Antidepressiva haben nur geringe Wirkung

Die neue Generation von Antidepressiva bringt für die meisten Patienten nur wenige klinische Vorteile. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Hull gekommen. Das Team um Irving Kirsch kam zu dem Schluss, dass diese Medikamente aktiv nur einer kleinen Gruppe von sehr schwer Depressiven hilft.

Die Hersteller von Prozac und Seroxat, zwei der am meisten verbreiteten Antidepressiva, argumentierten gegen die Ergebnisse der Studie. Ein Sprecher von GlaxoSmithKline betonte, dass die Studie nur einen kleinen Teil der gesamten Datenmenge berücksichtigt habe. Prozac-Hersteller Eli Lilly erklärte, dass Forschung und Praxis bewiesen hätten, dass das Medikament wirksam sei. Details der Studie wurden in PLoS Medicine http://medicine.plosjournals.org/perlserv/?request=index-html&issn=1549-1676 veröffentlicht.

Der britische Gesundheitsminister Alan Johnson hat laut BBC angekündigt, dass in den nächsten drei Jahren speziell für Gesprächstherapien 3.600 Therapeuten ausgebildet werden. Der Minister hält diese Form der Behandlung für eine bessere Alternative als Medikamente. Die Forscher gehen davon aus, dass viele Menschen glauben, dass die Medikamente wirksam sind. Sie argumentieren, dass es sich dabei auch um einen Placebo-Effekt handeln könne. Die Patienten fühlen sich besser, nur weil sie ein Medikament einnehmen, von dem sie glauben, dass es ihnen helfen wird. Insgesamt analysierte das Team die Daten von 47 klinischen Studien. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf Medikamente, die die Serotonin-Werte im Gehirn kontrollieren. Dazu gehörte neben Proxac und Seroxat auch Efexor. Alle drei Medikamente werden in Großbritannien regelmäßig verschrieben.

2006 erreichte die Anzahl der Verschreibungen in England ein Rekordhoch von mehr als 31 Millionen. Offizielle Richtlinien betonen jedoch, dass diese Medikamente bei leichten Depressionen nicht die erste Behandlungsalternative sein sollten. Allein die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wurde 16,2 Millionen Mal verschrieben. Die Forscher wiesen nach, dass diese Medikamente bei leichten Depressionen eine positive Wirkung hatten. Diese Wirkung unterschied sich allerdings nicht von der, die auch ein Blindpräparat erzielte. Bei schweren Symptomen schien die Wirkung ausgeprägt zu sein. Das könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion auf ein Blindpräparat geringer ist. Laut Kirsch ist der Unterschied zwischen den Antidepressiva und den Blindpräparaten nicht so groß. „Das bedeutet, dass es depressiven Menschen auch ohne Medikamente besser gehen kann.“

Ansprechpartner für Medien

Michaela Monschein pressetext.austria

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