Neuer Cholesterinsenker getestet – Klinische Studie zu PCSK9-Hemmer abgeschlossen

Ein Wirkstoff (Evolocumab) wurde im Rahmen einer klinischen Studie getestet. Die Studienergebnisse wurden jetzt im renommierten Wissenschaftsjournal „The Lancet“ veröffentlicht. Eine Mitautorin ist Prof. Dr. Ioanna Gouni-Berthold vom Zentrum für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (ZEDP) der Uniklinik Köln.

In der Studie wurden 300 Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie untersucht, die bereits mit herkömmlichen Cholesterinsenkern (Statinen) behandelt wurden. Trotz dieserVorbehandlung war ihre mittlere LDL-Cholesterinkonzentration zu Beginn der Studie noch deutlich erhöht.

LDL – das Low Density Lipoprotein – wird gemeinhin als das „schlechte“ Cholesterin bezeichnet. Studien zeigen immer wieder einen Zusammenhang zwischen erhöhtem LDL-Cholesterin im Blut und der Entstehung von Arteriosklerose oder koronaren Herzkrankheiten.

Prof. Gouni-Berthold zu den Ergebnissen: „Die Behandlung mit dem PCSK9-Antikörper führte zu einer weiteren etwa 60-prozentigen Reduktion des LDL-Cholesterins über die Statinwirkung hinaus. Hinsichtlich der Sicherheit und Verträglichkeit haben wir beobachtet, dass sich die behandlungsassoziierten Nebenwirkungen nicht signifikant von denen in der Placebogruppe unterschieden haben.“

Die entscheidende Wirkung des PCSK9-Hemmers ist der Zerstörung des LDL-Rezeptors in der Leber. Der LDL-Rezeptor bindet das zirkulierende LDL-Cholesterin im Blut, der Komplex geht in die Leberzelle hinein und löst sich dort auf. Der LDL-Rezeptor findet seinen Weg zurück zur Zelloberfläche, um weiteres LDL-Cholesterin zu binden und aus dem Blut zu entfernen. So wird das LDL-Cholesterin abgebaut.

Dieser Vorgang wiederholt sich alle zehn Minuten und wird unterbunden, wenn die Konzentration des PCSK9 hoch ist, da PCSK9 an den Rezeptor bindet und ihn einem Abbau in der Leberzelle zuführt. Da der LDL-Rezeptor für die Entfernung des LDL-Cholesterins aus der Blutzirkulation verantwortlich ist, führt ein Mangel an LDL-Rezeptoren zu erhöhten LDL-Cholesterinkonzentrationen und langfristig zu Atherosklerose und damit zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko. Diese Entdeckungen haben zur Entwicklung von Methoden geführt, welche die Funktion des PCSK9 hemmen. Die am weitesten entwickelte Methode ist die Verwendung von monoklonalen Antikörpern gegen PCSK9.

Diese neuen Arzneimittel, die alle zwei Wochen oder monatlich subkutan gespritzt werden müssen, binden an PCSK9. Sie reduzieren so seine Konzentration und Funktion und erhöhen die Lebensdauer des LDL-Rezeptors und verringern so die Konzentration von LDL-Cholesterin im Blut.

Prof. Dr. Wilhelm Krone, Medizinische Leitung des Zentrums für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin (ZEDP) der Uniklinik Köln teilt die Zuversicht: „Die Absenkung des LDL-Cholesterins durch Statine hat klar bewiesen, dass die Sterblichkeit sowie Herzinfarkt- und Schlaganfallrate gesenkt wird.

Dennoch können vielePatienten, insbesondere diejenigen mit einem hohen kardiovaskulären Risiko, mit einer schweren Hypercholesterinämie oder mit einer Statinintoleranz häufig nicht die optimalen LDL-Zielwerte erreichen. Diese neue Klasse von Arzneimitteln scheint sehr vielversprechend für die Behandlung dieser Patientengruppen zu sein. Zusammenfassend sehe ich dieses neue Therapieprinzip als einen Durchbruch für die Behandlung der Hypercholesterinämie.“

Wie Prof. Gouni-Berthold jedoch betont, liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Studien mit PCSK9-Antikörpern vor, die eine Senkung der Sterblichkeit und der kardiovaskulären Ereignisrate belegen – sogenannte Endpunktstudien. „An einer solchen Studie sind wir auch beteiligt – sie läuft aktuell. Die Ergebnisse hieraus werden wir aber frühestens in 2018 präsentieren können“, so die Wissenschaftlerin.

Originalarbeit:
PCSK9 inhibitionwithevolocumab (AMG 145) in heterozygous familial hypercholesterolaemia (RUTHERFORD-2): a randomised, double-blind, placebo-controlledtrial, Prof Frederick J RaalPhD,Prof Evan A Stein PhD,RobertDufourMD,Traci Turner MD,FernandoCiveiraMD,Prof Lesley Burgess MB,GisleLangsletMD,Prof Russell Scott MD,Prof Anders G Olsson MD,David Sullivan MD,G Kees HovinghMD,BertrandCariouMD,IoannaGouni-Berthold MD,RansiSomaratneMD,Ian Bridges MSc,Rob Scott MD,Scott M Wasserman MD,Prof Daniel GaudetMD,forthe RUTHERFORD-2 Investigators, The Lancet – 2 October 2014, DOI: 10.1016/S0140-6736(14)61399-4

Für Rückfragen:
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
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