Europas Energieexperten: Effizienz als höchste Priorität

Atomenergie bleibt umstritten – Bedeutung der Erneuerbaren wächst

Europas Energieexperten sind sich einig darüber, dass jene Technologien zur Versorgung am besten geeignet sind, die die höchste Energieeeffizienz aufweisen. Das ist das Ergebnis einer europaweiten Experten-Befragung zum Thema Energie, die von der Deutschen Energie Agentur und dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin (IZT) durchgeführt wurde. Mehr als 670 Experten wurden zur „European Energy Delphi“ (EurEnDel) befragt.

„Das markanteste Ergebnis der Studie ist, dass die befragten Experten durchgängig denjenigen Technologien die höchste Priorität einräumten, die den Energieverbrauch bei gleichbleibendem Nutzen reduzieren“, erklärt Projektleiter Timon Wehnert vom IZT. Im Fachjargon bedeute dies eine Steigerung der Energieeffizienz. Thematisiert wurden von den Experten auch Themen wie erneuerbare Energien, Fusionsenergie, Kernspaltung und alternative Treibstoffe. Bei der hohen Bewertung der Energieeffizienz ist besonders interessant, dass nicht nur ökologische Gesichtspunkte (wie z.B. die Klimaveränderungen) die Experten zu dieser eindeutigen Aussage bewegten. Auch wirtschaftliche und soziale Aspekte wie Kosteneinsparungen und langfristige Versorgungssicherheit spielen eine bedeutende Rolle.

Deutlich zeichnet sich auch ab, dass der Trend zur dezentralen Energie-Versorgung geht und dass die Bedeutung der erneuerbaren Energien immer weiter wächst. Im Zentrum der Befragung stand in erster Linie die Auskunft über die langfristigen Entwicklungen im europäischen Energiesektor bis zum Jahr 2030.

In der Studie wurden unterschiedliche gesellschaftliche Bedürfnisse mit einbezogen. Den Befragten wurden drei Visionen skizziert: Die erste Vision fragte nach der optimalen Energieversorgung einer überwiegend nach wirtschaftlichen Kriterien ausgerichteten Gesellschaft, die zweite Vision war mit dem Energiepfad einer Gesellschaft verknüpft, die der Ökologie höchste Priorität einräumt, und die dritte Vision war mit der Frage verbunden, welche Energieversorgung einer am sozialen Ausgleich ausgerichteten Gesellschaft am besten entspricht. Bei allen drei Visionen erhielten Strategien mit dem Ziel den Energiebedarf zu senken, immer die höchste Priorität. Gleichzeitig zeigten die Analysen, dass gerade in diesem Bereich das Risiko einer Unterfinanzierung am höchsten ist.

Weiters wurde eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger von den Experten als sehr positiv und dringend notwendig bewertet. Dies allein werde jedoch als nicht ausreichend eingestuft. Einen Anteil von 25 Prozent Erneuerbaren an Europas Energieverbrauch hält die Mehrheit der befragten Experten noch vor 2030 für möglich, wenn die Rahmenbedingungen in Richtung Energieeffizienz und Förderung der regenerativen Energien entsprechend gesetzt werden.

In der Bewertung der technischen Machbarkeit der verschiedenen Technologien gab es kaum nennenswerte nationale Unterschiede. Einzige Ausnahme bildete die Nuklearenergie. Dabei waren sowohl bei Fragen um die Zukunft der Kernfusion als auch zum Thema neuer Reaktortypen zur Kernspaltung die Experten aus unterschiedlichen Ländern geteilter Meinung. Große Einigkeit unter den Experten herrschte jedoch bei der Aussage, dass Europas Energiesystem in Zukunft wesentlich dezentraler organisiert sein wird. Zur Stromerzeugung wird ein Anteil kleiner Anlagen von 30 Prozent bis zum Jahre 2020 erwartet.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.deutschland

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