Biobanken: EU-Studie soll Rechte der Spender klären und europaweit einheitliche Standards vorbereiten

Welche Rechte hat ein Spender gegenüber Forschungseinrichtungen? Wessen Eigentum sind die gespendeten Gewebsproben? Wem gehören die damit erzielten Forschungsergebnisse?

Diese und weitere ethische und rechtliche Fragen soll das europäische Forschungsprojekt „TissEU“ für Europa klären. Die Leitung und Koordination des Projekts haben die Göttinger Medizinethiker Dr. Christian Lenk und Prof. Dr. Claudia Wiesemann aus der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin (Direktorin: Prof. Dr. Claudia Wiesemann) an der Universitätsmedizin Göttingen. Die Göttinger Medizinethiker kooperieren unter anderem mit universitären Einrichtungen in Birmingham, Padua, Dublin und Paris sowie mit der Arbeitsgruppe Medizinrecht und Bioethik an der Leibniz Universität Hannover. Die EU-Kommission fördert das Projekt über drei Jahre mit insgesamt 800.000 Euro. Das Projekt ist im April 2008 angelaufen.

„Biobanken“ gelten weltweit als einer der vielversprechendsten Forschungsansätze in der Medizin. In solchen Datenbanken sind Gewebe- und Blutproben von Menschen aus der ganzen Welt gesammelt. Die Daten stehen der Forschung weltweit Forscher, die nach genetischen Ursachen von Krankheiten suchen. Aber auf viele ethische und rechtliche Fragen, die im Zusammenhang von Forschung mit Biobanken entstehen, gibt es bisher keine Antworten. Die von der EU-geförderte Studie soll Empfehlungen für gemeinsame Standards in Europa auf den Weg bringen.

„Tiss.EU“ – das Kürzel steht für „Evaluation of Legislation and Related Guidelines on the Procurement, Storage and Transfer of Human Tissues and Cells in the European Union – an Evidence-Based Impact Analysis“. „Wir wollen untersuchen, welche Regeln es in den europäischen Mitgliedsländern zu bestimmten ethischen und rechtlichen Fragen zu Biobanken gibt. Und wir wollen prüfen, ob sie ausreichend und zweckmäßig sind“, sagt Prof. Wiesemann, Koordinatorin des Projekts.

An Forschungseinrichtungen in ganz Europa werden dafür diese Fragen gestellt:

1. Welche ethischen und rechtlichen Aspekte bestehen für die Forschung bei der Gewinnung, der Lagerung und dem Transfer von menschlichem Gewebe und Zellen?

2. Werden ethische und rechtliche Aspekte von Biobanken in der Forschung berücksichtigt?

3. Wie sind die Rechte und Ansprüche an menschlichem Gewebe und Zellen für die Forschung geregelt?

4. Ist die Anonymisierung und Pseudonymisierung zum Schutz der Privatheit von Patienten berücksichtigt, die Gewebe oder Zellen spenden?

„Ziel des Projektes ist es, eine Grundlage für Antworten zu legen, die dann im nächsten Schritt auch europaweit durchsetzbar sind“, sagt Dr. Christian Lenk. Dazu befragen die Forscher auch externe Experten. Das Projekt soll dafür sorgen, dass alle verschiedenen, nationalen Gesetze und Richtlinien zur Forschung mit menschlichem Gewebe und Zellen in einer einzigen Datenbank gespeichert werden. Diese Datenbank wird öffentlich zugänglich sein. Sie soll ermöglichen, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen nationalen Regelungen zu erkennen.

Im Rahmen des Tiss.EU-Projektes kooperieren zehn europäische Partnerinstitutionen aus neun verschiedenen Ländern: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Litauen, Niederlande, Schweden und Ungarn. Die Arbeit von Tiss.EU wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet, dem renommierte Forscherinnen und Forscher aus dem Bereich Ethik und Recht der Medizin angehören: Prof. Nikola Biller-Andorno (Zürich), Prof. Donna Dickenson (London), Prof. Hille Haker (Frankfurt), Prof. Ruud ter Meulen (Bristol), Prof. Stefano Rodotà (Rom), Prof. Jürgen Simon (Lüneburg) und Prof. Jochen Taupitz (Mannheim).

„Biobanken“ werden bereits genutzt, um genetisch bedingte Erkrankungen zu erforschen. Es gibt Forschungsprojekte zu angeborenen Herzfehlern oder zur Parkinson`schen Krankheit. Biobanken werden genutzt, um genetische Untersuchungen an Blut durchzuführen. So wollen Forscher mehr über die Entstehung von verbreiteten Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt herausfinden. Eine solche Blutbank wird zur Zeit in Großbritannien aufgebaut.

Media Contact

Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen

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