Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf macht Fortschritte – allerdings mit unterschiedlichem Tempo

Die deutsche Wirtschaft hat die Bedeutung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Beruf erkannt – und handelt danach. Allerdings gibt es nicht in allen Bereichen gleich große Fortschritte. Das zeigt die "3. Bilanz Chancengleichheit – Europa im Blick", die die Bundesregierung gemeinsam mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, BDA, BDI, DIHK und ZDH, in Berlin veröffentlicht hat.

"Familienfreundlichkeit und damit gleiche Chancen für Frauen und Männer im Beruf ist für Unternehmen ein echter Wettbewerbsvorteil", sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen. "Ich freue mich, dass das immer mehr Personalverantwortliche erkennen und auch danach handeln. Durch familienfreundliche Arbeitszeiten und Unterstützung bei der Kinderbetreuung können sie Eltern helfen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Das nutzt nicht nur den Familien, sondern auch den Betrieben, denn in Zeiten mangelnder Fachkräfte wird es immer wichtiger, qualifizierte Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden", so die Bundesministerin weiter.

Die Bundesregierung und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft bilanzieren zum dritten Mal die "Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft" aus dem Jahr 2001. Die Bilanz geht zurück auf eine Vereinbarung von Bundesregierung und Wirtschaft, sich gemeinsam für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für das berufliche Fortkommen von Frauen einzusetzen. Sie fordert dazu auf,

* Ausbildungsperspektiven und berufliche Chancen von Frauen sowie

* die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer zu verbessern,

* den Anteil von Frauen in Führungspositionen und in zukunftsorientierten Berufen zu erhöhen

* und zur Verringerung der Einkommensunterschiede von Frauen und Männern beizutragen.

Die aktuelle Bilanz zeigt Fortschritte vor allem in folgenden Bereichen auf:

* Bei den Ausbildungsperspektiven ist es erfreulich, dass die Bildung von Mädchen und Frauen in Deutschland inzwischen einen hohen Stand erreicht hat. Der Anteil der Frauen an den Abiturienten liegt stabil bei 57 Prozent, der Frauenanteil an den Studienabsolventen ist in den vergangenen zehn Jahren um neun Prozentpunkte auf 50 Prozent gestiegen.

* Das Berufswahlspektrum junger Frauen ist zwar immer noch eingeschränkt, öffnet sich aber zunehmend. So ist etwa der Anteil der Frauen bei den Studienanfängern in den Fächern Elektrotechnik oder Maschinenbau in den vergangenen fünf Jahren um rund die Hälfte von 5 auf 8 Prozent bzw. 12 auf 17 Prozent gestiegen.

* Hervorzuheben sind die Veränderungen der Ausbildungsperspektiven im Handwerk: Hier holen die Frauen fast überall auf: 2007 stieg der Anteil weiblicher Auszubildender erstmals auf den Höchstwert von 26 Prozent. 2006 gingen die Meisterbriefe zu knapp einem Fünftel an Frauen – 1991 waren es erst rund ein Zehntel.

* Der Anteil der Frauen an den Selbstständigen steigt kontinuierlich. Von 2001 bis 2006 gab es ein Plus von fast drei Prozentpunkten auf insgesamt 30,6 Prozent (1.264.000). Selbstständige Frauen sind dabei vor allem im Bereich Dienstleistungen tätig.

* Die jetzt vorliegende Bilanz steht unter dem Leitgedanken "Europa im Blick". Bereits 2006 hat Deutschland mit einer Frauenbeschäftigungsquote von mehr als 62 Prozent ein wesentliches Lissabonkriterium vorzeitig übertroffen. Bis 2007 stieg diese Quote nochmals an – auf 64 Prozent. EU-weit befindet sich Deutschland damit im oberen Mittelfeld. Spitzenreiter ist Island mit 80,8 Prozent.

Den größten Fortschritt gibt es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So bieten mehr als 95 Prozent aller Unternehmen ihren Beschäftigten familienfreundliche Maßnahmen an – Tendenz steigend. Fast drei Viertel (75 Prozent) aller Unternehmen haben mindestens vier familienfreundliche Maßnahmen im Angebot, gegenüber knapp 40 Prozent im Jahr 2003. Jedes siebte Unternehmen bietet sogar bis zu einem Dutzend familienfreundliche Maßnahmen. Ein Meilenstein ist das im Herbst 2006 gestartete Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" als Element des gleichnamigen Unternehmensprogramms. Dieses Netzwerk – eine Gemeinschaftsaktion von DIHK und Bundesfamilienministerium – unterstützt Aktivitäten der Unternehmen zu einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bereits mehr als 1500 Betriebe sind Mitglied im Netzwerk und informieren sich über die Möglichkeiten und Potenziale familienfreundlicher Personalpolitik. Fast alle IHKs, zahlreiche Handwerkskammern und mehr als 4000 Unternehmen sind in über 140 Lokalen Bündnissen für Familie aktiv. Weitere wichtige Fortschritte im Bilanzzeitraum sind die Einführung des Elterngeldes und der Ausbau der Kinderbetreuung bis zum Jahr 2013.

Die Untersuchung zeigt allerdings auch, vor welchen Herausforderungen Deutschland steht:

* Bei der Beschäftigungsquote von Frauen mit Kindern unter fünf Jahren liegt Deutschland mit 44 Prozent im internationalen Vergleich im unteren Bereich, bei Frauen mit Kindern unter acht Jahren lediglich im Mittelfeld.

* Nach wie vor sind in Deutschland Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. In nur einem der 100 größten deutschen Unternehmen sitzt eine Frau im Vorstand.

* Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern, bedingt nicht zuletzt durch unterbrochene Erwerbsbiographien, sind in Deutschland weiterhin sichtbar.

Links:

Ausgewählte Publikationen zum Thema 3. Bilanz Chancengleichheit – Europa im Blick

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BMFSFJ

Weitere Informationen:

http://www.bmfsfj.de

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