwortungsvolles Handeln sei jedoch eine wirtschaftliche Notwendigkeit „Unternehmen, die langfristig erfolgreich wirtschaften wollen, brauchen langfristig stabile Verhältnisse in Umweltfragen und in sozialen Fragen“, so Schenk. Profit und Moral seien keine Widersprüche. „Langfristig geht Profit nur mit Moral“. Dabei sei auch die zunehmende Sensibilisierung der Konsumenten von Wichtigkeit. Ein sauberes Image des Unternehmens spiele bei Kaufentscheidungen eine zunehmende Rolle. Kinderarbeit, Bestechungs- und Umweltskandale würden Käufer, anders als noch vor 20 oder 30 Jahren, in ihrer Entscheidung bedenken. Stephan Bode, Geschäftsführer des Bio-Seehotels Zeulenroda, entwarf gar eine ganz neue Käufergeneration, mit einem Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit. „Das Kaufkriterium in der Zukunft ist, durch den Konsum Gutes für ein großes Ganzes zu tun“, so Bode.

Die Macht des Konsumenten beschworen mehrere Referenten des Multi-Stakeholder-Forums. „Auch die Käufer müssen Wirtschaft neu denken“, forderte Mau. Dazu bedürfe es jedoch einer stärken Sensibilisierung. CSR als Marketing-Trend, als „grünes Mäntelchen“ sei die große Gefahr, warnte Marek Wallenfels, Geschäftsführer der Initiative 2° – deutsche Unternehmer für Klimaschutz.

„Der Konsument wird verschaukelt“, sagte auch Willie Beuth, Vorstand des 3p Institute for Sustainable Management, im Hinblick auf wenig aussagekräftige Sustainability Reports einiger Konzerne und forderte Markttransparenz und Ehrlichkeit. Das Thema CSR dürfe demnach auch nicht in den Kommunikationsabteilungen von Unternehmen angesiedelt sein, sondern müsse auf Vorstandebene verankert werden. „Weniger ist oft mehr“, fasste Udo Nimsdorf von der Agentur für Wirtschaftskommunikation Engel & Zimmermann zusammen. Offenheit, Kommunikationsstärke und Sensibilität für gesellschaftliche Prozesse garantierten Glaubwürdigkeit und Vertrauen auf Konsumentenseite und damit letztendlich ökonomisch nachhaltigen Erfolg.

Ob das Zusammenspiel von Unternehmen und Käufer sowie die marktwirtschaftlichen Kräfte allerdings ausreichen, um die Entwicklung hin zu verantwortungsbewusstem, nachhaltigem Handeln zu bewirken, darüber waren sich die Referenten nicht einig. Carsten Steinert von Bündnis 90/Die Grünen NRW konstatierte noch massive Beharrungskräfte in der deutschen Wirtschaft. Um die Umstellung auf zukunftsfähige Geschäftmodelle zu beschleunigen, müsse die Politik die Rahmenbedingungen schaffen.

Media Contact

Claudia Zanker idw

Weitere Informationen:

http://www.alanus.edu

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