Placebo-Effekt könnte genetisch bedingt sein

Die Gene könnten laut einer Studie des Beth Israel Deaconess Medical Center dafür verantwortlich sein, dass manche Menschen auf Behandlungsansätze ansprechen, bei denen keine aktiven Wirkstoffe zum Einsatz kommen.

Der sogenannte Placebo-Effekt wurde bei 104 Patienten mit Reizdarmsyndrom untersucht. Das Ergebnis: Teilnehmer mit einer bestimmten Version des Gens COMT fühlten sich nach einer Placebo-Akupunktur besser. Das Team um Kathryn Hall betont jedoch, dass die Anwendbarkeit dieser Forschungsergebnisse auf andere Krankheiten erst untersucht werden muss.

Drei Gruppen untersucht

Experten wie Edzard Ernst von der University of Exeter http://exeter.ac.uk gehen angesicht der aktuellen Ergebnisse davon aus, dass die uralte Frage beantwortet sein könnte, warum manche Menschen auf Placebos ansprechen und andere nicht. Der Placebo-Effekt tritt dann ein, wenn ein Patient eine Verbesserung seines Zustandes verspürt, obwohl er zum Beispiel nur eine Tablette mit Zucker eingenommen oder im konkreten Fall eine Placebo-Akupunktur vorgenommen wurde, bei der die Nadeln gar nicht in den Körper gelangen.

Zwei Gruppen der Teilnehmer wurden mit diesem Ansatz behandelt. Eine Gruppe in einem kühl und hoch professionell wirkenden Umfeld, die andere durch eine sympathische und mitfühlende Person. Eine dritte nach dem Zufallsprinzip zusammengestellte Gruppe erhielt keine Behandlung. Nach drei Wochen wurden die Teilnehmer gefragt, ob sich ihr Zustand verbessert habe. Auch wurden Blutproben entnommen, um zu überprüfen, über welche Variante des Gens COMT jeder Einzelne verfügte. Dieses Gen spielt beim Dopamin-Signalweg eine Rolle.

Laut Hall gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass der Neurotransmitter Dopamin aktiviert wird, wenn Menschen ein Placebo erwarten oder darauf reagieren. Es zeigte sich, dass die Teilnehmer bei einer bestimmten COMT-Variante mit der dreifachen Dopaminmenge im vorderen Bereich des Gehirns ohne Behandlung keine Verbesserung verspürten. Auf die Placebo-Behandlung sprachen sie jedoch sehr wohl an. Laut Studienautor Ted Kaptchuk bestand das Ziel darin, die verschiedenen Dosierungen eines Placebos zu untersuchen.

Serotonin könnte auch beteiligt sein

„Bei Menschen mit dieser bestimmten genetischen Signatur wirkte ein Placebo. Die Wirkung verstärkte sich aber in einer angenehmen Umgebung“, so Kaptchuk. Damit würden auch die Vorteile eines positiven Verhältnisses zwischen Arzt und Patient nochmals deutlich sichtbar. Fabrizio Benedetti von der Universita di Torino http://www.unito.it gab gibt zu bedenken, dass nicht nur das Dopamin beim Placebo-Effekt eine Rolle spielen dürfte.

Frühere Studien mit Patienten, die unter einer sozialen Angststörung litten, zeigten, dass das Serotonin bei der Reaktion auf Placebos eine Rolle spielte und nicht Dopamin. Das weise darauf hin, dass es keine einzeln festlegbare Reaktion auf Placebos gebe, sondern vielmehr eine Vielzahl von verschiedenen Mechanismen. Details der Studie wurden in PLoS ONE http://plosone.org veröffentlicht.

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Michaela Monschein pressetext.redaktion

Weitere Informationen:

http://www.bidmc.org

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