Bei Bayreuther Wirtschaftsgeographen diskutiert: Ist Oberfranken eine Logistikregion?

Aber es gibt noch andere Kriterien für eine Logistikregion. Darüber diskutierten in Bayreuth der Berliner Geograph Privatdozent Dr. Markus Hesse auf Einladung Bayreuther Wirtschaftsgeographen mit Wissenschaftler, Regionalpolitiker und Studenten.

Bayreuth (UBT). Die Dynamik des Warenaustauschs hat sich bedingt durch die Globalisierung und die Erschließung der osteuropäischen Märkte dramatisch erhöht. Die zentrale Lage Deutschlands in der erweiterten EU hat besonders dazu beigetragen, dass hier der Bedarf an Flächen für Logistikdienstleistungen stark gestiegen ist. Doch wie verteilen sich Logistikstandorte räumlich? Gibt es tatsächlich Regionen, in denen sich die Logistikbranche konzentriert und sich diese dadurch als Logistikregionen bezeichnen können?

Diese Frage stellte und beantwortete Privatdozent Dr. Markus Hesse vom Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität Berlin jetzt im Rahmen eines Vortrags, zu dem der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Regionalplanung (Prof. Dr. Jörg Maier) eingeladen hatte. Wissenschaftler, Regionalpolitiker und Studenten diskutierten intensiv über die Vorraussetzungen und Möglichkeiten einer Region, sich als Logistikregion bezeichnen zu können.

Hesse führte auf, dass eine Vorraussetzung dafür die Zentralität einer Region ist, also die Nähe zu bedeutenden Standorten von Konsum und Produktion. Zum anderen konzentrieren sich Logistikunternehmen auch in räumlicher Nähe zu Warenumschlagplätzen wie Flughäfen oder Seehäfen. Ein dritter Aspekt, den Hesse als Voraussetzung für die Existenz einer Logistikregion definiert, ist die geographisch günstige Lage an bedeutenden Verkehrswegen und die schnelle Erreichbarkeit anderer Regionen in Deutschland und Europa.

Gerade dieser Punkt ist für die Positionierung von Oberfranken im Wettbewerb um die Ansiedlung von Logistikunternehmen interessant. Die zentrale Lage der Region durch die EU-Erweiterung ermöglicht die schnelle Erreichbarkeit von Kunden in ganz Deutschland und Osteuropa und bietet damit die Voraussetzung als Schnittstelle des internationalen Warenaustauschs zu dienen.

Dennoch unterliegt die Logistikbranche einem ständigen Wandel, so dass die Frage bleibt, wie dauerhaft eine solche Logistikregion von Bestand sein kann. Fakt ist außerdem, dass sich der Logistikboom auf die Beschäftigtenzahlen in der Branche noch nicht wesentlich ausgewirkt hat. Ob eine Logistikregion wirklich zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung beitragen kann und ob durch die Ansiedlung von Logistikdienstleistern eine wirtschaftliche Dynamik in Gang gesetzt werden kann, bleibt daher fraglich.

Weitere Informationen

Professor Dr. Drs h.c. Jörg Maier
Lehrstuhl Wirtschaftsgeografie und Regionalplanung
Tel. 0921 55-2262
e-mail: joerg.maier@uni-bayreuth.de

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Jürgen Abel idw

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