DFG fördert neun Klinische Studien

Sonderprogramm mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung

In einem 2003 erstmals ausgeschriebenen Sonderprogramm fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nun die ersten neun Klinischen Studien. Dies beschloss der Hauptausschuss der DFG in seiner Sitzung am 2. September 2005. Das Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es zielt darauf ab, die patientenorientierte klinische Forschung in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Damit soll das Know-how deutscher Universitätskliniken zur Planung und Durchführung Klinischer Studien auf internationales Niveau gehoben und breit etabliert werden.

Während die DFG in erster Linie Studien zu diagnostischen und nicht-pharmakologischen therapeutischen Verfahren fördert, wendet sich das BMBF, das acht weitere Klinische Studien fördert, besonders pharmakologischen Therapieverfahren zu. Für das Programm stellen DFG und BMBF bis 2008 zunächst jeweils fünf Millionen Euro jährlich bereit.

Die neun DFG-geförderten Klinischen Studien im Einzelnen:

Die Klinische Studie „Spiral CT Scanning for the Early Detection of Lung Cancer; Randomized Controlled Screening Trial of Multidetector Spiral CT Scanning in Germany“ am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ist Teil einer international angelegten Untersuchung in Europa. Sie zielt darauf ab, den Nutzen von jährlichen Vorsorgeuntersuchungen mittels Mehrschicht-Spiral-Computertomografie (MSCT) bei Patienten mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko besser beurteilen zu können. Pro Jahr erkranken in Deutschland über 42 000 Menschen an Lungenkrebs, vor allem Raucher.
(Bewilligungssumme: 651 911 Euro. Koordinator: Prof. Nikolaus Becker, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg)

Patienten mit Leberzirrhose neigen zu Gefäßerweiterungen wie etwa Krampfadern in der Speiseröhre und im Magen. Blutungen dieser Gefäße sind hier die häufigste Todesursache. Traditionelle Maßnahmen zur Eindämmung des Blutungsrisikos bergen jedoch zahlreiche Gefahren. Die Klinische Studie „Covered Transjugular Intrahepatic Portosystemic Stent Shunt versus Optimized Medical Treatment for the Secondary Prevention of Variceal Bleeding in Cirrhosis“ will hinterfragen, ob eine Kombination neuer und klassischer Methoden das Risiko dieser Blutungen maßgeblich verringern kann.
(Bewilligungssumme: 598 550 Euro. Koordinator: Prof. Tilmann Sauerbruch, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

Patienten mit psychischen Erkrankungen, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht weiter ambulant behandelt werden, kommen oft ins Krankenhaus zurück: ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Ob durch eine vor- und nachbereitende, auf den individuellen Bedarf des Patienten abgestimmte Gesprächstherapie Kosten gesenkt werden könnten, versuchen Psychotherapeuten und Psychiater aus Ulm, Günzburg, Stralsund, Düsseldorf, Regensburg und Ravensburg mit der Klinischen Studie „Effectiveness and Cost-effectiveness of Needs-oriented Discharge Planning and Monitoring for High Utilisers of Psychiatric Services“ herauszufinden.
(Bewilligungssumme: 518 390 Euro. Koordinator: Prof. Thomas Becker, Universität Ulm/Abteilung Psychiatrie II am Bezirkskrankenhaus Günzburg)

Die Zahl von Patienten mit psychosomatisch bedingten körperlichen Störungen ist groß. Nicht selten ist Arbeitsunfähigkeit die Folge – eine enorme Belastung nicht nur für das Gesundheitswesen. Die Klinische Studie „Psychosomatic Intervention for Patients with Multisomatoform Disorder in Different Somatic Specialities (PISO)“ will herausfinden, inwieweit psychodynamische Therapien diese körperlichen Symptome reduzieren helfen. Bei Konzeption und Auswertung arbeiten Psychotherapeuten aus München, Heidelberg, Düsseldorf, Regensburg und Münster zusammen.
(Bewilligungssumme: 502 250 Euro. Koordinator: PD Peter Henningsen, TU München)

An der Berliner Charité widmen sich Ärzte der Kinder- und Jugendmedizin der Frage, inwieweit die durch Vireninfektion bedingte Sterblichkeitsrate vor allem von Leukämie-Patienten nach einer Knochenmarks- bzw. Stammzellentransplantation durch vorsorglichen Einsatz von einer zellulären Immuntherapie gesenkt werden kann. Ihre Klinische Studie „Adoptive Immunotherapy for Adenovirus Associated Complications Post Transplantation“ berücksichtigt betroffene Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 18 Jahren.
(Bewilligungssumme: 957 824 Euro. Koordinator: Dr. Sebastian Voigt, Charité – Universitätsmedizin Berlin)

In der Klinischen Studie „Bone Marrow Transfer to Enhace ST-elevation Infarct Regeneration-2 (BOOST-2)“ untersucht ein Team aus Hannover und Hildesheim in Kooperation mit Kardiologen aus Göttingen, Berlin und Heidelberg, ob sich die Herzfunktion nach einem Herzinfarkt durch die Infusion von Knochenmarkszellen in die Herzkranzgefäße verbessern lässt. Ob die Infusion von Knochenmarkszellen tatsächlich zu einer Verbesserung führt, ist international sehr umstritten. Die Studie wird daher einen zentralen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage leisten.
(Bewilligungssumme: 987 063 Euro. Koordinator: Prof. Helmut Drexler, Medizinische Hochschule Hannover)

Die Wirksamkeit von Antidepressiva ist durch wissenschaftliche Studien gut belegt. Hingegen hat sich der langfristige Erfolg einer zusätzlichen Kognitiv-Behaviouralen Therapie (CBT) noch nicht hinlänglich gezeigt. Diese Lücke versuchen Psychologen und Psychotherapeuten aus Jena, Frankfurt am Main, Mainz, Erlangen und Tübingen mit der Klinischen Studie „Combined Cognitive-behavourial and Pharmkacological Continuation and Maintenance Treatment of Recurrent Depression“ zu schließen.
(Bewilligungssumme: 709 600 Euro. Koordinator: Prof. Ulrich Stangier, Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Patienten mit Schizophrenie leiden häufig nicht nur an den für diese Krankheit typischen, so genannten „positiven“ Symptomen wie Wahnideen und Halluzinationen. Sie sind auch durch „negative“ Symptome (Antriebsschwäche, innere Leere, Depressionen) beeinträchtigt. Die Klinische Studie „Cognitive-behavourial Treatment of Negative Symptoms in Patients with Schizophrenic Disorders“ der Universität Tübingen will klären, ob eine effektive Behandlung dieser negativen Symptome mit der kognitiven Verhaltenstherapie möglich ist. Diese nebenwirkungsfreie Therapie könnte einen großen Fortschritt darstellen, besonders, da negative Symptome bisher oft auch bei Ausheilung der positiven Symptomatik bestehen bleiben.
(Bewilligungssumme: 743 317 Euro. Koordinator: PD Stefan Klingberg, Eberhard-Karls-Universität Tübingen)

Kühlung ist die bevorzugte Methode zur Organkonservierung in den meisten Transplantationszentren in Europa. Nach Hinweisen auf einen Rückgang von Organschädigungen bei der so genannten Maschinenperfusion (MP), bei der die Gefäße zu verpflanzender Organe künstlich mit Flüssigkeit durchströmt werden, steigt in letzter Zeit das Interesse an dieser Alternative. Die Klinische Studie „Machine Perfusion Preservation versus Simple Cold Storage of Cadaveric Kidneys for Transplantation“ versucht Vor- und Nachteile beider Verfahren gegeneinander abzuwägen und die Effektivität von MP fundierter zu bewerten.
(Bewilligungssumme: 120 500 Euro. Koordinator: Dr. Jürgen Treckmann, Universität Duisburg-Essen)

Das Sonderprogramm „Klinische Studien“ wurde im Oktober 2003 beschlossen und im November 2003 erstmals ausgeschrieben. Insgesamt gingen 335 Antragsskizzen ein. Die interdisziplinär und international besetzten Gutachtergruppen wurden von DFG und BMBF gemeinsam berufen. Für jeden Vorschlag wurde ein Votum der zuständigen Ethikkommission eingeholt.

Weiterführende Informationen

Ansprechpartnerin bei der DFG ist Dr. Annette Schmidtmann, Gruppe Lebenswissenschaften 1, Tel.: 0228/885-2243, E-Mail: Annette.Schmidtmann@dfg.de.

Media Contact

Dr. Annette Schmidtmann DFG-Presse

Weitere Informationen:

http://www.dfg.de

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