Autos leiten Fahrer durch die Stadt

Hektisches Gewimmel auf großen Kreuzungen, unübersichtliche Fahrspuren, plötzlich auftauchende Fußgänger: Autofahrer müssen in der Stadt eine große Menge Informationen verarbeiten, viele Entscheidungen treffen und werden dabei auch noch ständig abgelenkt.

Techniken, die Fahrern assistieren und den Verkehr managen, sind bislang jedoch vor allem für Autobahnen und Landstraßen ausgelegt. Das wollen 30 Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Kommunen nun ändern. Im Projekt „Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement (UR:BAN)“ entwickeln sie Systeme, die Autofahrern eine sichere, effiziente und stressfreie Fahrt durch die Stadt ermöglichen.

Die Unterstützung beginnt beim Vorschlag der besten Route. Im Gegensatz zu bisherigen Navigationsgeräten soll die neue Technik die Antriebsart des Autos und davon ausgehend den Verbrauch pro Strecke berücksichtigen. Unterwegs hilft das Assistenzsystem, auf der grünen Welle zu bleiben. Besonders schwierig ist dies für Lastwagen, da sie langsamer anfahren. Verkehrstechniker der TUM entwickeln deshalb die Ampelschaltungen entsprechend weiter. An Kreuzungen, beim Spurwechsel und an engen Stellen soll der Assistent Hinweise liefern, wie sich die Fahrer am besten verhalten. Bei Gefahr könnten die Autos selbstständig bremsen oder ausweichen.

Wie aber müssen diese Techniken gestaltet sein, dass sie den Fahrern wirklich helfen und sie nicht im Gegenteil noch mehr ablenken? Welche Hinweise sind wirklich wichtig? Und wie müssen diese präsentiert werden? „Manche Systeme scheinen auf den ersten Blick einfach zu bedienen. Das heißt aber noch nicht, dass die Fahrer sie auch in komplexen Situationen beherrschen“, sagt Prof. Klaus Bengler vom Lehrstuhl für Ergonomie, der das UR:BAN-Projekt „Mensch im Verkehr“ leitet. Die Forscher nehmen deshalb die verschiedenen Möglichkeiten genauer unter die Lupe, zum Beispiel akustische und optische Signale oder Vibrationen der Pedale.

Gleichzeitig gehen sie noch einen Schritt weiter: Die Autos sollen so intelligent werden, dass sie das Verhalten der Fahrer vorhersagen können. So könnten die Assistenten noch besser helfen, vorausschauend zu fahren sowie Kollisionen und andere Gefahren zu vermeiden. „Erkennt beispielsweise das System an der Geschwindigkeit, dass der Fahrer wahrscheinlich eine Vorfahrt missachten wird, kann es ihn frühzeitig warnen“, erklärt Bengler.

Um diese Techniken entwickeln zu können, analysieren die Forscher das Verhalten der verschiedenen Verkehrsteilnehmer. Zu diesem Zweck wollen sie erstmals Simulatoren für Pkw, Lkw und Fußgänger miteinander verbinden. „Bislang ist es noch nicht gelungen, drei Testpersonen gleichzeitig in einer Fahrsimulation einzusetzen“, betont Prof. Fritz Busch vom Lehrstuhl für Verkehrstechnik. „Wir würden so besser untersuchen können, wie sich die Personen in unterschiedlichen Situationen gegenseitig beeinflussen und welche Wirkungen die neuen Assistenzsysteme auf die einzelnen Fahrer und auf den gesamten Verkehr haben.“

Vorgestellt wird das Projekt UR:BAN heute in Berlin von Anne Ruth Herkes, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Das 3. Verkehrsforschungsprogramm der Bundesregierung fördert UR:BAN bis 2016 mit rund 40 Millionen Euro. Erste Ergebnisse wollen die Partner im Frühjahr 2014 vorstellen. Die anschließenden Feldversuche finden in Düsseldorf und Kassel statt.

Ansprechpartner:
Prof. Klaus Bengler
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ergonomie
Telefon: +49 89 289 15366
E-Mail: bengler@tum.de

Prof. Fritz Busch
Technische Universität München
Lehrstuhl für Verkehrstechnik
Telefon: +49 89 289 22438
E-Mail: fritz.busch@tum.de

30 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik-, Kommunikations- und Softwarefirmen, Universitäten sowie Forschungsinstitute und Städte haben sich im Verbundprojekt UR:BAN zusammengeschlossen. In gemeinsamer Forschungsarbeit entwickeln sie bis Ende 2015 neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt. Besondere Beachtung findet dabei der Mensch in seinen vielfältigen Rollen im Verkehrssystem – als Fahrer, Fußgänger, Radfahrer oder Verkehrsplaner. UR:BAN leistet nicht nur einen erheblichen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im städtischen Verkehr; durch den Ausbau von intelligenter Infrastruktur und deren Vernetzung mit intelligenten Fahrzeugen kann zudem die Verkehrseffizienz bei gleichzeitiger Senkung des Emissionsausstoßes optimiert werden. Das Gesamtbudget für die Forschungskooperation beträgt 80 Millionen Euro. Rund 50 Prozent davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen des 3. Verkehrsforschungsprogramms der Bundesregierung.

Beteiligt sind Adam Opel AG, AUDI AG, BMW Group, BMW Forschung und Technik GmbH, Robert Bosch GmbH, Bundesanstalt für Straßenwesen, Continental Automotive GmbH, Continental Safety Engineering International GmbH, Continental Teves AG & Co. oHG, Daimler AG, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, GEVAS Software GmbH, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, ifak Magdeburg e.V., MAN Truck & Bus AG, PTV AG, Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen, Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadt Kassel, TU Braunschweig, TU Chemnitz, TU München, TomTom Development Germany GmbH, TRANSVER GmbH, Universität der Bundeswehr München, die Universitäten Duisburg-Essen, Kassel und Würzburg und die Volkswagen AG. Als Unterauftragnehmer arbeiten zudem zahlreiche Universitäts- und Forschungsinstitute sowie kleinere und mittelständische Unternehmen an den Projekten mit.

Media Contact

Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München

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