Erste große Studie zu gesundheitswirtschaftlichen Methodiken in Deutschland ist gestartet

Wird unser Gesundheitssystem angesichts immer knapper werdender Ressourcen in Zukunft in der Lage sein, die Versorgung einer älter werdenden Bevölkerung zu finanzieren? Werden qualitative Weiterentwicklungen von Diagnose und Behandlungsverfahren zur Lösung des Problems beitragen oder eher noch mehr Kosten verursachen? Und: Kann die medizinische Versorgung wirtschaftlich effizienter strukturiert werden?

Unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Dr. Eckhard Nagel (Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften (IMG) der Universität Bayreuth/Foto) will sich die Studie CardioBBEAT diesen Problemen annehmen und einen Beitrag zur Sicherung und Weiterentwicklung der deutschen Gesundheitsversorgung leisten. Um Fragen zur Verbesserung unseres Gesundheitssystems und dessen Finanzierung untersuchen und beantworten zu können, sind gesundheitsökonomische Analysen, die sich profunder Methoden bedienen, unumgänglich. Die bisher existierenden Ansätze zur Bewertung gesundheitswirtschaftlicher Problemstellungen stammen oft aus dem angelsächsischen Raum und sind nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragbar

Bei dem CardioBBEAT-Projekt handelt es sich um eine der weltweit größten Untersuchungen zur Entwicklung eines neuen und einheitlichen Methodeninstrumentariums für gesundheitsökonomische Erhebungen.

Solch eine innovative Methodenentwicklung ist ohne solide Datengrundlage nicht möglich. Deshalb werden die für die Studie notwendigen Patientendaten an Hand von 1.000 chronisch herzkranken Patienten aus den Bundesländern Berlin und Brandenburg erhoben. Die Studiendauer beträgt für die teilnehmenden Patienten zwölf Monate (Datenerhebungsphase).

Es gibt mehrere Gründe für die Wahl dieser Erkrankung: Herzerkrankungen zählen zu den häufigsten, schwersten und kostenintensivsten Leiden in Deutschland. Die Zahl der Betroffenen wird weiter zunehmen und die Relevanz für die Gesellschaft damit an Bedeutung gewinnen. Die ausgewählten Studienteilnehmer werden per Zufall zu gleichen Teilen in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Hälfte der Patienten erhält dabei eine intensive medizinische Betreuung analog den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Die übrigen 500 Patienten werden in ihrem häuslichen Bereich zusätzlich unter Verwendung von Motiva® telemedizinisch versorgt.

Dies bedeutet im Detail, dass sie zu Hause über ihren Fernseher und das Telefon Hinweise, Informationen und Schulungen zu ihrer Erkrankung erhalten. Außerdem messen die Patienten täglich verschiedene Parameter ihres Gesundheitszustandes (Gewicht, Blutdruck, Puls), die dann automatisch an das jeweilige klinische Betreuungszentrum übermittelt werden. So erklärt sich auch der Name der Studie: Cardio steht für herzkranke Patienten; BB für die Einbeziehung von Patienten aus Berlin und Brandenburg; EAT (Economic Analysis of TeleHealth) für gesundheitswirtschaftliche Analyse am Beispiel von Telemedizin.

Ziel der Studie ist es, unter Beachtung von medizinischen sowie Kosten- und Nutzendaten neue gesundheitswirtschaftliche Methodiken zu entwickeln und diese für das deutsche Gesundheitssystem zu standardisieren. Es soll gewährleistet werden, dass die im Rahmen von CardioBBEAT entwickelten Verfahrensweisen auch für nachfolgende gesundheitsökonomische Analysen von anderen Diagnose- und Therapieverfahren in Deutschland nutzbar sind. Durch die beispielhafte Nutzung eines telemedizinischen Unterstützungssystems soll festgestellt werden, ob das deutsche Gesundheitssystem bei gleich bleibender oder verbesserter Behandlungsqualität hierdurch finanziell entlastet werden kann.

Die Organisatoren der Studie betonen dabei ausdrücklich, dass im Fokus der CardioBBEAT-Studie der Nachweis der Kosteneffektivität und nicht der Wirksamkeit von telemedizinischen Maßnahmen steht – die wurde bereits in anderen Studien belegt. So verspricht der Einsatz von Telemedizin einiges: eine Verbesserung der medizinischen Versorgung von chronisch kranken Patienten, eine optimierte Früherkennung bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes sowie folglich die Vermeidung von wiederholten stationären Aufenthalten. Weitere (Neben-)Effekte sind die Reduzierung von Arztbesuchen, die Steigerung der Lebensqualität chronisch Kranker sowie die Stärkung der Eigenverantwortung dieser Menschen.

CardioBBEAT ist die erste große Studie dieser Art in Deutschland und wird über einen Zeitraum von 38 Monaten (Gesamtstudiendauer) durchgeführt. Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung für Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und das Gesundheitswesen wird CardioBBEAT durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es beteiligen sich Partner aus unterschiedlichen Disziplinen an der Untersuchung: Kliniken (Deutsches Herzzentrum Berlin, Vivantes Klinikum Neukölln Berlin und die Rehabilitationseinrichtung Klinik am See in Rüdersdorf), Patienten sowie Haus- und Fachärzte aus den Bundesländern Berlin und Brandenburg, wissenschaftliche Institute und Universitäten (IMG der Universität Bayreuth, GWS GmbH Bayreuth, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie sowie Clinical Trial Center North des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf). Weiterhin involviert sind Krankenkassen (Barmer GEK, Techniker Krankenkasse, DAK) und Industriepartner (Philips Healthcare, die Deutsche Telekom-Tochter T-Systems).

Media Contact

Frank Schmälzle Universität Bayreuth

Weitere Informationen:

http://www.uni-bayreuth.de

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