Trennungen: Studie zeigt, dass erst ein neuer Partner die Wunde heilt

Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Universität Bonn in einer aktuellen Studie. Ihre Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift „Personal Relationships“, sind aber bereits online abrufbar (doi: 10.1111/j.1475-6811.2010.01308.x).

Die Bonner Forscher nutzten einen Trick, um den insgesamt 144 Teilnehmern ihrer Studie ins Herz zu schauen. Zum Auftakt fragten sie ihre Probanden nach fünf besonders charakteristischen Merkmalen ihrer Ex-Partner – also etwa Vorname, Lieblingsmusik, Haarfarbe oder Hobby.

Dann führten die Versuchspersonen ein einfaches Computerexperiment durch: Zunächst erschien auf dem Bildschirm nach dem Zufallsprinzip entweder eines dieser fünf Merkmale oder aber eine Eigenschaft, die mit der oder dem Ex nichts zu tun hatte. Direkt danach zeigte der Monitor ein chinesisches Schriftzeichen. Die Probanden sollten nun per Tastendruck angeben, ob sie dieses Zeichen „angenehm“ oder „unangenehm“ fanden. Dieses Vorgehen wurde 60 Mal wiederholt.

„Bei Versuchen wie diesem projizieren die Teilnehmer ihre Emotionen auf das Schriftzeichen“, erklärt der Bonner Psychologe Robert Imhoff. „Genauer: Sie bewerten das Zeichen umso angenehmer, je positiver ihre Assoziation bei dem zuvor gezeigten Begriff war. Wir sprechen auch von einer Fehlzuordnung von Emotionen.“

Ein Beispiel: Hans wurde vor sechs Monaten von Britta verlassen. Im Experiment erscheint nun hin und wieder für eine knappe Zehntel Sekunde der Name „Britta“ auf dem Monitor. Immer, wenn das passiert, bewertet Hans das im Anschluss gezeigte Schriftzeichen positiver. Er verrät damit, dass er immer noch an Britta hängt. Diese Fehlzuordnung erfolgt automatisch, also weitgehend ohne bewusste Kontrolle. Das geht so weit, dass der Teilnehmer etwas über sich erfahren kann, was er selbst gar nicht ahnte.

Erst wer sich vom Partner gelöst hat, kann positiv über ihn reden

Die Forscher konnten so testen, was ihre Probanden implizit von ihren Ex-Partnern halten. Zusätzlich befragten sie die Teilnehmer explizit nach den Charaktereigenschaften ihrer Verflossenen – also etwa: „Mein Ex-Partner hatte viele positive Wesenszüge“ oder „Mein Ex-Partner ist egoistisch“. Außerdem sollten die Versuchsteilnehmer angeben, wie sehr sie mit ihrer augenblicklichen Lebenssituation zufrieden seien.

Ergebnis: Je positiver die implizite Einstellung zum ehemaligen Partner, desto unzufriedener waren die Teilnehmer mit ihrem Leben. Überspitzt gesagt: Wer an seinem oder seiner Ex hängt, ist unglücklicher. Das klingt zunächst wenig überraschend. „Erstaunlicherweise ist es mit den expliziten Meinungen aber genau andersherum“, betont der Leiter der Bonner Sozial- und Rechtspsychologie Prof. Dr. Rainer Banse: „Wer sich positiv über den Expartner äußert, ist tendenziell zufriedener.“

In gewisser Weise deckt sich auch dieser Befund mit unseren Alltags-Erfahrungen: Oft schimpft gerade der am lautesten über seinen Ex-Partner, der innerlich noch am meisten an ihm hängt. Gut über den Verflossenen oder die Ex zu reden, ist dagegen ein Zeichen der Souveränität. Und die besitzt man erst, wenn man wirklich mit der zerbrochenen Beziehung abgeschlossen hat.

Für diese Interpretation spricht noch eine andere Beobachtung: Die Ergebnisse treffen nämlich nur für Singles zu. Sobald ein neuer Partner ins Leben tritt, verliert die alte Beziehung an Bedeutung. Überrascht waren die Forscher dagegen von einem weiteren Ergebnis: Demnach gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Zeit seit der Trennung und der Lebenszufriedenheit. „Unsere Studie zeigt, dass man sehr lange unter einer Trennung leiden kann“, betont Roland Imhoff. „Oft scheint erst mit einer neuen Beziehung auch eine Neubewertung des Expartners einher zu gehen, der damit an Einfluss auf das Lebensglück verliert.“

Kontakt:
Roland Imhoff
Lehrstuhl für Sozial- & Rechtspsychologie
Institut für Psychologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4190
E-Mail: rimhoff@uni-bonn.de

Media Contact

Frank Luerweg Uni Bonn

Weitere Informationen:

http://www.uni-bonn.de

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