Leistungsorientierte Vergütung im öffentlichen Dienst bringt kaum Motivationsanreize

Öffentliche Haushalte müssen nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung ab dem 1. Januar 2007 mit Mehrbelastungen rechnen


Die im neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) ab 1. Januar 2007 vorgesehene leistungsorientierte Vergütung wird nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung nicht wie vorgesehen kostenneutral umgesetzt werden können. Zudem dürfte sie nicht zu der beabsichtigten Motivationssteigerung der Beschäftigten führen. Dies ist das Ergebnis eines internationalen Vergleichs, in den die Vergütungssysteme von Großbritannien, Dänemark und Ungarn einbezogen wurden. Nach Auffassung der Bertelsmann Stiftung ist es erstaunlich, dass diese Problematik bei den aktuellen Tarifauseinandersetzungen keine Rolle spielt.

Der neue Tarifvertrag sieht ab dem kommenden Jahr die leistungsorientierte Vergü­tung von einem Prozent des Endgehaltes bei den Beschäftigten vor. Zudem soll die Umsetzung kostenneutral, also ohne zusätzliche Belastungen der ohnehin hoch ver­schuldeten Haushalte durchgeführt werden. Bei einer in Vollzeit beschäftigten Erzie­herin in einer Kindertagesstätte würde diese Leistungsvariable mit rund 300 € brutto im Jahr zu Buche schlagen.

Der internationale Vergleich der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass ein Leis­tungsbestandteil von lediglich einem Prozent des bestehenden Gehalts kaum ausreicht, um positive Motivationsanreize für die Mitarbeiter zu schaffen. Das Beispiel Großbritannien zeige, dass mindestens fünf Prozent der Vergütung leis­tungsorientiert bemessen sein sollten, um dieses Ziel zu erreichen. In Ungarn wür­den sogar bis zu 20 Prozent des Gehalts als Leistungszulage gezahlt. Selbst die in Deutschland mittelfristig angestrebte Obergrenze von vier Prozent würde weit hinter dem europäischen Standard zurückbleiben.

Die Studie zeigt auch, dass die Reform einer leistungsgerechten Vergütung in kei­nem der untersuchten Länder kostenneutral umgesetzt werden konnte. Für teilweise steigende Löhne und Gehälter sowie flankierende Schulungsmaßnahmen würden zusätzliche finanzielle Ressourcen benötigt.

Ohnehin könne eine leistungsorientierte Vergütung allein die Motivation der Mitar­beiter nur bedingt steigern. Notwendig sei ein umfassender Ansatz, der neben mo­netären vor allem immaterielle Anreize beinhalte. Dazu gehörten eine attraktive Ar­beitskultur, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie individuelle Entwicklungs­möglichkeiten.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Ge­sellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Oliver Haubner, Telefon: 0 52 41 / 81-81 119
E-Mail: Oliver.Haubner@bertelsmann.de

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Julia Schormann idw

Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de

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