"Harte Kerle": Machos sind sozialer als gedacht

Machos gelten oft als unkooperativ, gefühlskalt, aggressiv oder sogar unehrlich. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung der University St. Andrews in Schottland beweist nun genau das Gegenteil.

Demnach haben Männer mit ausgesprochen maskulinem Erscheinungsbild wie einem breiten Kinn eine weitaus sozialere Ader als bislang angenommen und sind in Gefahrensituation die Ersten, wenn es darum geht, sich selbst zum Wohle der Gruppe zu opfern. Dies gilt allerdings nur, wenn sie sich im Wettstreit mit anderen befinden.

Gute Beschützer
„Dominant aussehende Männer – typischerweise charakterisiert durch breite Gesichter – werden oft als knochenharte Kerle dargestellt. Wir haben uns aber gefragt, ob sich das Verhältnis zwischen Gesichtsbreite und Persönlichkeit wirklich derart einfach beschreiben lässt“, erklären die beiden Studienleiter Michael Stirrat und David Perrett. Das Ergebnis ihrer Forschung: „Besonders maskulin wirkende Männer können zwar in manchen Situationen ein eher anti-soziales Verhalten wie physische Aggression an den Tag legen. Wenn es darum geht, die eigene Gruppe zu schützen, sind sie aber als erstes bereit, sich zu opfern“, so die Autoren.
Testosteron als Faktor
„Diese Studienresultate passen doch sehr gut ins Bild“, meint der Sexualmediziner Georg Pfau http://www.sexualmedizin-linz.at im pressetext-Interview. Ausschlaggebender Faktor in diesem Zusammenhang sei der Testosteronwert. „Je höher der Testosteronspiegel eines Mannes ist, desto deutlicher ausgeprägt sind maskuline Verhaltensmuster, zu denen auch physische Aggressivität oder eine besondere Extrovertiertheit zählen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Betroffene aktiv auf Probleme zugeht und dabei auch nicht vor eine Auseinandersetzung zurückscheut. Hierzu gehört auch die Verteidigung der eigenen Gruppe“, führt Pfau aus.

Dem Experten zufolge ist es in diesem Kontext allerdings notwendig, genauer auf den Aspekt der Gewaltbereitschaft einzugehen. „Man kann zwar allgemein sagen, dass Testosteron die Gewaltbereitschaft fördert. Es gibt hier aber starke Abstufungen. Die Gewaltbereitschaft, die zum Schutz der eigenen Gruppe notwendig ist, ist nicht mit unmotivierter physischer Aggressivität zu verwechseln. Letztere ist ein klar psychologisches Problem“, erläutert der Sexualmediziner.

Rivalität entscheidet
Um zu ihren Ergebnissen zu kommen, haben die britischen Wissenschaftler im Rahmen eines Gruppenspiels Geld an Studenten verteilt. Diese konnten dann in verschiedenen Testsituationen entscheiden, ob sie das erhaltene Guthaben für das eigene oder das Wohl der Gruppe riskieren wollten. Der Hälfte wurde gesagt, dass die Resultate des Spiels mit denen einer anderen rivalisierenden Universität verglichen werden würden. „Sobald wir die Rivalität ins Spiel gebracht haben, waren jene Teilnehmer mit breiteren Gesichtern deutlich kooperativer als die anderen Männer“, berichten die Studienleiter in der Zeitschrift „Psychological Science“.

Ansprechpartner für Medien

Markus Steiner pressetext.redaktion

Weitere Informationen:

http://www.st-andrews.ac.uk

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