Lebensläufe unter der Lupe – DFG fördert Langzeitstudie

All diesen Fragen gehen Wissenschaftler in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertem Langzeitprojekt an den Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Köln nach. „Vor dem Lebensabend – eine dritte Wiederbefragung zu Lebenserfolg und Erfolgsdeutung ehemaliger 16-jähriger Gymnasiasten im 56. Lebensjahr“ lautet der vollständige Titel. Die Studie soll bisher einzigartige Daten zu deutschen Lebensläufen liefern.

Dr. Klaus Birkelbach von der Fakultät für Bildungswissen der UDE führt das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Heiner Meulemann, Direktor des Forschungsinstituts für Soziologie der Universität zu Köln, ihm Rahmen einer Längsschnittstudie durch: Im Jahr 1969 begann diese mit einer schriftlichen klassenweisen Befragung von 3240 nordrhein-westfälischen Gymnasiasten des 10. Schuljahres über ihre soziale Herkunft und ihre schulischen Pläne. Zu dieser Primärerhebung wurde zwischen September 1984 und Juni 1985 eine erste Wiederbefragung (1987 Befragte) durchgeführt, in der die nunmehr 30-Jährigen über ihren beruflichen und privaten Werdegang, also über den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen befragt wurden.

Zwischen Dezember 1996 und Juli 1997 gab es eine zweite Wiederbefragung (1596 Personen) zu den weiteren Lebensverläufen der jetzt 43-Jährigen. „Zentrales Thema beider Wiederbefragungen waren der Lebenserfolg in Beruf und Familie und die Erfolgsdeutung. Im 30. Lebensjahr stand dabei die Identitätsfindung, im 43. Lebensjahr dann stärker die Identitätswahrung im Vordergrund“, sagt Klaus Birkelbach.

Im Rahmen der nun gestarteten dritten Wiederbefragung nach 40 Jahren soll retrospektiv der berufliche und private Lebenserfolg sowie die Erfolgsdeutung und die Weltanschauung der inzwischen Mittfünfziger erhoben werden. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob die Befragten Pläne realisieren konnten, wie große ihre Lebenszufriedenheit in Sachen Partnerschaft und Beruf ist, mit welchen Bewältigungsstrategien sie Erfolge und Misserfolge verarbeitet haben. „Hat jemand beispielsweise krampfhaft auf einem einmal gesetzten Ziel beharrt, oder passte er seine Ziele flexibel an den Lauf der Dinge an“, sagt Birkelbach. „Auch werden wir nach Entscheidungen fragen, die man lieber anders getroffen hätte, und nach Ereignissen, die das Leben verändert haben.“

Die rückblickende Erhebung ist außerdem mit einer vorausschauenden Altersstudie gekoppelt. „Uns interessiert, wie sich Menschen, die sich in der späten, aber dennoch aktiven und engagierten Lebensmitte befinden, auf den anstehenden Ruhestand vorbereiten“, erklärt Prof. Heiner Meulemann. „Wenn man sich aus dem Beruf zurückgezogen hat und die Kinder das Haus verlassen haben, dann hat man statistisch noch zwei Lebensjahrzehnte vor sich. So gesehen kann man das Alter als eine zweite Jugend betrachten, in der neue Aufgaben für diesen Lebensabschnitt gefunden werden müssen.“ Ob die Studienteilnehmer ihre Pläne wirklich umgesetzt haben werden, wird eine neuerliche Befragung in 10 bis 12 Jahren klären.

Die Wissenschaftler versprechen sich von den für Deutschland einmaligen Erhebungen einen Überblick über die Lebensläufe eines Geburtsjahrgangs, angefangen von der Schulzeit bis ins mittlere und späte Erwachsenenalter. Die Daten erlauben eine Vielzahl von Untersuchungen, bei denen spätere Ereignisse, Ziele und Erwartungen aus den Startbedingungen und den Verlaufsumständen des Lebenswegs verstanden und erklärt werden können.

Die DFG fördert das Projekt in Duisburg-Essen und Köln über zweieinhalb Jahre mit zwei vollen Wissenschaftlerstellen, studentischen Hilfskräften und Sachmitteln in Höhe von 64.000 Euro. Neben Kooperationen mit namhaften deutschen Wissenschaftlern ist ein regelmäßiger Austausch mit Soziologen im Ausland wie Karl Ulrich Mayer (Yale University) sowie Martin Kohli (European-University Institute Fiesole/Florence) vorgesehen.

Weitere Informationen: Dr. Klaus Birkelbach, Tel. 0201/183-4506, klaus.birkelbach@uni-due.de

Prof. Dr. Heiner Meulemann, Tel. 0221/470-5658, meulemann@wiso.uni-koeln.de

Redaktion: Isabelle De Bortoli, Tel. 0203/379-2430

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Ulrike Bohnsack idw

Weitere Informationen:

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