Auch Fahrwerke von Passagierflugzeugen im Blickpunkt der Lärmreduzierung

Lärmoptimierte Fahrwerkskonfiguration in der Aeroakustik-Messstrecke des Deutsch Niederländischen Windkanals (DNW) auf dem Noordoostpolder

DLR an internationalem Gemeinschaftsprojekt beteiligt – Original-Fahrwerk im Deutsch Niederländischen Windkanal vermessen

Bei ihren Bemühungen zur Reduzierung des Fluglärms haben die Wissenschaftler und Ingenieure bereits seit einigen Jahren neben den Flugzeugtriebwerken unter anderem auch die bisweilen weit herausragenden Fahrwerke ins Visier ihrer Forschungsarbeiten genommen. Bekanntlich erforderten die in den letzten Jahren zunehmend größeren Triebwerksausmaße eine größere Bodenfreiheit – dies stets zu Kosten eines kompakten Fahrwerks. Jüngste Windkanalmessungen unter maßgeblicher Mitwirkung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigten vor kurzem in der Aeroakustik-Messstrecke des Deutsch-Niederländischen Windkanals auf dem Noordoostpolder mit einer unter akustischen Aspekten verbesserten Fahrwerkskonfiguration in Originalgröße bereits ein Lärmminderungspotenzial von bis zu 5 dB.

Im Rahmen des EU-Projekts SILENCER („Significantly Lower Community Exposure to Aircraft Noise“) entwickelten die Experten diverse Fahrwerkskonfigurationen im Hinblick auf minimalen Umströmungslärm, und dies immer vor dem Hintergrund der wesentlichsten operationellen Randbedingungen wie Funktionalität, Sicherheit, Gewicht und Wartungskosten. Um die Lärmminderung für neue – unter Beachtung auch aeroakustischer Randbedingungen entwickelter – Fahrwerkskonfigurationen am Ende demonstrieren zu können, wurden die globalen Einbaurandbedingungen für konventionelle Airbus A340-Fahrwerke als Basis festgelegt.

Ausgangspunkt der Arbeiten, die auf bereits vor einigen Jahren an einem A 320-Fahrwerk durchgeführten Grundlagenmessungen basierten, waren die im EU-Projekt RAIN gewonnenen Erfahrungen zum Lärmminderungspotenzial durch aerodynamische Verkleidung einzelner Komponenten an serienmäßigen A340 Fahrwerken. Auf der Basis langjähriger Erfahrung mit Strömungsschallquellen und deren Minderung wurden Erfolg versprechende Modifikationen an den herkömmlichen Fahrwerksstrukturen entwickelt. Die Beurteilung der potenziellen Wirkung verschiedener Maßnahmen zur Lärmminderung wurde unterstützt durch Strömungsfeldrechnungen. Für die numerischen Simulationen wurde das vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik entwickelten Programm MEGAFLOW genutzt. Bei der Entwicklung aeroakustisch verbesserter Fahrwerkskonfigurationen ging es sowohl darum, Wechselwirkungen von turbulenten Nachlaufströmungen mit stromab liegenden Fahrwerksteilen zu vermeiden als auch kleinere Fahrwerkskomponenten nicht in Gebieten lokal hoher Umströmungsgeschwindigkeit in der Umgebung größerer Komponenten anzuordnen. Mit diesen numerischen Simulationen von Strömungsverläufen an einem Fahrwerk nimmt das DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik eine europaweit führende Position ein.

Die von den Projektpartnern (Airbus, BAE-Systems, MDSA, DLR und ISVR) gemeinsam erarbeiteten Fahrwerkskonfigurationen wurden jeweils als „mock-up“ gefertigt und vor kurzem im Deutsch-Niederländischen Windkanal in Originalgröße aeroakustisch vermessen. Die Richtcharakteristika des abgestrahlten Umströmungslärms wurden für verschiedene Windgeschwindigkeiten und für unterschiedliche Fahrwerksmodifikationen bestimmt. Letzteres diente dem Nachweis des Potenzials einzelner Lärmminderungskonzepte. Zur Unterstützung dieser Bewertung erfolgten auch Messungen mit „Mikrofon-Arrays“, den so genannten Akustischen Kameras.

Das erste Ergebnis der gegenwärtigen Datenanalyse zeigt, dass gegenüber den im Projekt RAIN entwickelten, nachrüstbaren Verkleidungen durch die in SILENCER realisierten Konfigurationsänderungen eine zusätzliche, breitbandige Lärmminderung um 1 bis 2 dB im wesentlichen Frequenzbereich über 1 kHz erreicht werden konnte. Dieses erste Ergebnis zeigt aber auch, welcher konstruktive Aufwand für jedes weitere Dezibel an Lärmminderung für die mitunter sehr langen Fahrwerke an heutigen Verkehrsflugzeugen nötig ist.

Gegenüber der Basiskonfiguration wird somit also eine Minderung des Fahrwerkslärms um bis zu 5 dB möglich Auf der Grundlage heutiger Fertigungstechnologien ist diese Lärmminderung allerdings noch mit einer nicht unerheblichen Gewichtszunahme gegenüber der Basiskonfiguration verbunden.

Ansprechpartner:
Dr. Werner Dobrzynski, DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik, Tel.: 0531 / 295-2172, Fax: -2320

Media Contact

Hans-Leo Richter DLR

Weitere Informationen:

http://www.dlr.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik

Von allen Aktivitäten zur physischen Raum- und Zeitüberbrückung von Gütern und Personen, einschließlich deren Umgruppierung – beginnend beim Lieferanten, durch die betrieblichen Wertschöpfungsstufen, bis zur Auslieferung der Produkte beim Kunden, inklusive der Abfallentsorgung und des Recyclings.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Verkehrstelematik, Maut, Verkehrsmanagementsysteme, Routenplanung, Transrapid, Verkehrsinfrastruktur, Flugsicherheit, Transporttechnik, Transportlogistik, Produktionslogistik und Mobilität.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Mit UV-C-Strahlung wirksam gegen das Coronavirus vorgehen

PTB untersuchte den Raumluftreiniger von Braunschweiger Entwicklern: Für den untersuchten Prototyp lässt sich abschätzen, dass durch das Gerät geführte Viren zerstört und somit die Virenlast in der Raumluft prinzipiell deutlich…

Azoren-Plateau entstand durch Vulkanismus und tektonische Dehnung

Der submarine Terceira-Graben geht auf tektonische und vulkanische Aktivitäten zurück und ähnelt damit kontinentalen Grabensystemen. Dies zeigen Lavaproben vom Meeresboden, die 2016 bei der Expedition M128 mit dem Forschungsschiff Meteor…

Schmerzmittel für Pflanzen

Forschende am IST Austria behandeln Pflanzen mit Schmerzmitteln und gewinnen so neue Erkenntnisse über das Pflanzenwachstum. Neue Studie in Cell Reports veröffentlicht. Jahrhundertelang haben Menschen Weidenrinde zur Behandlung von Kopfschmerzen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close