Behaltet uns im Auge! – Bakterien auf Spaltlampen

Spaltlampe mit markierten Probenahmestellen der Studie (Fritz B. et al. (2021). Compreh
Fritz B. et al.

Hochschule Furtwangen veröffentlicht weltweit erste molekularbiologische Studie zur bakteriellen Kontamination von Spaltlampen.

Spaltlampen gehören zu den wichtigsten Arbeitsgeräten eines Augenarztes oder Optikers. Sie ermöglichen es, ausgewählte Bereiche des Auges vergrößert zu betrachten und auf Erkrankungen zu untersuchen.

Bei den Untersuchungen sitzen sich Patient und Arzt direkt gegenüber und haben intensiven Hautkontakt zu dem Gerät. „Daher liegt es nahe, dass Spaltlampen während der Benutzung mit Mikroorganismen, wie Bakterien, kontaminiert werden“, erläutert Prof. Dr. Markus Egert, der an Hochschule Furtwangen Mikrobiologie und Hygiene unterrichtet. Diese Keime stellen ein potentielles Infektionsrisiko dar.

Frühere Untersuchungen legen tatsächlich eine Kontamination der Spaltlampen-Oberflächen mit typischen Hautbakterien, wie Staphylokokken, nahe. Allerdings haben alle bisherigen Untersuchungen auf die Kultivierung von Mikroorganismen zurückgegriffen. „Derartige Untersuchungen erfassen leider immer nur einen Bruchteil der tatsächlich vorhanden Mikroflora, da sich nicht alle Keime auf den typischen Nährmedien kultivieren lassen. Wir haben deshalb auf modernste molekularbiologische Methoden zurückgegriffen, die wir zuvor an ähnlichen Oberflächen wie Brillen und Mikroskopokularen etabliert hatten“, erklärt Studienleiter Prof. Egert.

Im Rahmen der Studie wurden 91 Abstrichproben von 46 Spaltlampen aus zwei Universitätsaugenkliniken mittels Hochdurchsatzsequenzierung bakterieller Gene analysiert. 82 Proben lieferten auswertbare Daten und wiesen insgesamt 3369 verschiedene Arten von Bakterien auf. Es dominierten Hautbakterien wie Cutibakterien, Corynebakterien und die bereits kulturell häufig nachgewiesenen Staphylokokken. Obwohl ein Einfluss von Parametern wie Patientendurchsatz am Gerät oder Länge des Reinigungsintervalls vermutet wurde, konnten keine Faktoren identifiziert werden, die einen steuernden Einfluss auf die Vielfalt der identifizierten Bakterien haben. Dies könnte aber auch der aktuellen Corona-Pandemie und ihren flankierenden strengen Hygienemaßnahmen (z. B. dem Tragen eines Mund-Nasenschutzes) geschuldet gewesen sein.

„Zu vielen der nachgewiesenen Bakteriengattungen gehören Arten, die ein pathogenes Potential haben und zu Augen- wie Hautkrankheiten führen können, insbesondere bei infektionsanfälligen Menschen. Daher unterstreicht unsere Studie, dass es wichtig ist, solche Kontaminationen im Auge zu behalten und Spaltlampen regelmäßig desinfizierend zu reinigen“, merkt Egert an. Dass sich die gefundenen Bakteriengemeinschaften auf der Arzt- und Patientenseite der Lampen oft ähnelten, legt zudem nahe, dass Bakterien diese Seiten wechseln können und Patienten wie Ärzte gleichermaßen gefährdet sind.

Ein wichtiges Ergebnis zum Schluss: Auf keiner der untersuchten 46 Lampen ließen sich die gefürchteten Antibiotika-resistenten Stapylococcus areus Bakterien (MRSA) nachweisen. „Das ist für Patienten wie Ärzte eine sehr gute Nachricht“, fasst Egert zusammen. Zukünftige Studien sollen zusätzlich Viren, wie z. B. Adenoviren, ins Visier nehmen, die neben Bakterien zu den Hauptauslösern infektiöser Augenerkrankungen gehören.

Die neue Studie wurde durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen, der Universität Tübingen und der Carl Zeiss Vision International GmbH, Aalen, erstellt und im Rahmen des CoHMed – Connected Health in Medical Mountains Projektes der Hochschule Furtwangen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (Förderkennzeichen 13FH5I02IA).

Originalpublikation:

Erschienen ist die Studie in der open access Zeitschrift Frontiers in Cellular and Infection Microbiology mit dem Titel „Comprehensive Compositional Analysis of the Slit Lamp Bacteriota”; https://doi.org/10.3389/fcimb.2021.745653

http://www.hs-furtwangen.de

Media Contact

Jutta Neumann Pressestelle

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen

Hier bietet Ihnen der innovations report interessante Studien und Analysen u. a. aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Medizin und Pharma, Ökologie und Umwelt, Energie, Kommunikation und Medien, Verkehr, Arbeit, Familie und Freizeit.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Präzise Einblicke dank neuester Technologie

Ein neues, hochautomatisiertes Fluoreszenzmikroskop liefert Forschenden des Helmholtz-Zentrums Hereon künftig schnellere und detailliertere Bilder zu lebenden Zellen. Das System wird mit 194.832,80 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale…

Temperaturbeständige Leistungshalbleiter aus dem 3D-Drucker

Forscherinnen und Forschern der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Chemnitz gelang erstmals der 3D-Druck und das nachfolgende Sintern von Gehäusen für leistungselektronische Bauelemente. Forscherinnen und Forschern der Professur…

Fressrausch adé

Signalweg im Gehirn zur Steuerung der Nahrungsaufnahme entschlüsselt. Das Gehirn kontrolliert körpereigene Lysophospholipide, die ein Programm zur Aktivierung der Nahrungsaufnahme steuern / Spezifische Hemmstoffe der Lipidsynthese könnten als neue Therapie…

Partner & Förderer