IZA-Studie zur Einheitssteuer: Kirchhof-Vorschlag begünstigt nur die obersten 10 Prozent

Nach Einschätzung der IZA-Experten würde Kirchhofs Reformkonzept das deutsche Einkommensteuerrecht zwar einfacher, aber nicht gerechter machen. Die Ökonomen haben analysiert, welche Wirkungen der erneuerte Vorschlag des ehemaligen Verfassungsrichters auf Arbeitsmarkt, Staatshaushalt und Einkommensungleichheit haben würde.

Wie schon im Vorfeld der Bundestagwahl 2005 plädiert Kirchhof für die Einführung eines niedrigen einheitlichen Grenzsteuersatzes von 25 Prozent. Außerdem sollen praktisch alle Absetzungsmöglichkeiten abgeschafft und so die Bemessungsgrundlage massiv verbreitert werden.

Die Wissenschaftler des IZA kommen zu dem Ergebnis, dass eine Umsetzung des Kirchhof-Vorschlags äußerst problematische Auswirkungen auf den Staatshaushalt und die Einkommensverteilung hätte. Bei moderaten Auswirkungen auf das Arbeitsangebotsverhalten führt der Vorschlag zu Einnahmeausfällen für die öffentlichen Haushalte im Umfang von rund 20 Milliarden Euro.

Die verbreiterte Bemessungsgrundlage kann weder die Mindereinnahmen durch den reduzierten Steuersatz kompensieren noch eine erhebliche Mehrbelastung der mittleren Einkommen verhindern. Stattdessen profitieren von einem niedrigen, einheitlichen Grenzsteuersatz ausschließlich die obersten zehn Prozent der Einkommensverteilung. Der Hauptgrund dafür: Der Vorschlag ignoriert die Wirkung der Sozialversicherungsbeiträge, deren durchschnittliche Belastung für höhere Einkommen abnimmt. Die Vereinfachung des Steuersystems nach dem Kirchhof-Modell wird somit durch eine zusätzliche Öffnung der Einkommensschere erkauft.

Die Studie ist über die IZA-Homepage kostenlos abrufbar:
Max Löffler, Andreas Peichl, Nico Pestel, Hilmar Schneider, Sebastian Siegloch: „Einfach ist nicht immer gerecht: Eine Mikrosimulationsstudie der Kirchhof-Reform für die Einkommensteuer“
IZA Standpunkte Nr. 44
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