Studie: Zusammenarbeit mit Biotech-Unternehmen eröffnet Pharmamittelstand neue Chancen

Vor allem durch die Zusammenarbeit mit Biotechnologie-Unternehmen kann sich die standortgebundene mittelständische Pharmaindustrie in Deutschland für die Zukunft optimal positionieren und dem nationalen und internationalen Druck standhalten. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie zu den Kooperationsmöglichkeiten zwischen mittelständischer Pharmaindustrie und Biotechnologie-Unternehmen, die der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) gemeinsam mit der Management- und IT-Beratung Cap Gemini Ernst & Young (CGE&Y) auf der Grundlage einer empirischen Erhebung erstellt hat.

Der Erfolg des pharmazeutischen Mittelstandes, so lautet das Fazit der Studie, wird mehr und mehr davon bestimmt sein, wie sehr ein Unternehmen willens und fähig ist, Partner einzubinden. Ein solches Netzwerk eint ein gemeinsames Ziel: Innovative und spezifische Produkte zum Wohl der Patienten erforschen, entwickeln, produzieren und vermarkten. Aufgrund ihrer Erfahrungen in Entwicklung, Zulassung und Vermarktung von Arzneimitteln sind die mittelständischen Pharmaunternehmen für die Rolle des Koordinators prädestiniert.

Doch noch herrscht bei der Mehrzahl der mittelständischen Unternehmen, die mit einem Anteil von 90 Prozent die Branche dominieren, eine deutliche Zurückhaltung. Wie die Studie herausgefunden hat, sieht bislang nur rund ein Drittel der Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Biotechs eine Chance und ist zu Investitionen bereit.

Die meisten Unternehmen setzen auch künftig auf ihre eingeführten und bewährten Produkte. Dabei mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Wettbewerbsposition der deutschen Pharmaindustrie, die sich in langer Tradition weltweit etabliert hat, im internationalen Vergleich sinkt und Deutschland als Standort für Arzneimittelforschung und -entwicklung an Bedeutung verliert.

Denn der auf der mittelständischen Pharmaindustrie lastende Druck wird mit jedem Jahr größer. Die Ursachen dafür: Steigender Konkurrenzkampf, auslaufende Patentschutzzeiten, steigende Entwicklungskosten sowie ein wachsender Preisdruck aufgrund gesundheitspolitischer Maßnahmen, die unternehmerisches Planen und Handeln erschweren.

Zusätzlich wird die Fülle neuer Erkenntnisse aus den Biowissenschaften und den daraus in der jungen Biotech-Branche entwickelten Verfahren und Methoden die gesamte pharmazeutische Industrie zur strategischen Neuausrichtung zwingen. Das stellt insbesondere die deutsche mittelständische Pharmaindustrie vor gewaltige Herausforderungen. Auswege bieten eine Fokussierung auf Nischensegmente oder auf einzelne Stufen der Wertschöpfungskette. Dabei werden sich Kooperationen mit anderen Unternehmen, besonders aus dem Biotechnologiesektor, als ebenso notwendig wie erfolgreich erweisen.

Während sich Pharmaunternehmen von der Kooperation mit Biotechs die Rechte an neuen Entwicklungen, die Senkung von Forschungs- und Entwicklungskosten, das Füllen der Produktpipeline und mehr Wettbewerbsfähigkeit versprechen, bietet sich Biotechunternehmen durch die Zusammenarbeit eine interessante Finanzierungsmöglichkeit. Darüber hinaus hoffen vor allem junge Biotechunternehmen, von der langjährigen Erfahrung mittelständischer Pharmaunternehmen zu profitieren und mit deren Unterstützung ihre Ideen umzusetzen.

Ende des vergangenen Jahres existierten 365 Biotechs in Deutschland, die meist weniger als fünfzig Mitarbeiter beschäftigen. 63 Prozent der für die Studie befragten Biotech-Unternehmen bezeichneten es als große Chance, bei einer Kooperation mit der mittelständischen Pharmaindustrie von den Entwicklungskompetenzen zu profitieren und somit Fehler zu vermeiden sowie Kosten und Zeit zu sparen.

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Thomas Becker ots

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