Der Weltmarkt für Hybridkraftwerke

Entwicklungsländer setzen auf Hybridkraftwerke zur Elektrifizierung ländlicher Regionen

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung muss heute ohne Stromversorgung leben. Zusammen mit den explodierenden Bevölkerungszahlen in den Entwicklungsländern wächst dieser Anteil derzeit weiterhin dramatisch an. Deshalb stellt es eine große Herausforderung dar, die betroffenen Weltregionen mit der dringend benötigten elektrischen Energie zu versorgen, die mit Hilfe billiger, zuverlässiger und umweltfreundlicher Technologien gewonnen wird. So treibt das wachsende Interesse an nachhaltigen Stromproduktionssystemen den Einsatz von Hybridkraftwerken weltweit massiv voran, um Strom für entlegene Betriebsanlagen (z.B. Telekommunikationsstationen) und Landbewohner bereitstellen zu können. Durch den Neubau von Hybridkraftwerken wurden im Jahr 2002 auf dem Weltmarkt ungefähr 169,9 Millionen US-Dollar umgesetzt. Die gegenwärtigen Wachstumsraten sind mäßig, aber eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan prognostiziert einen stärkeren Zuwachs, so dass für 2010 mit einem Gesamtumsatz von 895,2 Millionen US-Dollar zu rechnen ist.

Hybridkraftwerke sind allerdings nicht immer die beste Lösung. In manchen Fällen ist der Anschluss an ein bestehendes Überlandstromnetz oder ein Kraftwerk auf der Basis erneuerbarer Ressourcen die geeignete Lösung. Nichtsdestotrotz belegt die aktuelle Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan, dass Hybridlösungen häufiger zum Einsatz kommen werden, denn sie erfahren vielfach Akzeptanz und Vertrauen durch die Anwender.

Hybridkraftwerke kombinieren normalerweise Wind- und Sonnenkraft mit einer Generatoreninstallation, um elektrische Batterieanlagen zu laden. Es gibt allerdings auch Systeme, die sich nur auf die Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen stützen. „Generatorenanlagen, kleine Windkraftanlagen und Photovoltaik sind die drei zentralen Technologien bei den Hybridsystemen. Sie können individuell kombiniert oder gleichzeitig eingesetzt werden“, erklärt Colin O’Hanlon, Research Analyst bei Frost & Sullivan. Die flächendeckende Elektrifizierung ländlicher Gebiete in den Entwicklungsländern ist die treibende Kraft auf dem Weltmarkt für Hybridkraftwerke. Jedes Land begegnet diesem Fortschrittsinteresse jedoch mit individuellen Lösungsansätzen, unterschiedlichen Finanzierungsniveaus und Unterstützungsformen. Staatlich betriebene Elektrifizierungsprogramme, die nachhaltige Energiegewinnungstechnologien einschließen, und privatwirtschaftliche Initiativen werden parallel als die aussichtsreichsten Armutsbekämpfungsmaßnahmen gepriesen.

Kooperation mit staatlichen Einrichtungen verspricht Einnahmenplus – Staatliche Beihilfen sind frühzeitig einzuplanen

Der Erfolgsschlüssel für den Weltmarkt für Hybridkraftwerke liegt in der Kooperation: Die abgestimmte Kooperation mit staatlichen Behörden ist vorteilhaft, um bei Elektrifizierungsprojekten für ländliche und abgelegene Regionen mitwirken zu können. Das Verfolgen von breiter gestreuten Marktchancen zieht neue Interessenten in diesen Marktbereich, wodurch die Forschungsetats aufgestockt und die Technologien verbessert werden. Staatliche Anreize mittels Subventionen und Steuererleichterungen wirken kostendämpfend auf die Finanzinvestitionen für Hybridsysteme und machen sie konkurrenzfähiger zu Alternativlösungen (z.B. Dieselgenerator). So deckt beispielsweise das Entwicklungsprogramm der indischen Regierung bis zu 80 Prozent der Kapitalkosten eines Hybridprojektes und ermöglicht durch beschleunigte Abschreibung bis zu 35 Prozent Steuerersparnis. Die Studie weist aber auch auf ein mangelndes Bewusstsein für staatliche Subventionen hin. „Die Installationskosten für Ausrüstungen (z.B. Türme für Windturbinen) sind hoch. Dieser Umstand sprengt bei vielen Projekten das veranschlagte Budget, vor allem wenn unvorhergesehene Probleme wie schlechte Infrastruktur die Transportkosten nach oben schrauben. Die Einrichtung von Pilotprojekten und Lobbygruppen in Verbindung mit einer klaren Produkt- und Kundendefinition überwinden diese Hürden“, sagt O’Hanlon.

Produktstandardisierung und zunehmende Installationserfahrung lassen die Preise sinken

„Das Überlandnetz und eigenständige Stromgeneratoren konkurrieren mit Hybridsystemen als dezentralisierte Stromversorgung. Wenn die Umsatzzahlen anziehen, fallen die Preise für Hybridsysteme. Dies macht sie attraktiver als die Alternativtechnologien. Auch die Installationskosten werden rapide sinken, wenn die Installateure über mehr Erfahrung verfügen und der Wettbewerb zunimmt“, kommentiert O’Hanlon. Wegen seines relativ komplexen Aufbaus ist es generell teurer, ein hybrides Kraftwerksystem herzustellen und zu installieren. Die Bemühungen der Hersteller zielen daher auf ein relativ standardisiertes, modulares Produkt, das die Kosten reduziert und eine skalierbare Baugröße gemäß Strombedarf ermöglicht. Höhere Produktionszahlen lassen die Kosten in fast allen Fertigungsetappen fallen. So werden die Installationskosten weiterhin sinken, während das hybride Kraftwerksystem technisch ausreift und standardisiert wird.

Beste Marktchancen liegen in Asien – Industrieländer bieten kaum Potenziale

Der Entwicklungsplan zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete macht China zum attraktivsten Entwicklungsland, denn es offeriert die besten kurzfristigen Wachstumschancen für hybride Kraftwerksysteme. Allerdings müssen westliche Unternehmen die Hindernisse (z.B. niedriger Preis pro Systemeinheit) in Angriff nehmen, um weiteres Marktpotenzial freisetzen zu können. Generell werden dem asiatischen Kontinent die besten Wachstumsperspektiven vorausgesagt.
Aufgrund ihrer hohen strukturellen Erschließung durch Überlandnetze bieten entwickelte Länder nur ein sehr geringes Wachstumspotenzial auf dem Weltmarkt für hybride Kraftwerksysteme. Jedoch sind die Marktchancen in diesen Regionen weniger preissensitiv und leiten sich eher von den Verbraucher- und Industriemärkten ab. Dies ist konträr zu Entwicklungsländern, in denen die kommunalen Märkte dominieren.

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