Fatales Paar: Depressionen und Diabetes

Menschen mit Diabetes leiden etwa doppelt so häufig an Depressionen wie Gesunde: Rund ein Viertel der Patienten sind von depressiven Symptomen betroffen. Die Depression mindert nicht nur die Lebensqualität erheblich, sie verkürzt auch die Lebenserwartung, denn der Diabetes verläuft bei Depressiven ungünstiger, Spätfolgen wie Augen- und Nierenschäden treten häufiger auf.

In der groß angelegten Diabetes-Depressions-Studie (DAD-Studie) stellen Forscher unter Leitung der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Westfälischen Klinik Dortmund/Ruhr-Universität Bochum (Leiter: Prof. Dr. med. Stephan Herpertz, Leiter der DAD-Studie: PD Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. Frank Petrak) daher verschiedene Möglichkeiten der Behandlung von Depressionen bei Diabetikern auf die Probe.

Sie vergleichen eine bewährte medikamentöse Therapie mit einer speziell für Diabetespatienten angepassten Verhaltenstherapie. Interessierte Patienten, die seit mindestens einem Jahr an Diabetes leiden und Insulin spritzen müssen, können an der Studie noch teilnehmen. Informationen gibt es bei der Studienhotline unter 0231/450-32607 oder im Internet unter http://www.dadstudie.de.

Belastende Diagnose

Wer mit der Diagnose Diabetes konfrontiert wird, muss sich damit abfinden, für den Rest seines Lebens Medikamente einnehmen und seinen Alltag der Krankheit anpassen zu müssen. Die mit der Krankheit verbundenen Blutzuckerschwankungen beeinträchtigen auch die Stimmung und Leistungsfähigkeit – einige Gründe unter anderen, aus denen Diabetiker häufiger in Depressionen verfallen als andere Menschen. Und wenn trübe Grundstimmung, Antriebs- und Freudlosigkeit, Schlaf- und Appetitstörungen zusammenkommen, fällt es noch schwerer, regelmäßig den Blutzucker zu bestimmen und die Medikamente gemäß den Anordnungen des Arztes einzunehmen. Nicht zuletzt deswegen sind die Blutzuckerwerte von depressiven Diabetikern schlechter als die von psychisch gesunden. Auf Dauer verschlimmert die Depression den Verlauf des Diabetes. Durch die schlechte Blutzuckereinstellung entstehen Schäden an den Nerven, den Augen, den Nieren. Depressive Diabetiker sterben früher. Obwohl das Problem schon lange bekannt ist und eine sehr große Gruppe von Patienten betroffen ist, wurden bisher weder antidepressive medikamentöse noch psychotherapeutische Verfahren in dieser Patientengruppe ausreichend wissenschaftlich untersucht.

Behandlung in zwei Gruppen

Für die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie, die unter Bochumer Koordination in Zentren in Dortmund, Düsseldorf, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Bad Mergentheim und in 51 diabetologischen Schwerpunktpraxen und Ambulanzen durchgeführt wird, vergleichen die Forscher die Wirksamkeit der medikamentösen und der Verhaltenstherapie. Nach einer diagnostischen Untersuchung werden die Teilnehmer der Studie einer der beiden Gruppen zugeteilt und entsprechend durch das regionale Studienzentrum betreut. Nach 12 Wochen ermitteln die Wissenschaftler, ob der Patient von der jeweiligen Behandlung profitiert, und entscheiden dann über die Aufnahme in die Langzeitphase der Studie, die ein Jahr dauert. Die Behandlung des Diabetes obliegt weiterhin dem behandelnden Arzt. 15 Monate nach Therapiebeginn werden alle Teilnehmer zu einer abschließenden Untersuchung eingeladen. „Die Zielsetzung der DAD-Studie besteht darin, die Depressionen der Betroffenen zu verbessern oder zu heilen, die Belastungen durch den Diabetes zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern“, erklärt Dr. Petrak. „Schließlich soll die Blutzuckereinstellung deutlich und anhaltend verbessert werden, um langfristigen Schäden und frühzeitigem Tod vorzubeugen.“

Weitere Informationen

PD Dr. rer. soc. Dipl.-Psych. Frank Petrak, Westfälische Klinik Dortmund / Ruhr-Universität Bochum, c/o Schulberg 7-9, 65183 Wiesbaden, E-Mail: mail@dr-frank-petrak.de, http://www.dadstudie.de

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Dr. Josef König idw

Weitere Informationen:

http://www.dadstudie.de

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