Zwischen Arbeit und Familie: UDE-Studie

Mit einem Unterschied von knapp 8 Stunden nimmt Deutschland einen der Spitzenplätze in Europa ein, nur in den Niederlanden, Großbritannien und Irland ist das Ausmaß der Arbeitszeitunterschiede noch höher. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE9.

„Zwar sind immer mehr Frauen erwerbstätig, aber zu immer kürzeren Arbeitszeiten“, stellt die IAQ-Forscherin Dr. Angelika Kümmerling fest. Anhand von Daten aus dem 5. European Working Conditions Survey hat sie mit Kollegen die Arbeitszeiten, Arbeitszeitwünsche und Work-life Balance der Europäer im Lebensverlauf untersucht. Arbeit wird innerhalb der Gruppe der Frauen umverteilt – auf Kosten zunehmender Ungleichheit. Kümmerling: „Teilzeitarbeit hat vielen Frauen die Berufstätigkeit erst ermöglicht, wird aber dann zur Falle: sie kappt Karrieremöglichkeiten ebenso wie Verdienstchancen im Lebensverlauf – bis hin zum Risiko der Altersarmut!“

Zudem deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass Teilzeitarbeit für Frauen in vielen Fällen keine zeitlich begrenzte Station ist, sondern langfristige Auswirkungen hat. „Ist die Arbeitszeit einmal reduziert, bleibt sie es sehr wahrscheinlich auch“. Fördermaßnahmen, die darauf abzielen, Frauen erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, greifen zu kurz, wenn sie nicht auch das Arbeitsvolumen berücksichtigen.

„Erweiterte Minijobs und das geplante Betreuungsgeld wirken genau entgegengesetzt“, kritisiert sie. Ganztägige KiTa-Plätze, die berufstätigen Eltern helfen können, Beruf und Hausarbeit besser zu vereinbaren, sind eine wichtige Maßnahme. Sie werden in Deutschland aber bis zum nächsten Jahr nicht wie vorgesehen ausreichend ausgebaut werden können.

In allen Ländern der EU scheint Familienarbeit nach wie vor Frauenarbeit. Vor allem für die Arbeitszeiten von Frauen in Deutschland haben Kinder einen nachhaltigen und negativen Einfluss. In Deutschland arbeiten Frauen mit kleinen Kindern rund 12 Stunden weniger als ihre männlichen Kollegen in der gleichen Situation; zum Vergleich: die Differenz in der EU-27 beträgt „nur“ 7,1 Stunden. Im Durchschnitt verbringen Mütter in der Woche 37,5 Stunden mit Hausarbeit und Kinderbetreuung, Männer im Mittel 15,2 Stunden. Addiert man hierzu die mit Erwerbsarbeit verbrachte Zeit, so arbeiten Männer mit Kindern unter 7 Jahren im Durchschnitt 56,5 Stunden, Frauen 66,6 Stunden.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Work-life balance in dieser Gruppe europaweit am niedrigsten ausgeprägt ist, meint Kümmerling. Allerdings lässt sie sich durch eine geeignete Arbeitszeitorganisation beeinflussen, dabei wirken autonom wählbare Arbeitszeiten ebenso günstig wie Vorhersehbarkeit, Regelmäßigkeit, ein unbefristeter Arbeitsvertrag oder hohes Qualifikationsniveau. Negativ wirken sich atypische Arbeitszeiten am Wochenende, Schicht- und Nachtarbeit aus.

Weitere Informationen:

Dr. Angelika Kümmerling,
Tel. 0203/379-1825, angelika.kuemmerling@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko,
Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Media Contact

Beate Kostka idw

Weitere Informationen:

http://www.iaq.uni-due.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen

Hier bietet Ihnen der innovations report interessante Studien und Analysen u. a. aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Medizin und Pharma, Ökologie und Umwelt, Energie, Kommunikation und Medien, Verkehr, Arbeit, Familie und Freizeit.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Ozon und Jetstream: Eine komplexe Beziehung

Aufwendigere Modelle haben bei der Darstellung atmosphärischer Veränderungen die Nase vorn. Ozon in der Stratosphäre schützt nicht nur das Leben auf der Erde vor gefährlicher UV-Strahlung. Es kann auch die…

Biobasierte Autokarosserie für die Straßenzulassung rückt in greifbare Nähe

Biowerkstoffe sind ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung der Nationalen Bioökonomiestrategie Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert seit Oktober die Entwicklung einer Auto-Karosserie mit einem hohen Anteil nachwachsender…

Mikroschwimmer bewegen sich wie die Motten zum Licht

Die Freigeist-Nachwuchswissenschaftlergruppe der TU Dresden unter Leitung von Chemikerin Dr. Juliane Simmchen hat erstmals ein beeindruckendes Verhalten von synthetischen Mikroschwimmern untersucht: sobald die photokatalytischen Partikel eine beleuchtete Zone verlassen, drehen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close