Partnerschaft und Essstörung: Neue Studie zum Einfluss der partnerschaftlichen Kommunikation geplant

Psychologisches Institut ermittelt Zusammenhang von Essstörungen mit der Beziehungsqualität und Kommunikation von Paaren – Teilnehmer gesucht


Essstörungen wie Magersucht und Ess-Brechsucht galten zunächst als typische Störungen der Adoleszenz. Immer mehr zeigte sich jedoch, dass die Erkrankungen genauso bei erwachsenen Frauen auftreten können und tatsächlich scheint das Durchschnittsalter, zu dem die Störungen beginnen, zu steigen. Viele dieser vergleichsweise älteren Patientinnen sind verheiratet oder leben mit einem Partner zusammen. „Dies wirft die Frage auf, welchen Einfluss die Essstörung auf die Partnerschaft hat oder umgekehrt, inwiefern die Beziehung zu einem Partner den Verlauf einer solchen Störung beeinflusst“, sagt Dr. Tanja Legenbauer vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie untersucht in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie seit einigen Jahren die Zusammenhänge bei der Entstehung von Essstörungen und Möglichkeiten zu ihrer Überwindung. Für eine aktuelle Studie zur Frage, wie Partnerschaft und Essstörungen in Verbindung stehen, werden noch Paare als Teilnehmer gesucht.

Von Magersucht, auch als Anorexie bezeichnet, und Ess-Brechsucht bzw. Bulimie sind fast ausschließlich Frauen betroffen, die meisten davon sind unter 30 Jahre alt. Obwohl die Forschung seit fast drei Jahrzehnten auch den Beziehungsaspekt der Betroffenen im Auge hat, gibt es bislang nur wenige verlässliche Informationen über diese Patientengruppe und die Eigenschaften der jeweiligen Partnerschaftsbeziehung im Speziellen. Die wenigen Erhebungen deuten aber darauf hin, dass die Beziehungsqualität und die partnerschaftliche Kommunikation einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und den Therapieerfolg haben.

„Die Kommunikation zwischen Ehepartnern oder Lebenspartnern hängt stark mit ihrer Zufriedenheit in der Beziehung zusammen“, erläutert Legenbauer. So ist zum Beispiel bei beziehungsgestörten Paaren das Gespräch oft von negativen Äußerungen und negativen Rückmeldungen gekennzeichnet. Bei der Studie soll nun ermittelt werden, inwieweit sich Paare mit einer essgestörten Partnerin in ihrer Beziehungsqualität und in ihrer partnerschaftlichen Kommunikation von Paaren ohne Erkrankungen unterscheiden. Vermutet wird, dass Frauen mit Essstörungen und ihre Partner ihre Beziehung jeweils als weniger zufriedenstellend erleben im Vergleich zu Frauen, die nicht von Essstörungen betroffen sind, und ihren Männern. Außerdem wird angenommen, dass die beiden Gruppen einen unterschiedlichen Kommunikationsstil zeigen. Für die Studie am Psychologischen Institut werden noch Frauen mit Essstörungen gesucht, die bereit sind, gemeinsam mit ihrem Partner teilzunehmen. Die Studie beinhaltet die Beantwortung eines Fragebogens sowie eventuell die Teilnahme an einer Verhaltensbeobachtung. Bei Interesse wird für alle Paare, die an dieser Beobachtung teilgenommen haben, ein Informationsabend zum Thema Kommunikation angeboten.

Kontakt und Informationen:
Dr. Tanja Legenbauer
Psychologisches Institut
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-22442 oder 39-24621
Fax 06131 39-24623
E-Mail: ambulanz.psychotherapie@uni-mainz.de

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Petra Giegerich idw

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