Erhöhung der mikrobiologischen Sicherheit in der europäischen Lederindustrie

Im Rahmen des MICROSTAT-Projekts wurden vier mikrobielle Kontrollverfahren bewertet mit dem Ziel, durch Fäulnis verursachte Schäden am Rohstoff der Lederindustrie zu verhindern.


Herkömmliche Methoden zur Konservierung des Rohstoffes basieren zu einem Großteil auf der Nutzung von Salz, was wiederum negative Auswirkungen in wasserarmen Ländern oder in Gebieten mit entsprechenden Beschränkungen haben kann. Auf der Suche nach alternativen Verfahren für die Kontrolle und den Nachweis von Mikroben richtete sich das MICROSTAT-Projekt auf die Eindämmung der Nutzung von Salz als Konservierungsmittel sowie der damit verbundenen Abhängigkeit von diesem Stoff. Dies könnte positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, da die Abwässer der Gerbereien dann weniger mit Salz belastet werden.

Um dieses Projektziel zu erreichen, wurden vier mikrobielle Kontrollverfahren bewertet. Dazu gehörten Trisodiumphospat (TSP), Nisin, Kühlungsprozesse sowie Borsäure. Diese wurden bereits in anderen Industriesektoren, besonders aber im Lebensmittelbereich, verwendet, um Mikroorganismen abzubauen, die Schäden an Rohstoffen anrichten können. Die Verfahren wurden sowohl einzeln als auch in Kombination mit Salz bewertet, um die Eignung jedes Verfahrens als alternative Konservierungsmethode gegenüber Salz einschätzen zu können.

Beim Einsatz von TSP zeigte sich in Kombination mit einer Salznutzung von 10% oder 20%, dass die Zahl der Bakterien beachtlich zurückging, allerdings ist die Nutzung noch immer sehr teuer. Eine Behandlung mit Borsäure kam ebenfalls nicht in Frage, da die Anzahl der Bakterien, die Collagenase produzieren, nicht wie gewünscht reduziert werden konnte. Bei der Anwendung von Kühlprozessen zeigte sich eine Verzögerung im Anstieg der Bakterienzahlen. Durch eine Kühlung bei 4°C beispielsweise wird die Zeit vor der Bakterienentstehung auf über einen Tag ausgedehnt.

Die Behandlung mit Nisin jedoch erwies sich als sehr effektives Verfahren zur Verringerung der Bakterienzahlen, besonders was Pseudomonas-Bakterien betrifft. Bei Kombination mit Salz bietet diese Methode einen ähnlich hohen und sogar noch besseren Schutz vor Bakterien als die alleinige Anwendung von Salz. Es besteht Interesse an einem Lizenzabkommen mit einem Hersteller von Nisin, der die Anwendung bei Schlachthöfen und Lederunternehmen vermarkten kann. Ebenso wird die weitere Forschung und Entwicklung mit einem F&E-Institut angestrebt, um weitere mögliche Bakteriozine auf ihre Wirksamkeit hin zu bewerten.

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Karl Hartung ctm

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