Neue Studie soll Sprechstörungen nach Mundhöhlen-Krebs minimieren

Patienten mit Krebserkrankungen der Mundhöhle leiden am Ende der Therapie oft unter starken Sprachschwierigkeiten. Eine fachübergreifende Forschergruppe unter Leitung der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Neukam) will jetzt erstmals mit Hilfe eines automatischen Spracherkennungssystems die Auswirkungen von Tumorerkrankungen des Mundes und deren Therapie auf die Sprachfähigkeit untersuchen. Ziel der Forschungsarbeit ist es, ein möglichst schonendes und funktionserhaltendes Therapieverfahren für Patienten mit Mundhöhlenkrebs zu entwickeln.

Bösartige Tumoren der Mundhöhle gehören zu den zehn häufigsten malignen Erkrankungen des Menschen. Das bösartige Gewebe wird in der Regel chirurgisch entfernt. Dabei können anatomische Strukturen, die für das Sprechen wichtig sind, verändert werden. „Oft müssen die Chirurgen Teile der Zunge oder des Kieferknochens entfernen, wodurch die Lautbildung in der Mundhöhle stark verändert wird“, erläutert Projektleiter Dr. Florian Stelzle aus der der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Klinik. „Wenn Patienten dann nicht mehr richtig sprechen und verstanden werden können, ist das neben der eigentlichen Krebserkrankung eine schwere Einschränkung ihrer Lebensqualität.“

Mit Hilfe plastisch-rekonstruktiver Maßnahmen kann fehlendes Gewebe zwar wieder aufgebaut werden, allerdings stehen dafür ganz unterschiedliche Operationsmethoden zur Verfügung. „Welche OP-Methode im Einzelfall die beste ist, um die Sprachfähigkeit zu erhalten, soll im Rahmen unserer Forschungsarbeit geklärt werden“, so Dr. Stelzle.

Auch die Auswirkungen ergänzender Therapiemaßnahmen auf die Verständlichkeit der Sprache, insbesondere Strahlenbehandlung und Sprechtraining im Anschluss an eine Operation, wurden bisher nicht systematisch ausgewertet. „Für diese Patientengruppe gibt es weltweit keine Therapieempfehlung, die auf objektiven wissenschaftlichen Daten beruht“, sagt Dr. Stelzle.

Neues Spracherkennungssystem erkennt Störungsmuster:

Durch die Weiterentwicklung eines Spracherkennungssystems in Zusammenarbeit mit der Phoniatrischen und Pädaudiologischen Abteilung des Uni-Klinikums (Leiter: Prof. Dr. Dr. Ulrich Eysholdt) und dem Lehrstuhl für Mustererkennung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Joachim Hornegger) können die Forscher jetzt die Sprachverständlichkeit anhand der Worterkennungsrate messen und durch ein Computerprogramm analysieren. Zurzeit arbeitet die Gruppe zusätzlich an der Identifizierung der einzelnen gestörten Sprachlaute. „Wir hoffen durch die Analyse der Untereinheiten menschlicher Sprache die Störungsmuster beim Sprechen noch genauer zu erkennen“, erklärt Dr. Stelzle. Nach Auswertung der Daten sollen dann Rückschlüsse auf möglichst schonende und funktionserhaltende Therapieverfahren gezogen werden, um die Sprachfähigkeit auch bei schweren Krebserkrankungen optimal erhalten zu können.

Weitere Informationen:
Dr. Florian Stelzle,
Mund-,Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik,
Universität Erlangen-Nürnberg
Tel. 09131-85-34201
E-Mail: florian.stelzle@uk-erlangen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 70.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Ansprechpartner für Medien

Bernhard Knappe idw

Weitere Informationen:

http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen

Hier bietet Ihnen der innovations report interessante Studien und Analysen u. a. aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Medizin und Pharma, Ökologie und Umwelt, Energie, Kommunikation und Medien, Verkehr, Arbeit, Familie und Freizeit.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neues Computermodell verbessert Therapie

Mithilfe mathematischer Bildverarbeitung haben Wissenschafter der Forschungskooperation BioTechMed-Graz einen Weg gefunden, digitale Zwillinge von menschlichen Herzen zu erstellen. Die Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der klinischen Diagnostik. Obwohl die…

Teamarbeit im Molekül

Chemiker der Universität Jena erschließen Synergieeffekt von Gallium. Sie haben eine Verbindung hergestellt, die durch zwei Gallium-Atome in der Lage ist, die Bindung zwischen Fluor und Kohlenstoff zu spalten. Gemeinsam…

Kristallstrukturen in Super-Zeitlupe

Göttinger Physiker filmen Phasenübergang mit extrem hoher Auflösung Laserstrahlen können genutzt werden, um die Eigenschaften von Materialien gezielt zu verändern. Dieses Prinzip ermöglicht heute weitverbreitete Technologien wie die wiederbeschreibbare DVD….

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen