Computersysteme sollen Medikationsfehler verhindern: CPOE-Markt im Aufschwung

Motiviert durch die Notwendigkeit, eine qualitativ hochwertige und dabei kosteneffiziente Patientenversorgung zu bieten, demonstriert die europäische Gesundheitsindustrie zunehmend Interesse an computergestützten ärztlichen Leistungsanforderungssystemen (Computerized Physician Order Entry Systems, CPOE). Gleichzeitig verweisen die Anbieter ihrerseits derzeit verstärkt auf den reibungslosen Implementierungsprozess ihrer Systeme und tragen damit ebenfalls zur Nachfragesteigerung bei. Vor diesem Hintergrund prognostiziert die internationale Unternehmensberatung Frost & Sullivan dem Europamarkt für CPOE-Systeme einen regelrechten Boom: In den nächsten Jahren soll der westeuropäische Markt durchschnittlich um 28,6 Prozent wachsen, um dann 2010 ein Umsatzvolumen von 137 Millionen US-Dollar zu erreichen.

CPOE-Systeme bieten Ärzten Unterstützung beim Medikationsprozess. Dazu gehören unter anderem die automatisierte Dosisberechnung sowie die Prüfung auf mögliche Arzneimittelinteraktionen und Allergien. Auf diese Weise lassen sich medizinische Fehler minimieren und der Ressourceneinsatz optimieren. Auch die Dokumentation wird erheblich leichter. Davon profitiert nicht nur der Patient, sondern auch der gesamte klinische Workflow.

CPOE-Systeme bilden inzwischen einen wesentlichen Bestandteil des CDS-Portfolios (Clinical Decision Support), das Instrumente zur Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse umfasst. Neben den genannten Vorteilen bieten CPOE-Systeme den Kliniken auch ein erhebliches Kosteneinsparungspotenzial. „Mit CPOE lassen sich beispielsweise Mehrfachuntersuchungen, doppelte Rezepte und die unnötige Verschreibung teurer Medikamente vermeiden. Dank der Informationen über mögliche Komplikationen lässt sich außerdem häufig die Klinikaufenthaltsdauer verkürzen“, erläutert Siddharth Saha, Healthcare Industry Analyst bei Frost & Sullivan.

Mobile Lösungen begeistern

Interesse bei den potenziellen Endnutzern wecken die Systeme auch aufgrund ihrer zunehmenden technischen Reife. Für ein Gesundheitswesen, das an die Routinetransaktionen eines Krankenhaus-Informationssystems (KIS) gewöhnt ist, stellt die Interaktivität der CPOE-Systeme ein wichtiges Kaufargument dar. Positiv wirkt sich auch der Trend zum Einsatz mobiler und drahtloser Technologien aus. Die wachsende Zahl an Laptops und PDAs, die sich mühelos mit einem CPOE-System kombinieren lassen, stimuliert vor allem bei technikbegeisterten Endnutzern die Nachfrage.

„Dass der Markt noch sehr klein ist, liegt vor allem daran, dass bisher nur wenige CPOE-Systeme tatsächlich implementiert sind“, so Saha. „Mit zunehmender Reife und wenn erst einmal eine stabile KIS-Plattform eingerichtet ist, die auch die technisch anspruchsvollen CPOE-Systeme trägt, dürfte die Branche so richtig zulegen.“

Stationärer Sektor ist Hauptumsatzbringer

Der Markt setzt sich zusammen aus den beiden Sektoren für Systeme zum Einsatz im stationären und im ambulanten Bereich. Infolge der wachsenden Zahl integrierter CPOE-Projekte dürfte der stationäre Sektor, der bereits jetzt 70 Prozent des Umsatzes ausmacht, den Markt auch langfristig dominieren und die Anwendungen für den ambulanten Bereich noch weiter zurückdrängen.

In nächster Zukunft wird es laut Frost & Sullivan vor allem darum gehen, dass sowohl Systemanbieter als auch Klinikverwaltungen den wahren Wert erkennen, den IT-Lösungen für das Gesundheitswesen bieten können. Als weitere Herausforderungen nennt die Analyse mögliche technische Probleme bei der Implementierung der Systeme sowie die Qualität der bestehenden KIS.

Implementierung erfordert viel Arbeit im Vorfeld

„Eine CPOE-Implementierung ist ein äußerst komplexes Unterfangen. Um den Kunden ein erfolgreiches Management dieses kostenintensiven, umfangreichen und mit Veränderungen verbundenen Prozesses zu gewährleisten, müssen die Anbieter diesem Bereich höchste Aufmerksamkeit widmen“, rät Saha. „Doch auch der Kunde trägt Verantwortung für den Erfolg. Mit anderen Worten: Für die Content-Entwicklung und die Vorbereitung der Pathways und Order-Sets für die Automatisierung ist primär der Kunde, also die Klinik selbst zuständig. Das erfordert viel Arbeit im Vorfeld: Der Inhalt muss geprüft und bestätigt werden, und für jeden einzelnen Aspekt müssen Verantwortlichkeit und Zuständigkeit geklärt sein. Das medizinische Personal sollte mit den klinischen Inhalten bestens vertraut sein – sonst kann das System nicht funktionieren.“

Was die Ländermärkte betrifft, dürften die beiden größten Märkte Deutschland und Frankreich in den kommenden beiden Jahren eine zwar vergleichsweise geringe, aber doch ermutigende Penetrationsrate von fünf Prozent erfahren. Staatlich geförderte Initiativen zur Modernisierung der IT-Struktur im Gesundheitswesen werden voraussichtlich auch in Großbritannien für eine erhöhte Nachfrage sorgen. Dank der hohen Durchdringung im Bereich Technologielösungen ist laut Analyse außerdem in Skandinavien mit der Implementierung diverser CPOE-Systeme zu rechnen. Titel der Analyse: Frost & Sullivan’s Analysis Of The European Physician Order Entry Systems Market (Report B324) Preis der Analyse: Euro 5.400,–

Media Contact

Katja Feick Frost & Sullivan

Weitere Informationen:

http://healthcare.frost.com

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