Mensch war bis 1800 kein Klimaerwärmer

Der Mensch ist nicht schuld daran, dass der Anteil von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre in den vergangenen acht Jahrtausenden so stark gestiegen ist – zumindest bis zum Beginn der industriellen Revolution vor 200 Jahren.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in der Zeitschrift Geophysical Letters. Das Ergebnis ihrer Analysen widerspricht manchen Aussagen, demnach der Mensch schon seit Jahrtausenden das Klima beeinflusst und dadurch vielleicht sogar das Einsetzen der nächsten Eiszeit verhindert hat (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090818003/ ).

Moore und Korallen als Maßstäbe

Beobachtet man die Temperaturentwicklung auf extrem lange Sicht, kühlt die Erde seit 65 Mio. Jahren ständig ab und zwar insgesamt um fünf bis zehn Grad. Seit einer Mio. Jahren steht dieser Prozess still. Dennoch haben sich die Gletscher in dieser Zeit weltweit stärker ausgebreitet und alle 100.000 Jahre eine derartige Größe erreicht, dass sie instabil wurden, sich zu den Polen und in die höchsten Berge zurückzogen und dadurch eine Warmzeit auslösten, deren geologische Prozesse den CO2-Anteil der Atmosphäre erhöhten. Derzeit befinden wir uns in einer Warmperiode, und erstmals scheint der Gletscherrückzug eher Folge statt Mitursache der höheren CO2-Konzentration zu sein.

Der Grund für die Regelmäßigkeit von Beginn und Ende der Warmzeiten ist noch nicht vollständig geklärt. Simulationen der Hamburger Forscher lassen jedoch darauf schließen, dass zumindest bis vor 200 Jahren nicht der Mensch daran schuld war, dass die nächste Eiszeit noch nicht begonnen hat. Dazu zogen sie Daten aus Korallenriffen und Mooren heran, die beide in Warmzeiten wachsen. Während Korallen durch ihre Fähigkeit, Kalzium zu binden, die Ozeane bei der CO2-Aufnahme behindern, binden Moore das Treibhausgas und führen damit zu dessen Absenkung in der Atmosphäre.

Seit 1800 gelten andere Gesetze

Der Koralleneffekt war laut Modell stärker als derjenige der Moore. „Der CO2-Gehalt der Atmosphäre stieg in den 8.000 Jahren vor der Industrialisierung in Summe um sieben Prozent“, berichtet Studienleiter Victor Brovkin. Die beobachtete Zunahme um 20 ppm (parts per million) stimme mit bisherigen Analysen von Antarktis-Eisbohrkernen überein. Es sei somit unwahrscheinlich, dass der Mensch die nächste Eiszeit bereits verhindert hat.

Möglich sei jedoch, dass dieser Effekt in den vergangenen 200 Jahren eingetreten sei. Denn die Forscher sind davon überzeugt, dass der menschliche CO2-Ausstoß seit der Industrialisierung um 1800 sehr wohl den aktuell beobachtbaren Klimawandel ausgelöst und gefördert hat. Um mehr als 100 ppm – somit um 40 Prozent – sei in diesem Zeitraum die CO2-Konzentration durch menschliches Einwirken gestiegen. Da dies weit jenseits natürlich erreichbarer Werte liege, müsse man mit katastrophalen Folgen durchaus rechnen.

Erklärung ist noch lückenhaft

Keine Erklärung gelang dem Modell allerdings für den Umstand, dass der schwere Kohlenstoff in der Atmosphäre im beobachteten Zeitraum abgenommen hat. Die Simulationen der Forscher, welchen Anteil das Kohlenstoff-Isotop 13C an der gesamten Kohlenstoffmenge habe, war vom gegenteiligen Ergebnis ausgegangen. „Das könnte durchaus an den Waldrodungen des Menschen über Jahrtausende hinweg liegen“, schätzt Brovkin. Im Modell sei dies noch nicht berücksichtigt, da bei diesen Prozessen nur wenig CO2 freigesetzt worden sei. Es habe jedoch genügt, um die Anteile von leichtem und schwerem Kohlendioxid in der Atmosphäre zu verändern.

Details zur Forschung unter http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/

2010/pressemitteilung20100126/genPDF.pdf

Ansprechpartner für Medien

Johannes Pernsteiner pressetext.deutschland

Weitere Informationen:

http://www.mpimet.mpg.de

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