Medizinischer Reißverschlussverband sorgt für schmalere Narben

Ein selbstklebender medizinischer Reißverschlussverband sorgt für schmalere Narbenbildung nach operativer Entfernung von Hauttumoren, bei der Teile der gesunden Haut entfernt werden müssen. Das haben Mediziner der Abteilung Dermatologie und Venerologie (Direktorin Prof. Dr. Christine Neumann) vom Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen in einer Studie festgestellt.

Bei dem Verfahren wird ein Reißverschlussverband mit selbstklebenden Zahnreihen an den beiden Seiten der Wunde angebracht und dann wie ein normaler Reißverschluss geschlossen. Das kosmetische Ergebnis ist mit dem Reißverschlussverband bei Wunden, die unter mittlerer Spannung stehen, deutlich besser als bei einer konventionellen Naht. „Der verwendete Reißverschlussverband entlastet die Wundränder, weil die Spannung gemildert und die Wunde ruhig gestellt wird,“ sagt Privatdozent Dr. Lutz Kretschmer, Abteilung Dermatologie und Venerologie, der die Studie leitete. Es sei jedoch nicht ratsam, den Verband bei großer Hautspannung einzusetzen, weil Blasen entstehen könnten. Vorteilhaft sei der Verband bei Kindern, die an Hauttumoren operiert wurden, da das „Fäden ziehen“ oft entfallen und der Verband nach der Wundheilung von den Eltern selbst entfernt werden kann.

Der Reißverschlussverband wird bereits seit einiger Zeit in chirurgischen Disziplinen erfolgreich eingesetzt. Ziel der Studie war es, den Verband bei solchen Wunden zu überprüfen, die unter Spannung stehen, weil ein Stück der Haut wegen eines Tumors entfernt wurde. 45 Patienten wurden mit dem neuen Reißverschluss-System behandelt, 38 Patienten mit der herkömmlichen Nahtmethode. Bei beiden Gruppen war vorher ein Tumor entfernt worden. Dadurch entstand ein Hautdefekt mit einer Breite von mindestens einem Zentimeter. Die Gewebeschicht unter der Haut (Subkutangewebe) wurde bei allen Patienten mit einer Naht geschlossen. Bei der Wundheilung der Hautschicht fehlte jedoch der herausgeschnittene Hautbezirk. Demzufolge standen die beiden Wundränder auch nach dem Wundverschluss unter einer gewissen Spannung. Die Narbenbildung war bei den Patienten mit dem Reißverschlussverband nach 18 Monaten deutlich geringer als bei den Patienten mit konventioneller Hautnaht. Durchschnittlich waren die Narben um 1,5 Millimeter schmaler. Auch so genannte „Strickleiternarben“ (quer verlaufende, störende Narbenzüge) traten wesentlich seltener auf.

Der Reißverschlussverband erspart überflüssige Verbandswechsel. Zur Wundkontrolle muss der Arzt den Reißverschluss nur aufziehen, um eventuelle Wundinfekte und Blutergüsse erkennen zu können. Die Patienten, die mit dem Reißverschlussverband versorgt wurden, empfanden den Tragekomfort als sehr gut.

Weitere Informationen:

Georg-August-Universität Göttingen
Bereich Humanmedizin
Abt. Dermatologie und Venerologie
Dr. Lutz Kretschmer
Von-Siebold-Str. 3
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 – 6410

Media Contact

Rita Wilp idw

Weitere Informationen:

http://www.wifo.ac.at

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