Mautsysteme verringern Verkehrsdichte

Staus und verstopfte Straßen gehören überall auf der Welt zum Verkehrsalltag. Das ist kein Geheimnis. Doch welchen Ausweg mag es aus diesem Dilemma geben? Die Lösung: Erhebung von Nutzungsgebühren! Schließlich verlangt der Staat Gebühren auch für andere kommunal oder staatlich bereitgestellte Infrastruktur. Beste Beispiele für eine erfolgreiche Einführung eben solcher Nutzungsgebühren sind beispielsweise die Städte London, Singapur und Oslo. Eine aktuelle Studie von Deloitte zeigt, dass durch Mautsysteme die Verkehrsdichte in diesen und anderen Weltstädte deutlich gesunken ist.

Jedes Jahr werden mehr Kraftfahrzeuge zugelassen und jedes Jahr tummeln sich mehr Autos auf den Straßen. Die Zuwachsraten können durch den Bau neuer Straßen nicht mehr aufgefangen werden. Aufgrund unkalkulierbarer Fahrtzeiten, Umwelt- und Sachschäden, Verzögerungen und Produktionsausfällen verursachen Verkehrsstaus erhebliche Kosten. Wenn es keine grundlegenden Änderungen bei der Kostenumlage gibt, wird in den kommenden zehn Jahren das Verkaufsaufkommen dramatisch steigen. Aktuelle Prognosen sagen voraus, dass bis 2010 in Westeuropa die Verkehrsdichte auf innerstädtischen Straßen um 188 Prozent steigen wird. In den industrialisierten Ländern der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) müssen für die Folgen überlasteter Straßen drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 810 Milliarden US-Dollar jährlich aufgebracht werden. In Asien ist die Situation noch gravierender. Korea beispielsweise kostet der Verkehrsinfarkt 4,4 Prozent des Bruttoninlandsprodukts.

„Wer vorhandene Ressourcen wirksam nutzen will, muss sich nach neuen Möglichkeiten zur Steigerung der Mobilität in stark verkehrsbelasteten Regionen umsehen“, so Heino von Schuckmann, verantwortlich für den öffentlichen Sektor bei Deloitte Consulting. „Ein optimal installiertes Mautprogramm kann enorme wirtschaftliche und zeitliche Vorteile bringen. Die Sicherheit auf den Straßen erhöht sich dadurch sowohl für Berufsfahrer als auch für Pendler, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. In Deutschland sollten behindernde Rechtsrahmenbedingungen wie beispielsweise das geltende Gebührenrecht schnell und umfassend angepasst werden.“

Im Februar dieses Jahres gab London dem umfangreichsten Mautprogramm der Welt den Startschuss. Deloitte Consulting hat das Programm-Management dieser komplexen Aufgabe erfolgreich betrieben. Laut von Schuckmann zeigen die Startschwierigkeiten anderer Projekte gerade die Bedeutung eines professionellen Programm-Managements überdeutlich. Die Stadt London erhebt für jedes Fahrzeug werktags von 7.00 bis 18.30 Uhr eine pauschale Gebühr. Acht Monate nach Einführung des Programms gilt das Projekt „London Congestion Charge“ als erfolgreiches Beispiel dafür wie sich die Verkehrsdichte auf stark belasteten Straßen durch Nutzungsgebühren verringern lässt. Laut Studie von Deloitte hat sich der Verkehrsfluss um 37 Prozent beschleunigt. Das Verkehrsaufkommen ist im gebührenpflichtigen Zeitraum um 40 Prozent gesunken und für eine Hin- und Rückfahrt benötigt man heute 13 Prozent weniger Zeit.

Angesichts der positiven Londoner Ergebnisse prüfen nunmehr Paris, Stockholm, Sydney und andere Großstädte, ob sich das Modell auch auf ihre Verhältnisse übertragen lässt. Die von Deloitte in 15 europäischen Städten durchgeführte Umfrage ergab, dass 72 Prozent der Städte an einem Mautsystem entweder interessiert sind oder ein solches System bereits planen.

„Von Sydney bis Stockholm machen sich die Verantwortlichen intensive Gedanken, wie sie Verkehrsstaus und die damit verbundenen Kosten verringern können“, so Thomas Northoff, Leiter der Industry Line Public Sector Services bei Deloitte & Touche. „Verschiedene weltweit durchgeführte Projekte zeigen, das beste Mittel gegen den Verkehrsinfarkt ist die Festsetzung angemessener Gebühren für die Straßennutzung.“

Neben dem Londoner Projekt untersuchte Deloitte eine Reihe weiterer Mautprojekte, eines davon hat seinen Ursprung in Singapur. Bereits 1975 verabschiedeten die Stadtplaner die Einführung einer Gebühr für das Befahren einer 2,3 Meilen langen Straße im verkehrsreichsten Teil der Innenstadt. Durch diese Maßnahme sank das Verkehrsaufkommen im morgendlichen Berufsverkehr um 45 Prozent und die Zahl der Fahrzeuge in der Innenstadt um 70 Prozent.

Laut Deloitte kann eine Einführung von Mautgebühren auf Basis unterschiedlicher Konzepte erfolgen:

* Das Korridor-Konzept als traditionelles Mautsystem für einzelne Straßen. Dank moderner Abrechnungstechnik könnten konventionelle Mautsysteme und neue Systeme für stark befahrene Straßen (High- Occupancy Tolling, HOT) künftig eine noch wichtigere Rolle bei der Steuerung der Verkehrsdichte spielen.

* Das Zonen-Schema sieht eine Gebührenerhebung für ein bestimmtes Gebiet mit einem dichten Straßennetz vor. In Norwegen gibt es beispielsweise vier Mautzonen in Form von Mautringen um Oslo, Bergen, Trondheim und Nord-Jaerd. In Trondheim hat sich der Verkehr auf dem Ring während der gebührenpflichtigen Zeit um 10 Prozent verringert. Unternehmen innerhalb des Rings konnten diesen Rückgang durch höhere Umsätze in den Abendstunden und an Wochenenden wettmachen.

* Nationale und transnationale Systeme bestehen aus gebührenpflichtigen Zonen, die zusammen ein größeres Mautnetz bilden. In Österreich, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien sind solche nationalen Mautsysteme für Lkws geplant oder bereits eingerichtet.

* Integration: Künftig könnten Fahrer an jedem Punkt ihrer Reise entscheiden, welche Strecke sie nehmen möchten. Die Integration verschiedener Mautsysteme ist ein Anreiz für den Kunden, die effizienteste Transportmöglichkeit zu wählen.

Media Contact

Thomas Northoff Deloitte & Touche GmbH

Weitere Informationen:

http://www.deloitte.com

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