Handy-Bildschirme ohne Fingerabdrücke in Sicht

Fingerabdruck: Fluch der Smartphone-User (Foto: pixelio.de, A. Bachert)<br>

Durch eine Beschichtung mit Titandioxid werden Oberflächen resistent gegen organische Ablagerungen durch Fingerabdrücke, Bakterien oder Pilze. Das Titandioxid wirkt als Katalysator und wird durch UV-Licht aktiviert.

In einem photoelektrochemischen Prozess werden dann organische Substanzen in ihre gasförmigen Bestandteile aufgelöst. Touchbildschirme für Handys und Tablets können so frei von Fingerabdrücken und Verschmierungen gehalten werden. Momentan allerdings nur, wenn die Geräte regelmäßig in die pralle Sonne gelegt werden.

Schmutz verschwindet

Erste Gartenmöbel mit Titandioxid-Beschichtung sind bereits im Handel erhältlich. Sie bleiben auch nach Jahren noch schön sauber, da sich kein Schmutz festsetzt. „Durch Aufbringen von Photokatalysatoren wie Titandioxid kann man Oberflächen aus Glas oder Kunststoff von organischen Verunreinigungen befreien.

Durch Photokatalyse können beispielsweise die organischen Bestandteile von Fingerabdrücken zersetz werden. Die anorganischen Bestandteile, wie Salze, wischt man mit Wasser ab“, erklärt Michael Vergöhl vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik http://www.ist.fraunhofer.de gegenüber pressetext.

Damit der Prozess funktioniert, ist allerdings eine Lichtquelle nötig. „Titandioxid wird durch UV-Licht aktiviert. In einem Photoelektrochemischen Prozess werden organische Substanzen zu gasförmigen Resten aufgespalten. Bei Titandioxid ist die Aktivität nicht hoch genug für einen Einsatz auf Handy-Displays. Im direkten Sonnenlicht reicht zwar eine Stunde, um Fingerabdrücke zu tilgen, im normalen Arbeitsalltag ist die UV-Strahlung aber weit weniger intensiv, der Abbau würde einige Wochen dauern. Zudem ist Titandioxid hochreflexierend, eine Anti-Spiegelungsschicht wäre schwierig umzusetzen“, sagt Vergöhl.

Andere Materialien

Diese Hindernisse sind aber nicht unüberwindbar. Andere Materialien können ebenfalls als Photokatalysatoren eingesetzt und vielleicht mit weniger Licht aktiviert werden. „Es gibt einige aussichtsreiche Kandidaten – etwa Zinkoxid – für einen Einsatz im Alltag. Das Auftragen ist kein Problem, da gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine dauerhafte Beschichtung zu gewährleisten“, so Vergöhl. Dass Photokatalyse ein geeignetes Werkzeug ist, um selbstreinigende Oberflächen zu entwickeln, ist bereits länger bekannt. Durch das Problem der verschmierten Smartphones wird die Technik jetzt wieder aktuell.

„Für eine Beschichtung von Autofrontscheiben gab es früher schon ähnliche Projekte. Allerdings war eine Anti-Schmutz-Windschutzscheibe eher ein „Nice-to-have“ als eine Notwendigkeit. Durch die Smartphones kommt neuer Wind in die Forschung, weil verschmierte Bildschirme ein echtes Ärgernis sind. Trotzdem fehlt es derzeit noch an Projekten auf dem Gebiet“, so Vergöhl.

Ansprechpartner für Medien

Markus Keßler pressetext.redaktion

Weitere Informationen:

http://www.ist.fraunhofer.de

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