Lichtblitze aus dem Plasmaspiegel

Mit extrem intensiven Laserpulsen erzeugt das internationale Team aus Laserphysikern schnelle Elektronen, die als Plasmaspiegel wiederum Attosekunden-Lichtblitze emittieren. Thorsten Naeser

Beschleunigt man eine dichte Schicht von Elektronen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit, so werden sie zu einer spiegelnden Oberfläche. Mit Hilfe dieses so genannten Plasmaspiegels kann man Lichtstrahlung umwandeln.

Das Phänomen hat sich ein internationales Physikerteam des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Umeå Universität in Umeå (Schweden) zu Nutze gemacht.

Sie haben den Plasmaspiegel aus schnellen Elektronen zur Erzeugung von isolierten, sehr intensiven Attosekunden-Lichtblitzen verwendet und ihren Erzeugungsprozess charakterisiert. Eine Attosekunde dauert ein Milliardstel einer milliardstel Sekunde.

Die Wechselwirkung zwischen extrem starken Laserpulsen und Materie hat neue Wege eröffnet sehr kurze Lichtblitze, die nur noch Attosekunden dauern, zu erzeugen und damit den Mikrokosmos zu erforschen. So kurze Lichtblitze werden in der Regel durch die Interaktion von Laserlicht und Elektronen in Edelgas-Atomen produziert.

Doch nun haben Laserphysiker vom Labor für Attosekundenphysik am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching und der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit Kollegen der Umeå Universität eine neue Möglichkeit entwickelt, isolierte Attosekundenpulse zu generieren.

Dazu haben sie extrem starke, Femtosekunden-lange Laserpulse mit Glas wechselwirken lassen. Das Laserlicht ionisierte das Glas und beschleunigte die freigesetzten Elektronen fast bis auf Lichtgeschwindigkeit.

Dabei entstand ein sehr dichtes Plasma aus schnellen Elektronen, das wie ein Spiegel wirkt und sich in Richtung der Laserpulse bewegt. Erreichen die Elektronen nun knapp Lichtgeschwindigkeit, werden sie relativistisch. Sie beginnen im Laserfeld zu oszillieren. Dadurch erzeugt der Spiegel, den sie dabei formen, wiederum Attosekunden-Lichtblitze.

Diese Blitze haben eine geschätzte Dauer von rund 200 Attosekunden und verfügen über Wellenlängen im ultravioletten Spektrum des Lichts (20-30 Nanometer, 40-60 eV).

Im Gegensatz zu herkömmlich erzeugten Attosekunden-Lichtblitzen konnten die Physiker diese Lichtblitze mit Hilfe der Form der Lichtwellen des Lasers sehr präzise kontrollieren.

Ebenso beobachteten sie den zeitlichen Ablauf des Erzeugungsprozesses, d. h. die Bewegung des Plasmaspiegels. Die über den Plasmaspiegel produzierten Lichtblitze verfügen nun über eine weit höhere Intensität, also mehr zusammen geballte Lichtteilchen, als herkömmliche Attosekunden-Lichtblitze.

Die höhere Intensität ermöglicht es den Forschern ihre Beobachtungen im Mikrokosmos noch genauer durchzuführen. Attosekunden-Lichtblitze dienen vor allem dazu, die Bewegungen von Elektronen zu erforschen und dadurch präzise Einblicke in die elementaren Vorgänge der Natur zu erhalten.

Je intensiver diese Attosekunden-Lichtblitze sind, desto leichter wird es Teilchenbewegungen tief in der Materie zu erkunden. Mit ihren neuen Erkenntnissen haben die Laserphysiker nun eine Technologie entwickelt, die den Ultrakurzzeit-Physikern noch bessere Einblicke in die Geheimnisse der Natur verschaffen könnte.

Prof. Laszlo Veisz
Relativistic Attosecond Physics Laboratory
Department of Physics Umea University
Linnaeus väg 24, SE-90187 Umea, Sweden
Phone: +46 (0)90 786 66 62
Web: https://www.realumu.org/

Thorsten Naeser
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Labor für Attosekundenphysik
Max-Planck-Institut für Quantenoptik
Hans-Kopfermann-Str. 1, 85748 Garching b. München
Telefon: +49 (0)89 32905 124
E-Mail: thorsten.naeser@mpq.mpg.de

Dmitrii Kormin, Antonin Borot, Guangjin Ma, William Dallari, Boris Bergues, Márk Aladi, István B. Földes & Laszlo Veisz:
Spectral interferometry with waveform-dependent relativistic high-order harmonics from plasma surfaces
Nature Communications, 26. November 2018, 9, Artikel Nummer: 4992 (2018)
DOI: 10.1038/s41467-018-07421-5

http://www.mpq.mpg.de/

Media Contact

Jessica Gruber Max-Planck-Institut für Quantenoptik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie

Von grundlegenden Gesetzen der Natur, ihre elementaren Bausteine und deren Wechselwirkungen, den Eigenschaften und dem Verhalten von Materie über Felder in Raum und Zeit bis hin zur Struktur von Raum und Zeit selbst.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Astrophysik, Lasertechnologie, Kernphysik, Quantenphysik, Nanotechnologie, Teilchenphysik, Festkörperphysik, Mars, Venus, und Hubble.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Eine optische Täuschung gibt Einblicke ins Gehirn

Yunmin Wu erforscht, wie wir Bewegung wahrnehmen können. Inspiriert durch ein Katzenvideo, kam sie auf die elegante Idee, die Wasserfall-Illusion in winzigen Zebrafischlarven auszulösen. Im Interview erzählt die Doktorandin vom…

Globale Analyse über effektive und topographische Wassereinzugsgebiete

Forschende legen erste globale Analyse vor, wie effektive und topographische Wassereinzugsgebiet voneinander abweichen Topographisch skizzierte Wassereinzugsgebiete sind eine räumliche Einheit, die sich an den Formen der Erdoberfläche orientieren. In ihnen…

Strukturbiologie – Das Matrjoschka-Prinzip

Die Reifung der Ribosomen ist ein komplizierter Prozess. LMU-Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass sich dabei die Vorläufer für die kleinere Untereinheit dieser Proteinfabriken regelrecht häuten und ein Hüllbestandteil nach dem…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close