Wie Gene das Diabetes-Risiko beeinflussen

In Deutschland gibt es etwa 6 Millionen Menschen mit Typ 2 Diabetes, die von ihrer Erkrankung wissen, und eine hohe Dunkelziffer unerkannter Diabetiker. Für das Auftreten der Erkrankung spielen Lebensstilfaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel eine wichtige Rolle, aber dem Typ 2 Diabetes liegt auch eine starke familiäre Häufung zugrunde.

Neues Licht auf die Entstehung dieser Krankheit wirft eine gerade veröffentlichte Meta-Analyse zur Genetik des Typ 2 Diabetes. Die Ergebnisse des internationalen DIAGRAM (DIAbetes Genetics Replication And Meta-analysis)-Konsortiums unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf und des Helmholtz Zentrums München erhärten Befunde, wonach die Erkrankung auf einer Funktionsstörung der Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse beruht. Die Studie deutet aber auch auf neue Konzepte der Krankheitsentstehung hin.

In der DIAGRAM-Studie identifizierten die Wissenschaftler sechs neue Genregionen, die das Typ 2 Diabetes-Risiko beeinflussen. Drei davon könnten die frühe Entwicklung der Bauchspeicheldrüse und insbesondere der Insulin-produzierenden Betazellen betreffen. Zwei andere Genprodukte spielen vermutlich eine Rolle in der Regulation der Zellteilung und des Zelltodes in bestimmten Geweben. Die Zahl der Genregionen, die mit der Entstehung des Typ 2 Diabetes in Verbindung gebracht werden, erhöht sich damit auf 16.

Die Meta-Analyse, an der 98 Wissenschaftler aus über 40 Zentren beteiligt waren, wertete Daten von europäischen und amerikanischen Studien mit einer Gesamtstudienpopulation von über 60 000 Personen aus. Als deutscher Beitrag flossen die Daten von rund 2700 Teilnehmern der KORA-Studie (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) in Augsburg ein, die von den Wissenschaftlern Dr. Thomas Illig, Harald Grallert und Dr. Christa Meisinger am Helmholtz Zentrum München in enger Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Rathmann und Dr. Christian Herder vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf bearbeitet wurden. Leiter der KORA-Studie ist der Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann. Koordinatorin der Analyse war Dr. Eleftheria Zeggini, Universität Oxford, unter Leitung von Prof. Mark McCarthy.

In weiteren Studien müssen diese Genregionen genauer charakterisiert und die für die Erkrankung kausalen Genvarianten identifiziert werden. Diese Erkenntnisse können dann tiefere Einblicke in die Mechanismen der Diabetesentstehung liefern und neue Therapieoptionen eröffnen. Inwiefern die bisher erhobenen Daten für die Bestimmung des individuellen Diabetesrisikos in der klinischen Praxis relevant sein können, ist noch schwer abzuschätzen und muss ebenfalls in weiterführenden Studien untersucht werden.

Quelle: Eleftheria Zeggini et al.: Meta-analysis of genome-wide association data and large-scale replication identifies additional susceptibility loci for type 2 diabetes. Nature Genetics, published online: 30 March 2008 (doi:10.1038/ng.120)

Kontakt:
Dr. phil. nat. Christian Herder
Tel.: +49 211 3382-647
Christian.Herder@ddz.uni-duesseldorf.de
Dr. med. Wolfgang Rathmann MSPH
Tel. +49 211 3382-663
E-Mail rathmann@ddz.uni-duesseldorf.de
Medienkontakt:
Dr. med. Klaus Jürgen Wiefels
Deutsches Diabetes Zentrum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 02113382-308
klaus.wiefels@ddz.uni-duesseldorf.de
Hintergrund-Informationen zum DDZ
Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und gehört dort zur Sektion Life-Sciences (Lebenswissenschaften), in der 21 Forschungsinstitute angesiedelt sind. Die Einrichtung erhält Zuwendungen je zur Hälfte vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW).

Unser Auftrag ist es, auf Basis interdisziplinärer Forschung Beiträge zur Reduzierung der individuellen und gesellschaftlichen Belastung durch den Diabetes mellitus zu leisten.

Kennzeichnendes Merkmal dabei ist die Vernetzung von molekularer und zellbiologischer Grundlagenforschung mit klinischen und epidemiologischen Forschungsansätzen.

Konkret sind die wissenschaftlichen Beiträge des DDZ auf die Ziele der Verbesserung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus und seiner Komplikationen sowie der Verbesserung der epidemiologischen Datenlage in Deutschland ausgerichtet.

Daneben versteht sich das DDZ auch als deutsches Referenzzentrum zum Krankheitsbild Diabetes, indem es Ansprechpartner für alle Akteure im Gesundheitswesen ist, wissenschaftliche Informationen zu Diabetes mellitus aufbereitet und für die breite Öffentlichkeit bereitstellt sowie zahlreiche nationale Aktivitäten koordiniert.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Wissenschaft sowie sechs assoziierte Mitglieder. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung großen Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Institute beschäftigen rund 13.700 Mitarbeiter, ihr Gesamtetat beträgt etwa 1,1 Milliarden Euro.
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