Augenkontakt-Detektor im Gehirn nachgewiesen

Augenkontakt, der das Gefühl einer Verbindung vermittelt, ist auf neu entdeckte „Augenzellen“ in der Amygdala zurückzuführen. Das glauben Wissenschaftler der University of Arizona. Die Zellen werden in jenem Bereich des Gehirns aktiv, der für die Verarbeitung von Gefühlen und sozialen Interaktionen zuständig ist. Die Neuronen wurden bei einem Rhesusaffen nachgewiesen. Verfügen auch Menschen über diese Neuronen, könnten sie bei Krankheiten wie Autismus oder Schizophrenie geschädigt sein. Das würde die Auswirkungen auf den Augenkontakt und soziale Interaktionen erklären.

Neuronen-Aktivität aufgezeichnet

Das Team um Katalin Gothard platzierte sieben Elektroden in der Amygdala eines Rhesusaffen. Die Elektroden, jede ein Zehntel so dick wie ein menschliches Haar, ermöglichte es den Wissenschaftlern, die Aktivität einzelner Neuronen aufzuzeichnen. Gezeigt wurde den Tieren ein Video, in dem ein anderer Rhesusaffe vorkam. Gleichzeitig wurden auch die Blicke der Affen beobachtet.

Von den 151 Neuronen, die die Wissenschaftler unterscheiden konnten, wurden 23 nur dann aktiv, wenn der Rhesusaffe auf die Augen des anderen Affen schaute. Von diesen Neuronen, die das Team als „Augenzellen“ bezeichnete, wurden vier aktiver, wenn das gezeigte Tier zurückzuschauen schien. Laut Gothard wurden diese Zellen von der Evolution auf das Auge ausgerichtet und sammeln Informationen darüber, wer das Gegenüber ist. Andere Augenzellen wurden aktiviert, wenn der Affe im Video freundlich, aggressiv oder neutral erschien.

Neue Therapien für Autismus und Co

Gothard will in einem nächsten Schritt erforschen, ob Medikamente die Aktivität der Augenzellen bei Affen verbessern können. So könnten eines Tages neue Behandlungsansätze für Krankheiten entstehen, bei denen ein verringerter Augenkontakt und Schwierigkeiten bei den sozialen Interaktionen eine Rolle spielen. „Zuerst müssen wir aber mehr wissen. Wir haben gerade erst die Existenz dieser Zellen nachgewiesen.“ Geplant sind Tests mit dem Hormon Oxytocin, das soziale Bindungen zu verbessern scheint.

Auch wenn ein Nasenspray mit Oxytocin bereits zur experimentellen Behandlung von Autismus eingesetzt wird, wollen die Forscher Therapien weiter verbessern. Martha Farah, eine kognitive Neurowissenschaftlerin an der University of Pennsylvania http://www.upenn.edu , hält es für eine plausible Hypothese, dass Menschen auch über Augenzellen verfügen könnten. Es gibt, so die nicht an der aktuellen Studie beteiligte Forscherin, viele Ähnlichkeiten in den visuellen Systemen von Menschen und Affen.

Ansprechpartner für Medien

Michaela Monschein pressetext.redaktion

Weitere Informationen:

http://www.arizona.edu

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