UNIK-Studie zum Wohnen im Alter: Wohngemeinschaften beliebter als Pflegeheime

Wie will ich im Alter wohnen? Sind meine jetzigen vier Wände geeignet, sollte ich Hilfe bedürftig werden? Auf wen kann ich dann bauen? Diese und weitere Fragen haben sich 500 über 40-jährige Bürger aus Schauenburg (Landkreis Kassel) anlässlich der Studie „Älterwerden in Schauenburg“ gestellt. Durchgeführt wird die Untersuchung von Prof. Fred Karl und Dr. Kirsten Aner vom Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel. Nach der öffentlichen Zwischenbilanz der Studie im November ist sie jetzt größtenteils ausgewertet.

Die Ergebnisse bestätigen, was ein altes Sprichwort über alte Bäume und ihre Verpflanzung sagt: Am liebsten würden die meisten Befragten in der bisherigen Wohnung wohnen bleiben. Doch befürchten etwa insbesondere Frauen, dass sie Pflege bedürftig werden könnten. Dann, meint ein Drittel der Studienteilnehmer, müssten sie ihre Wohnung verlassen. Aber auch für relativ rüstige Senioren werden Haus und Garten bald zu groß und ohne Auto fallen ungenügende Nahver-kehrsanbindungen schwer ins Gewicht. Hilfe aus den altershomogenen Nachbarschaften ist unwahrscheinlich. Das betrifft insbesondere Bewohner von Einfamilienhäusern, die gebaut wurden, als ihre Kinder klein waren – oft in der Hoffnung auf einen Mehrgenerationenhaushalt im Alter. Doch die berufliche Mobilität ihrer Kinder machte diese Hoffnung zunichte. So haben von den über 60-Jährigen mit Nachkommen schon 15 Prozent keine Familienmitglieder im Umkreis von 100 Kilometern mehr. Daher und aus anderen Gründen versprechen sich nur knapp über die Hälfte der Befragten Hilfe im Alltag durch ihre Familie.

Wenn also ein Umzug unausweichlich wird, dann wohin? In ein Pflegeheim oder eine altenge-rechte Privatwohnung zu ziehen, erscheint kaum einem der Befragten (10 bzw. 12 Prozent) at- traktiv. Das derzeit unter Senioren populäre Betreute Wohnen kommt dagegen für ein Drittel der Studienteilnehmer in Frage. Überraschenderweise erwägen 38 Prozent aber auch für Senioren noch außergewöhnliche Wohnformen: Dazu gehört das organisierte Wohnen mit anderen Gene-rationen oder der Umzug in eine Wohngemeinschaft auch ohne Familienmitglieder: Ein Zeichen für das große Bedürfnis nach Gemeinsamkeit im Alter.

Angestoßen durch die UNIK-Studie haben Schauenburger inzwischen zwei Initiativgruppen ge-gründet, die Schauenburg für Senioren lebenswerter machen wollen. Die erste Gruppe entwickelt Ideen für neu zu schaffende „Orte der Begegnung“, an denen Generationen spontan miteinander ins Gespräch kommen können: Was früher der Treffpunkt Marktplatz war, könnte in Zeiten des motorisierten Einkaufs außerhalb der Stadt vielleicht ein ehrenamtlich organisiertes Café oder ein ehrenamtlicher Wochenmarkt werden. Die zweite Initiativgruppe „Wohnen und Pflege“ will sich um ein Modellprojekt „Mehrgenerationenhaus“ kümmern, Fahrgemeinschaften organisieren und Lücken in der Infrastruktur ausfindig machen.

Info
Universität Kassel
Prof. Dr. Fred Karl
Fachbereich Sozialwesen
tel (0561) 804 2928
fax (0561) 804 7930
e-mail fredkarl@uni-kassel.de

Dr. Kirsten Aner
Fachbereich Sozialwesen
tel (0561) 804 2922
fax (0561) 804 7930
e-mail aner@uni-kassel.de

Media Contact

Prof. Dr. Fred Karl Universität Kassel

Weitere Informationen:

http://www.uni-kassel.de

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